31.10.2019 16:00 |

Pitztal-Ötztal

Nun macht sich Initiative für Gletscher-Ehe stark

Die Initiative „Lebensraum Pitztal“ macht sich für die Gletscher-Ehe Pitztal-Ötztal stark. Die Mitglieder haben einen offenen Brief an LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) übergeben. Der Tenor lautet: „Fragt endlich auch einmal jene, die im Tal leben - und nicht nur die Alpenvereine.“

Es gibt aktuell zwei Themen, die den Tirolerinnen und Tirolern ganz besonders unter den Nägeln brennen. Das ist zum einen der Innsbrucker Flughafen. Die Grünen haben ja gemeint, sie können eine Debatte über die Schließung des für ganz Tirol so wichtigen Unternehmens starten. Sie haben die Rechnung aber ohne die Bevölkerung gemacht – die hat ihnen nämlich postwendend gesagt, was sie davon hält: nämlich gar nichts! Das spiegelt sich auch in den vielen Leserbriefen wider, die in den letzten Tagen in unserer „Krone“-Redaktion eingelangt sind.

Zahlreiche Leserbriefe in „Krone“-Redaktion eingelangt
Zum anderen brennt aktuell auch der Zusammenschluss von Ötztaler und Pitztaler Gletscher unter den Nägeln. Auch dazu gab es in den vergangenen Tagen zahlreiche Leserbriefe. Vor allem von den Betroffenen im Pitztal. Im Tal selbst stehen die meisten dem Vorhaben positiv gegenüber. Weil sie genau wissen, was das Pitztal ohne Tourismus wäre: Nämlich ein armes, ausgestorbenes Tal! Selbiges gilt natürlich auch für alle Seitentäler im ganzen Land.

Das alles müssen jene bedenken, die über die Gletscher-Ehe entscheiden. Und auch jene, die derzeit besonders laut gegen das sinnvolle Vorhaben schreien.

„Zusammenschluss ist zentrales Thema“
Unter dem Motto „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ sind einige Pitztaler, die sich als Initiative „Lebensraum Pitztal“ für den Zusammenschluss stark machen, diese Woche nach Innsbruck gefahren und haben LHStv. Ingrid Felipe von den Grünen einen offenen Brief überreicht. „Natur- und Umweltschutz sind für uns von großer Bedeutung. Wir sind aber davon überzeugt, dass sich Naturschutz und eine touristische Weiterentwicklung des Pitztales nicht ausschließen“, heißt es in diesem Schreiben. Und weiter: „Der Zusammenschluss der beiden Gletscherskigebiete ist ein für uns Pitztalerinnen und Pitztaler zentrales Thema. Aufgrund der oftmals leider einseitigen Darstellung des Projektes und vieler Falschmeldungen möchten wir uns gerne selbst Gehör verschaffen und unsere Sicht der Dinge in die öffentliche Diskussion einbringen.“

„Wie wir denken, scheint niemanden zu interessieren“
Die Initiative, die sich aus Personen aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Beherbergung, Skischulen, Wanderführer, Urlaub am Bauernhof sowie dem neuen Steinbock Zentrum zusammensetzt, kritisiert auch, dass die Betroffenen selbst nie befragt wurden. „Die PR-Maschine der Alpenvereine und Umweltschutzverbände rollt mit voller Kraft voraus und bedient vornehmlich die Meinung ihrer meist urbanen Unterstützer. Wie aber die Menschen denken, die im Pitztal wohnen, die hier ihre private und berufliche Zukunft sehen, scheint niemanden zu interessieren. Dagegen wehren wir uns. Wir sind in diesem Tal aufgewachsen. Wir sind diesem Tal treu geblieben, haben uns in jungen Jahren auf den Weg gemacht, um in der weiten Welt Erfahrungen zu sammeln und unsere Ausbildungen abzuschließen. Und wir sind wieder zurückgekehrt, haben die Betriebe übernommen, die unsere Eltern und Großeltern mit viel persönlichem und finanziellem Einsatz aufgebaut haben“, schreiben die Betroffenen.

Gleichzeitig müssen sie mitansehen, wie die Infrastruktur des täglichen Lebens immer mehr zurückgeht. „Was es heißt, bis zu 35 Kilometer zur nächsten Apotheke, zur nächsten Tankstelle oder zu einem normalen Supermarkt zu fahren, können sich Ortsfremde nicht vorstellen. Die Damen und Herren aus den Reihen der Naturschutzverbände und Alpenvereine, die schnell am Gletscher ein Foto schießen oder ein Video drehen, um dann wieder in den Medien gegen das Projekt zu polemisieren, erst recht nicht. Denn in Innsbruck oder Wien kennt man solche Probleme natürlich nicht, weil jede freie Fläche sogleich mit dem nächsten Supermarkt, Kettenhotel oder Gewerbegebiet versiegelt wird“, stellen die Betroffenen klar.

Seit dem Jahr 2000 sind die Winterübernachtungen in St. Leonhard unverändert. Der Tourismus, die einzige wirtschaftliche Säule in der Gemeinde, stagniere. „Mit welcher Rechtfertigung spricht man uns die Möglichkeit ab, unseren Wirtschafts- und Lebensraum so weiterzuentwickeln, dass auch unsere Kinder die Chance auf eine Zukunft im Pitztal haben?“, fragen sie zurecht. Die Debatte ist eröffnet und muss auf Augenhöhe geführt werden!

Markus Gassler
Markus Gassler
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