06.10.2019 07:28 |

41. bei WM-Marathon

Ischias-Probleme stoppen Ketema: „Nicht mein Tag!“

„Das war heute nicht mein Tag!“, bekannte Lemawork Ketema kurz und bündig, nachdem er im Marathonlauf der Leichtathletik-WM in Doha in 2:20:45 den 41. Platz belegt hatte. Tags zuvor hatte der gebürtige Äthiopier noch die Möglichkeit von einem Top-10-Platz in den Raum gestellt. Doch nach 15 km traten alte Ischias-Beschwerden auf. Da war es eher heldenhaft, dass er den Marathon beendete. An der Spitze gab es einen äthiopischen Doppelsieg durch Lelisa Desisa (2:10:40) und Mosinet Geremew (2:10:44) vor dem Kenianer Amos Kipruto (2:10:51).

„Die äußeren Bedingungen selbst waren nicht so schlimm wie befürchtet“, erzählte Lemawork Ketema. ÖLV-Sportkoordinator Hannes Gruber sprach in diesem Zusammenhang schon von „einem Glückstag“. Hatte es eine Woche zuvor beim Frauen-Marathon noch ganz extreme Bedingungen gegeben, so herrschten mit „nur“ rund 29 Grad und knapp 50 Prozent Luftfeuchtigkeit für Katar noch akzeptable Laufbedingungen. Da die Hitze nicht Richtung 36 oder 38 Grad kletterte, benutzte Ketema das zur Abkühlung vorbereitete Stirnband mit integrierten Eis-Pads auch nur drei Kilometer.

„Also“, so wiederholte Österreichs Marathon-Rekordler, „am Wetter lag es nicht, dass ich nicht, wie erhofft, weiter vorne mitlaufen konnte.“ Er sprach hingegen von Ischias-Beschwerden, die heuer schon vor ein paar Monaten aufgetreten waren. Trainer Harald Fritz vermutete: „Es ist offenbar eine alte Verletzung, die er vor ein paar Jahren hatte, plötzlich wieder aufgetreten. Das war damals eine Stressfraktur des Schambeins und war schon lange ausgeheilt. Es wäre sicher besser gewesen das Rennen aufzugeben, aber er ist halt ein Wettkampftier und ein Aufgeben gibt es für ihn nicht.“

Nur bis circa sechs Kilometer konnte der EM-Achte so halbwegs mit der erweiterten Spitze mithalten. Dann ließ er sich, auf dem taghell beleuchteten Rundkurs an der Corniche - wie vor dem Rennen mit Harald Fritz abgesprochen - lieber sukzessive zurückfallen, um sich nicht zu übernehmen. „Ich wollte vor allem das Rennen beenden!“ Was ihm gelang. Gleich nach dem Ziel wurde bei ihm Fieber gemessen. Mit 37,2 Grad war es ein Grad geringer als zwei Tage zuvor nach einem 10-km-Testlauf. Doha war eine Zwischenstation für Ketema in Hinblick auf die Spiele 2020 in Tokio. Deshalb schluckte er vor dem Rennen einen ein paar Millimeter großen Sensor, der Daten auf seine Körpertemperatur lieferte. Diese werden in den nächsten Tagen ausgewertet und sollen schon Aufschlüsse für Tokio geben.

Denisa gewinnt
Sieger Lelisa Denisa, schon Sieger der großen Stadt-Marathons von New York und Boston sowie WM-Zweiter 2013, empfand die Bedingungen übrigens auch weniger schlimm als befürchtet. Die exakten Daten gaben ihm Recht. Beim Start wurden 29,09 Grad und 48,6 Prozent Luftfeuchtigkeit gemessen, später sank die Luftfeuchtigkeit auf 46,9 Prozent. So erreichten auch 55 der gestarteten 73 Marathonläufer das Ziel. Denisa strahlte: „Ich bin nur überglücklich, ich habe auf dieses Gold hintrainiert. Mein nächstes großes Ziel ist eine Olympia-Medaille. Ich habe das WM-Gold vor allem für mein Land geholt. Bei dieser WM standen 100 Millionen Landsleute hinter mir. Sie haben mich alle beflügelt“, sagte Denisa, der „stolz“ sei, nach Gezahegna Abera (Edmonton 2001) das zweite Marathon-Gold bei einer WM für Äthiopien gewonnen zu haben.

Den Schlusssatz der Pressekonferenz widmete Lelisa Denisa übrigens Weltrekordler Eliud Kipchoge (Kenia) für dessen Versuch, am 12. Oktober in Wien als erster Läufer der Welt die Zwei-Stunden-Grenze im Marathon zu unterbieten: „Ich wünsche ihm viel Glück.“

Olaf Brockmann

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