15.09.2019 07:00 |

Album „The Nothing“

Korn: Ein Blick zurück und ins Erdinnere

Ihre Beharrlichkeit kann man durchaus bewundern: Seit mehr als 25 Jahren bringt die US-Metalband Korn stumpf hämmernde Songs unter ihre Fans, wobei die großen Erfolge mit Nummern wie „Freak On A Leash“ oder „Falling Away From Me“ schon einige Zeit zurückliegen. Seitdem verspricht man für jeden neuen Release: So gut wie das alte Zeug. Auch bei „The Nothing“, das dieser Tage erschien.

Es ist die mittlerweile 13. Studioplatte des Quintetts um Sänger und Aushängeschild Jonathan Davis, der zumindest eines in punkto Rückbesinnung auf alte Tugenden einlöst: Gleich im kurzen Opener „The End Begins“ erklingt der von ihm gespielte Dudelsack, ein Markenzeichen von Korn, das zuletzt allerdings immer seltener zum Einsatz kam. Auch in weiterer Folge weiß sich die Band gut in Szene zu setzen, klingt in „Cold“ wütend wie schon lange nicht oder beweist mit der ersten Single „You‘ll Never Find Me“, dass man immer noch einen Hang zu großen, melodiösen Refrains hat.

Umfassendes Konzept
Inhaltlich versucht sich Davis auf „The Nothing“ an einem umfassenderen Konzept, geht es dem 48-Jährigen zufolge beim Titel doch um „eine außerordentliche Kraft“, die er tief im Erdinneren verortet. „Nur wenige sind sich bewusst über das Ausmaß und die Bedeutung dieses Ortes, an dem Gut und Böse, Dunkelheit und Licht, Glück und Qual, Verlust und Gewinn sowie Hoffnung und Verzweiflung als Einheit existieren - und in jedem Moment unseres Lebens an uns zerren“, wird er von der Plattenfirma zitiert.

Nun, ganz so ernst sollte man die von Davis formulierte Dichotomie auf diesem Album natürlich nicht nehmen. Ohnehin gibt in seinen Texten eher die dunkle Seite den Ton an, was meist soweit führt, dass Anhänger der ersten Stunde im Baukastenprinzip wohl etliche der neuen Stücke auseinandernehmen und wieder zusammensetzen könnten. Allerdings ist die gesangliche Darbietung des Frontmanns so überzeugend wie schon lange nicht, sofern man mit seiner zwischen flüsterndem Singsang und brutalem Geschrei angesiedelte Nabelschau etwas anfangen kann.

Verspielter
Der größte Pluspunkt dieser von Nick Raskulinecz produzierten Platte ist allerdings ihr atmosphärischer Aufbau, den man so am ehesten noch von „Issues“ oder „Untouchables“ in Erinnerung hat. Anstatt, wie beim Vorgänger „The Serenity Of Suffering“, eine Dreiviertelstunde lang nur auf Anschlag durch die Metalwälder zu pflügen, dürfen die Gitarristen James „Munky“ Shaffer und Brian „Head“ Welch sich auf kurzweilige Art gegenseitig umspielen, liefert Bassist Reginald „Fieldy“ Arvizu das pulsierende Fundament und weiß Schlagzeuger Ray Luzier mittlerweile, dass weniger manchmal mehr sein kann.

Dennoch: Korn ohne Davis, das wäre dann letztlich nur eine weitere Metalband unter vielen. Das 80er-Faible des Sängers, das bei „Can You Hear Me“ heftig durchschimmert, die auf Katharsis ausgelegten Strukturen und der wieder an den Tag gelegte Wandlungsreichtum machen aus „The Nothing“ ein gut verdauliches Album, für das sich die Band keineswegs zu schämen braucht. Neu erfunden haben die Nu-Metal-Mitbegründer das Rad schon in den 1990ern nicht, man sollte es auch jetzt nicht erwarten. Korn sind vielmehr stoische Handwerker, denen nach längerer Durststrecke wieder ein ziemlich ansehnliches Möbelstück gelungen ist.

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