11.07.2019 09:00 |

Oberland & Außerfern

Kindergärten wieder zu 100 Prozent weiblich

In den Bezirken Imst, Landeck und Reutte arbeitet mit Markus Hochenegger genau ein Kindergartenpädagoge. Aber auch dieser bleibt den Kindern nicht erhalten. Dabei läge die Ausbildungsstätte in Zams gerade um die Ecke. Burschen scheuen offensichtlich den „Frauenberuf“, doch das fixe Rollenbild ist angezählt.

In den Schulen und Kindergärten ist Ruhe eingekehrt. Auch in den Kindergarten (Kiga) in Prutz, der nun im Sommerbetreuungsmodus läuft, wie viele andere. Allerdings ist im Kiga Prutz etwas gravierend anders als anderswo: Der Unterschied heißt Markus Hochenegger, der einzige Kindergartenpädagoge im Tiroler Oberland und Außerfern, der seinen Beruf auch ausübt.

Eine Situation, die keiner will
Aber in die Ruhe des „offenen Kindergartens“ mischt sich auch Trauer der sechs Pädagoginnen. „Ihr“ Markus wird die Welt der „Wuzelen“ verlassen und sich ab Herbst einem Studium widmen. Nun sind die Kindergärten im westlichen Tirol wieder zu 100 Prozent in Frauenhand. Eine Situation, die eigentlich keiner will.

„Ich weine“, sagt Kiga-Leiterin Doris Gröfler beim „Krone“-Besuch, „ein Mann im Haus wäre einfach super. Und den Markus lieben die Kinder.“ Für den Hahn im Korb war allerdings diese Berufswahl anfangs nicht einfach: „Als ich in meinem Freundeskreis verkündete, dass ich die Kindergartenschule in Zams besuchen werde, gab’ s schon komische Bemerkungen.“

„Ich war bis zur dritten Klasse der einzige Bursche“
Vor allem das erste Jahr sei nicht einfach gewesen: „Ich war bis zur dritten Klasse der einzige Bursche in der Schule und war anfangs auch ziemlich nervös.“ Der mittlerweile 23-Jährige war überhaupt der erste männliche Maturant der Bildungsanstalt für Elementarpädagogik Zams (BAfEP), wie diese mittlerweile heißt.

Von der schwärmt der Fisser mit Interesse an Pädagogik und Sozialem immer noch und spricht von einer „supertollen Ausbildung“. Und von einem „sehr schönen, abwechslungsreichen Beruf“, den er seit zweieinhalb Jahren ausübt„, in dem kein Tag gleich sei.

“Du brauchst dafür nicht die totale Passion“
Auch Hochenegger versteht den eklatanten Männermangel nicht: “Du brauchst nicht die totale Passion und Berufung, ,ich habe immer schon mit kleineren Kindern gespielt‘. Es ist ein normaler Beruf, der Freude bringt, wenn du siehst, wie die Kinder Fähigkeiten entwickeln, die sie im späteren Leben brauchen." Es sei eine erfüllende Tätigkeit mit der Faszination der absoluten Ehrlichkeit, die den Kindern (noch) eigen ist.

Die Tatsache, dass der einzige Kiga-Pädagoge im Oberland - übrigens auch Kapellmeister in Tösens - die Kinderwelt verlässt, habe nichts mit der Attraktivität zu tun: „Mich reizt eben ein Studium. Ich kann ja jederzeit wieder in diesen Beruf zurückkehren.“

Vier junge Pädagogen stehen vor Entscheidung
Auch der Verdienst sei kein Kriterium, der sei absolut in Ordnung. Kiga-Leiterin Doris Gröfler hofft jedenfalls, wieder einen männlichen Kollegen als Nachfolger zu bekommen, die Wahrscheinlichkeit ist allerdings eher gering.

Einer der vier jungen Elementarpädagogen, die heuer die BAfEP mit Matura abgeschlossen haben, wird es sicher nicht sein, denn die müssen zuerst Präsenz- bzw. Zivildienst ableisten. Stefan Schiechtl aus Imsterberg ist einer der Neuen: “Ich absolviere nun den Zivildienst im Kindergarten Zams, dann werde ich mich entscheiden, ob ich arbeite oder ein Studium beginne." Trotzdem: Das konservative Rollenbild scheint langsam zu bröckeln.

Hubert Daum, Kronen Zeitung

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