Di, 25. Juni 2019
23.05.2019 07:00

Nach Strom-Tragödie

Gummi-Geländer rettete sieben Kinderleben

Warum starb der Feuerwehrmann, während sieben Kinder unverletzt blieben? Diese Frage beschäftigt nicht nur die Ermittler nach der Gollinger Strom-Tragödie . Eine Erklärung dafür liegt eigentlich auf der Hand: der Kunststoffüberzug am Geländer des Metallkorbs. Da hielten sich die Kinder fest, da stoppte der tödliche Stromfluss.

Eigentlich ist es Schulwissen: Strom fließt nur in einem geschlossenen Kreis, also wenn zwei Pole miteinander verbunden sind – zB durch leitfähiges Metall oder menschliche Körper.Nur wenn Personen in einen solchen geschlossenen Stromkreis geraten, bekommen sie einen Schlag ab. Bereits ab 65 Volt kann dieser tödlich sein, 10.000 Volt sind es sowieso. Umgelegt auf die Gollinger Tragödie drängt sich deshalb die Frage auf: Wieso blieben jene Schüler, die mit dem Feuerwehrmann im Metallkorb waren, völlig unversehrt?

Die Antwort darauf ist nur wenige Millimeter dick: Die sieben Kinder zwischen zehn und elf dürften sich einfach an der richtigen Stelle festgehalten haben, nämlich am kunststoffummantelten Geländer. Plastik leitet im Gegensatz zu Metall nicht.

Plastik rettete Leben

110.000 Volt flossen also – vermutlich durch Funkenschlag oder Berührung der Stromleitung – über den Körper des Mannes bzw. direkt in den Metallkorb. Der Stromfluss ging dann runter bis zum Hauptschalter der Teleskopmastbühne und ließ diesen durchschmoren. Aber in den Körper der Kinder floss der Strom nicht, da das Plastik den Stromübergang verhinderte – und so sieben Leben rettete.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Auf „Krone“-Nachfrage wollte der Hersteller - die Firma Rosenbauer - auf diese These nicht eingehen. Nur: „Alle unsere Produkte sind so entwickelt, dass sie größtmögliche Sicherheit für die Einsatzkräfte bieten. Für die Herstellung und den Betrieb gibt es Normen und Richtlinien, die die Sicherheit der Besatzung regeln.“

Diese Regeln sind Teil der Untersuchungen: Bekanntlich ermittelt die Justiz gegen einen weiteren Feuerwehrmann. Weil dieser unbestätigten Informationen zufolge zum Unglückszeitpunkt nicht dort war, wo er hätte sein sollen: beim Hauptbedienstand. Der Vorschrift nach müssen solche Hebebühnen aber von zwei Personen bedient werden, steht auch im Betriebshandbuch. Ob dies fahrlässig war, entscheidet der Staatsanwalt.

Antonio Lovric
Antonio Lovric

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