26.04.2019 12:21 |

Image-Krise

Huawei und das süß-saure Verhältnis zum Westen

Eigentlich könnte es für Huawei kaum besser laufen: Das 1987 im südchinesischen Shenzhen mit einem Startkapital von umgerechnet gerade einmal 2800 Euro gegründete Unternehmen erwirtschaftete im Vorjahr über 108 Milliarden US-Dollar und gilt inzwischen als größter Telekomausrüster und zweitgrößter Handyhersteller der Welt. In Österreich beträgt der Marktanteil der Chinesen bei Smartphones inzwischen stolze 30 Prozent. Und doch: Der vor allem von den USA erhobene Vorwurf, das Unternehmen könnte in seinen Produkten Hintertüren verbaut haben, um im Auftrag der chinesischen Regierung Millionen Nutzer auszuspionieren, lastet schwer auf Huawei. Mit einer beispiellosen PR-Offensive bemüht sich der Konzern um eine Imagekorrektur.

Mehrere hundert Journalisten und Branchenvertreter aus aller Welt waren zu Huaweis Global Analyst Summit nach Shenzhen geladen, um zu erfahren, wie das chinesische Unternehmen mithilfe modernster Technik den neuen Mobilfunkstandard 5G vorantreiben will. Im Mittelpunkt des Events stand allerdings eine ganze andere Frage: Wie sicher sind die Netze und Produkte des Konzerns, der doch - so zumindest der seit Monaten immer wieder erhobene Vorwurf aus den USA - mit der Kommunistischen Partei Chinas unter einer Decke stecken und auf deren Verlangen hin Informationen über seine Nutzer preisgeben, ja gar sogenannte Backdoors in seinen Produkten verbaut haben soll?

„Es gibt keinen rauchenden Revolver“
Huawei selbst weist sämtliche Anschuldigungen kategorisch zurück - und kontert seinerseits mit Offenheit. In einer für ein Unternehmen dieser Größe bislang beispiellosen Imagekampagne versucht sich der Konzern gegenüber dem Westen transparent zu geben und öffnet die Türen zu seinen „Hallen“. Medienvertreter aus aller Welt werden seit Monaten durch Labore und Fertigungsstätten des Unternehmens geführt. Zu sehen gibt es dort allerlei Interessantes, allerdings nichts, was die Vorwürfe bloßen Auges für den Laien entkräften könnte. Die Botschaft ist dennoch klar: „Seht her, wir haben nichts zu verbergen.“ Oder wie es Huawei-Sprecher Joe Kelly ausdrückt: „Es gibt keinen rauchenden Revolver (“smoking gun„, Anm.).“

Der Brite arbeitet seit sechs Jahren für Huawei und vermutet hinter den Vorwürfen der USA „geopolitische Gründe“, zumal der chinesische Konzern bislang keinerlei Mobilfunknetze in den Vereinigten Staaten betreibt und auch Huawei-Smartphones seit Jahren vom US-Markt ausgeschlossen sind. Woher dann die Angst vor Huawei und anderen Unternehmen aus Fernost? Geht es nach Schätzungen des britischen Finanzunternehmens Standard Chartered Bank, soll China bis 2030 zur weltstärksten Wirtschaftsmacht aufsteigen - und die USA, nach Indien, dann auf den dritten Platz verweisen. „Der Westen stirbt nicht, aber der Osten steigt empor“, formuliert es Kelly.

„Cybersicherheit ist kein politisches, sondern ein technisches Problem“
Auch John Suffolk, viele Jahre für die britische Regierung tätig und nun bei Huawei als Global Cyber Security & Privacy Officer oberster Wächter über die Cybersicherheit sämtlicher Produkte, vermutet hinter der ganzen Debatte um die Beteiligung Huaweis am 5G-Ausbau eine politische Angelegenheit. Dabei sollte Cybersicherheit doch eigentlich ein technisches Problem sein, meint er und betont, dass Huawei lediglich die Komponenten für die Netze verkaufe - betrieben würde diese jedoch von den Providern. Das Unternehmen habe somit keinen Zugriff auf die Daten der Nutzer. Ganz nebenbei, so Suffolk, seien auch Konkurrenzprodukte von Apple, Nokia oder Ericsson größtenteils „made in China“.

Huawei-CEO: „Werden niemals etwas tun, das die Privatsphäre verletzt“
Vorbehalte bleiben dennoch, auch in vielen Ländern Europas. Guo Ping, derzeit amtierender Vorstandvorsitzender von Huawei, versucht sich deshalb als Brückenbauer und will eine „globale Zusammenarbeit“ anstreben mit jenen Ländern und deren Konsumenten, die sein Unternehmen unterstützen. Cybersicherheit und Datenschutz hätten dabei oberste Priorität: „Wir werden niemals etwas tun, das die Privatsphäre verletzt. In der EU halten wir uns strikt an die DSGVO“, sagt der 53-Jährige, der sich vor einer Delegation österreichischer Journalisten, darunter auch krone.at, als Liebhaber österreichischer Musik und der Existenzanalyse Viktor Frankls outet.

Als Ausrüster trage man dafür die Verantwortung, dass es keine Hintertüren in den Geräten gebe. „Es liegt an den Netzwerkunternehmen zu entscheiden, ob sie lauschen wollen oder nicht. Die Daten sind im Besitz von Netzwerkunternehmen und Geheimdiensten“, betont er noch einmal gebetsmühlenartig, was vor ihm bereits so viele andere Huawei-Manager gesagt haben, und verweist auf die weiße Weste des Unternehmens: In den letzten 30 Jahren habe man die branchenweit beste Bilanz im Bereich Cybersicherheit erzielt und sei von keinem einzigen Netzwerkausfall betroffen gewesen, so Guo Ping.

Wie europäische Autos in China
Dass andere Länder beschlossen hätten, nicht mit Huawei zusammenzuarbeiten, sei dem Huawei-CEO zufolge zu akzeptieren. Weniger Verständnis zeigt er für die Haltung der USA: „Kürzlich sagte Präsident Trump, dass US-Unternehmen die Führung in 5G übernehmen müssen. Warum können nicht chinesische Unternehmen die Führung übernehmen?“, fragt er und führt als Analogie die Vorliebe vieler Chinesen für europäische Autos an: „Meine Familie hat vier Autos und alle stammen von europäischen Herstellern. Auch viele meiner Kollegen fahren europäische Autos.“ Umgekehrt sehe er nicht viele chinesische Autos in Europa. „Das mag darauf hindeuten, dass chinesische Autos nicht gut genug sind“, räumt er ein. Huawei stelle jedoch ausgezeichnete Telekommunikationsausrüstung her. „Wir hoffen, dass sie sich auf dem europäischen Markt gut verkauft - so wie europäische Autos in China.“

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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