Do, 23. Mai 2019
25.04.2019 14:38

Ma zu Kanzler Kurz:

„EU zerbricht sich zu sehr Kopf über Datenschutz“

Der Internetriese Alibaba sprengt alle Dimensionen. Eine Milliarde Kunden habe seine Firma bereits, davon 700 Millionen in China, zwei Milliarden würden angestrebt, sagte Gründer Jack Ma am Donnerstag beim Besuch von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in der Firmenzentrale in Hangzhou. Zugleich bewarb er seine Plattform als große Chance für kleine und mittelgroße Firmen, auch aus Österreich.

Alibaba schult regelmäßig Unternehmer aus anderen Ländern, wie sie den chinesischen Markt besser erreichen können. Ma - der chinesische Milliardär machte jüngst mit seiner Präferenz einer 72-Stunden-Arbeitswoche international Schlagzeilen - sagte Kurz zu, 30 Unternehmen aus Österreich so eine Schulung anzubieten, was Kurz als Chance sieht, den heimischen Export in den rasant wachsenden Markt zu fördern.

Zugleich erinnerte Kurz einmal mehr daran, dass Österreich auf einem fairen Handel auf Augenhöhe mit China poche und nicht einsehe, warum die stärkste Volkswirtschaft der Welt in der Welthandelsorganisation WTO immer noch als Entwicklungsland mit entsprechenden Privilegien geführt werde.

„Österreich hat fantastische Produkte“
Ma streute Österreich pauschal Rosen und sagte: „Sie haben fantastische Produkte“, solche brauche China. Zugleich nutzte er die Führung mit Kurz, Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und einer großen österreichischen Delegation zu einer Werbetour für sein Unternehmen. Es gehe darum, vor allem kleinere Unternehmen mit Kunden zusammenzubringen. Aus einer Hand können die Kunden über die Zahlungs-Tochter Alipay ihre Rechnungen zahlen.

„Europa zerbricht sich zu sehr Kopf über Datenschutz“
Datenschutz ist für Ma dabei kein Thema. „Europa zerbricht sich viel zu sehr den Kopf über Datenschutz“, sagte er, während er das Alibaba-Modell für die intelligente Stadt von morgen präsentierte, in der sein Algorithmus etwa alle Ampeln so steuert, dass Einsatzfahrzeuge freie Fahrt haben.

Er sieht es auch als rein technologische Errungenschaft, dass Alipay innerhalb einer Sekunde an Firmen Kredite von bis zu einer Million Yuan (rund 120.000 Euro) vergeben kann - ganz nach Algorithmus und ohne dass ein Mensch eingebunden wird. Klar werde dafür auf vorhandene Daten und den „Vertrauensbonus“ von Unternehmen zurückgegriffen, sagte er. Daten seien schließlich das wertvollste Gut der aktuellen Zeit.

Alibaba verdient Geld als Handelsplattform
Alibaba ist eine Handelsplattform und verkauft selber keine Waren, was ein großer Unterschied zum US-Konkurrenten Amazon ist. Der Börsenwert liegt aktuell bei 420 Milliarden Dollar (rund 375 Milliarden Euro). 2016 schlug Alibaba 500 Milliarden Dollar um, für 2020 strebt Ma schon das Doppelte, also eine Billion Dollar, an. Und 10 Millionen Firmen sollen ihre Produkte auf seiner Plattform anbieten, die inzwischen außerhalb Chinas in Belgien, Ruanda und Malaysia Zentralen hat. Gerade auf Afrika setzt Ma, der sich sukzessive aus seinem Unternehmen zurückzieht, große Hoffnungen. Die Anbindung ans Internet sei dort heute viel besser als in China im Jahr 1999, als der ehemalige Englischlehrer sein Unternehmen gründete.

Kanzler ist beeindruckt von Jack Ma
Kurz gab sich nach dem Besuch bei Ma, den er schon mehrfach getroffen hat, beeindruckt. Dieser wisse, welche Trends es in der Gesellschaft und in der Wirtschaft gebe und sei daher ein wichtiger Ideengeber und Partner, um sich auszutauschen. „Ich habe große Sorge, dass wir uns teilweise in der Europäischen Union in den falschen Diskussionen verlieren“, so Kurz. Man versuche Wohlstand zu verteilen, der noch nicht entstanden ist, und bremse Innovation durch Regulierung.

Man solle in Europa nicht in Ängsten verharren, sondern innovativ und mutig sein, „sonst werden uns Länder wie China in so einer Geschwindigkeit abhängen, dass wir uns das jetzt noch gar nicht vorstellen können“. „Ich habe das Gefühl, dass wir in Europa viel zu oft gesättigt sind, dass es oftmals zu viel Selbstzufriedenheit gibt.“ Die Plattform Alibaba als Chance für kleinere österreichische Firmen sieht Kurz nur teilweise. Sie böten zwar eine Chance für zusätzliche Exporte, man müsse aber darauf achten, dass nicht der stationäre Handel zu reinen Schauräumen verkomme.

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