06.03.2019 16:56 |

Funkloch war Folge

Politiker ließ für Promi-Freund Handymast abbauen

Manche sind gleicher: Weil ein prominenter Anwohner in einem Städtchen im deutschen Baden-Württemberg sich von einem Mobilfunkmast belästigt gefühlt und sich bei einem Bezirkspolitiker beschwert hat, hat dieser die Entfernung des Masten veranlasst. Die Folge: In der Gemeinde gab es Funklöcher, selbst heute leiden die Internetnutzer noch unter dem Freundschaftsdienst.

Das berichtet das deutsche IT-Magazin „Golem“ unter Berufung auf einen Informanten, der bei einem Mobilfunker für den kommunalen Netzausbau zuständig ist. Dieser habe diese Vorgänge im Städtchen Ludwigsburg unweit von Stuttgart beobachtet.

Stein des Anstoßes war ein Handymast, den man auf dem Dach eines Schwesternwohnheimes platziert hatte. Der Insider: „Das Dach des Wohnheimes war optimal: weit und breit das höchste Gebäude und genau an der funktechnisch richtigen Stelle.“

Mietvertrag nicht verlängert, Mast entfernt
Doch die Antennen am Schwesternwohnheim waren einem nicht näher benannten Promi-Anwohner ein Dorn im Auge. Der wandte sich an einen Regionalpolitiker, der ihm schriftlich zugesichert haben soll, dass er sich der Sache annehmen würde. Tatsächlich wurde der Mietvertrag für den Antennenplatz am mehrheitlich im Eigentum des Landkreises stehenden Wohnheims später nicht verlängert. Der Handymast musste abgebaut werden.

Die Folge für die Anwohner: Funklöcher und mieser Empfang. „Ein adäquater Ersatzstandort wäre ein mindestens 30 Meter hoher Mast im Wohngebiet, selbstverständlich ohne jede Aussicht auf Genehmigung. Die frühere Versorgungsqualität konnte bis heute nicht wiederhergestellt werden, von 4G oder 5G ganz zu schweigen“, ärgert sich der Mobilfunkmitarbeiter.

Handymasten: Anwohner haben oft Bedenken
Auch, wenn der Freundschaftsdienst am Promi bizarr anmutet: Tatsächlich kommt es nicht selten vor, dass Bauvorhaben für Mobilfunkmasten am Widerstand der Bevölkerung scheitern. Zwar freuen sich Handynutzer über guten Empfang, gleichzeitig wollen aber die wenigsten einen Handymast in ihrem näheren Umfeld stehen sehen.

Bisweilen führe das zu seltsamen Forderungen, weiß der Insider - und berichtet von einer Gemeinde, in der man ihm vorgeschlagen hatte, den Mast in einem alten Steinbruch zu bauen, damit er das Landschaftsbild nicht beeinträchtige. Dass er in der Grube seiner Aufgabe, die Bevölkerung mit Telefonie- und Internetdiensten zu versorgen, nicht nachkommen kann, hatte man dabei nicht bedacht.

Naturschützer warnen, Mobilfunker beschwichtigen
An den Haaren herbeigezogen sind die Bedenken der Bevölkerung nicht. Viele sorgen sich wegen der potenziellen Strahlenbelastung. Die Bundesdelegiertenversammlung des deutschen Bundes für Umwelt und Naturschutz: „Längst ist bekannt, dass neben der Erwärmung von Körpergewebe durch hochfrequente Strahlung auch weitere unterschiedlich gut abgesicherte Beobachtungen zu anderen biologischen, wissenschaftlich zweifelsfrei schädlichen Effekten vorliegen.“

Man habe auch Hinweise darauf, dass Mobilfunkstrahlung die Hirndurchblutung, die Spermienqualität und das Erbgut beeinträchtigen könne. Zum Schutz hiervor brauche es strenge Grenzwerte und besondere Sensibilität in sensiblen Umfeldern wie Schulen oder Kindergärten. Das solle man insbesondere mit Blick auf den bevorstehenden 5G-Ausbau berücksichtigen, der die Strahlenbelastung stark steigern könne.

Bei Netzbetreibern und Infrastrukturherstellern sieht man das naturgemäß anders. Die heimische Interessensvertretung Forum Mobilkommunikation erklärt auf ihrer Website, dass bisherige Studien keine Beweise dafür liefern würden, dass Mobilfunkstrahlung beispielsweise mit einem höheren Krebsrisiko in Zusammenhang stehen würde. Auch den kommenden 5G-Mobilfunk betrachtet man dort nicht als gesundheitsschädlich.

 krone.at
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