Geheimnis gelüftet

Nicht-Kanadier erstmals auf Olympia-Abfahrt

Sport
09.02.2010 10:21
Nach jahrelanger Geheimniskrämerei haben am Montag erstmals auch die nichtkanadischen Nationen die Herrenabfahrt in Whistler, auf der am kommenden Samstag das Rennen der Rennen in Szene geht, besichtigen dürfen. Dabei bestätigten sich sämtliche Vermutungen. Die Dave-Murray-Piste ist nicht nur relativ weich, sondern mit ihren vielen Kuppen und Übergängen so einzigartig, dass der Heimvorteil der Kanadier immens sein dürfte.

Die Olympia-Gastgeber haben nicht nur bisher exklusiv auf der Olympiastrecke trainiert, man hatte vorsorglich vor zwei Jahren bei der Generalprobe auch nur einen Super-G statt einer Abfahrt ins Programm genommen. Am Montag durften auch die Coaches aus dem Rest der Welt erstmals auf die ins gleiche Ziel wie die Damenstrecke führende Strecke, die sich trotz der frühen Morgenstunde zunehmend weich präsentierte.

"Jetzt ist es zu spät, darüber zu jammern", sah ÖSV-Herrenchef Toni Giger dennoch keinen Grund, über die jahrelange Aussperrung zu diskutieren. "Da hätten wir früher was unternehmen müssen, aber das hat damals außer mich keinen interessiert." Auch Giger war angesichts der Einzigartigkeit der Abfahrt ("Mir fällt keine vergleichbare Strecke ein") durchaus nachdenklich.

Enormer Heimvorteil für Kanada
Der Heimvorteil von Manuel Osborne-Paradis und Co. wird also umso größer sein, je weniger Trainings stattfinden. Geplant sind ab Mittwoch drei, aufgrund der hohen Temperaturen und der wechselhaften Wetterprognosen ist aber unsicher, ob auf dem weichen Untergrund alle Übungsfahrten wie geplant stattfinden werden. "Man fährt derzeit förmlich vom Winter ins Frühjahr", urteilte ÖSV-Abfahrtschef Andreas Evers.

Für die Läufer gilt so oder so, sich möglichst schnell auf die Strecke einzustellen. "Man muss sich möglichst viel möglichst schnell einprägen, um alles hundertprozentig im Griff zu haben", ist Evers bewusst. Giger fotografierte daher viel, Co-Trainer Florian Winkler fertigte ein Video an, damit sich Michael Walchhofer und Co. schon vor dem ersten Training den Rhythmus der Piste einprägen und auf die Besichtigung vorbereiten können.

"Das erinnert mich an eine Überraschungstüte aus meinen Kindertagen", scherzte Giger im Ziel. Was der Salzburger zu sehen bekommen hatte, bezeichnete er als sehr interessant. Auch die Kurssetzung. "Viel hängt vom Tempo ab, das man aber noch schwer abschätzen kann", lautete Gigers Urteil. Dazu komme, dass der momentan weicher Schnee bei einigen Minusgraden zu Beton werden könne. "Die Strecke kann von einem Training zum anderen höchst unterschiedlich sein", meinte Giger.

Keine Abfahrt für Frauen
Eines sei die Strecke aber keinesfalls, nämlich eine Frauen-Abfahrt, wie der deutsche Abfahrer Stephan Keppler unlängst geätzt hatte. "Ganz im Gegenteil: Es gibt unheimlich viel Gelände, die vielen Übergänge und Sprünge stellen eine wirkliche Herausforderung dar", erklärte Evers. Dass Osborne-Paradis der große Favorit sei, habe sich nur bestätigt, war auch Giger überzeugt. "Es braucht hier aber viel Geländeintelligenz, also darf man auch den Norweger Aksel Lund Svindal nicht unterschätzen", glaubt Giger. "Aber alle, die im Winter schnell waren, werden auch hier keine Probleme haben."

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