Mi, 21. November 2018

„Ansturm wie noch nie“

05.11.2018 10:25

Rund 200 Menschen gehen pro Woche in Privatkonkurs

Mehr als 10.000 Menschen in Österreich haben im ersten Jahr des neuen Privatkonkurses Insolvenz angemeldet. Im Zeitraum von 1. November 2017 bis 31. Oktober 2018 beantragten somit pro Woche rund 195 Menschen Privatkonkurs, zieht der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) Bilanz. Für die nächsten Monate rechnen die Gläubigerschützer mit einer Abflachung des Anstiegs.

„Der neue Privatkonkurs hat einen noch nie da gewesenen Ansturm auf die Privatkonkursgerichte gebracht“, so AKV-Geschäftsführer Hans Musser zur APA. In den ersten zwölf Monaten mit den neuen Regeln haben die Privatkonkurse gegenüber dem Vergleichszeitraum laut AKV um die Hälfte (knapp 53 Prozent) zugenommen. Seit dem heurigen Jänner beträgt das Plus sogar fast 60 Prozent.

Schritt in Privatinsolvenz geht einfacher
Der Ansturm ist darauf zurückzuführen, dass neue Personengruppen den Schritt in die Privatinsolvenz einfacher gehen können. Nach dem Entfall der zehnprozentigen Mindestquote nehmen vermehrt einkommensschwache Schuldner mit relativ geringen Verbindlichkeiten und vormalige Unternehmer mit sehr hohen Verbindlichkeiten aus ihrer gescheiterten Selbstständigkeit das neue Insolvenzrecht in Anspruch.

Die hohen Schulden der früheren Unternehmer haben dazu geführt, dass sich die Gesamtpassiva zuletzt mehr als verdoppelt haben. Die Gesamtverbindlichkeiten liegen bei 1,6 Milliarden Euro. „Das ist ein in der Vergangenheit noch nie erreichter Wert“, so Musser. In den ersten zehn Monaten heuer betragen die Gesamtpassiva der österreichweit eröffneten Privatkonkurse gut 1,4 Milliarden Euro. Davon entfallen gut 1,1 Milliarden auf männliche Schuldner, so die Gläubigerschützer.

Rund 167.000 Euro durchschnittliche Verschuldung
Die durchschnittliche Verschuldung der Menschen im Privatkonkurs hat sich von rund 112.000 auf rund 167.000 Euro erhöht. Bei den Männern - auf die knapp zwei Drittel der Verfahren entfallen - sind es durchschnittlich sogar fast 208.000 Euro.

Zahlungsplan als primäres Entschuldungsinstrument
Von den ganz genau 10.114 Verfahren sind bereits 5814 abgeschlossen, so der AKV. Gut zwei Drittel der abgeschlossenen Verfahren (3907) endeten mit einem Zahlungsplan. Trotz der neuen rechtlichen Möglichkeit eines nullprozentigen Zahlungsplans bieten fast alle Schuldner mit nicht pfändbarem Einkommen dennoch Zahlungspläne mit Quoten an, sodass der Nullprozent-Plan Theorie geblieben ist. „Auch im Rahmen der neuen Rechtslage zeichnet sich ab, dass der Zahlungsplan das primäre Entschuldungsinstrumentarium bleiben wird“, sagt Musser. Weiterhin bieten in fast allen Verfahren Schuldner im Rahmen eines vorgelagerten Zahlungsplans den Gläubigern eine Quote an, die auch bei einem nicht pfändbaren Einkommen zumindest den monatlichen Treuhändervergütungen in einem möglichen Abschöpfungsverfahren entsprechen, weil diese bei Ablehnung des Zahlungsplans jedenfalls zu entrichten wären.

Lehnt ein Gläubiger einen Zahlungsplan ab, kommt es zu einem auf fünf Jahre verkürzten Abschöpfungsverfahren, in dem ein Treuhänder die pfändbaren Bezugsteile einhebt und an die Gläubiger verteilt. Wenn keine Obliegenheitsverletzungen geschehen, ist der Schuldner nach Ablauf der fünf Jahre in der Regel von seiner Restschuld befreit.

Ein Drittel der Privatkonkurse in Wien
Rund ein Drittel der Privatkonkurse in den vergangenen zwölf Monaten werden in Wien abgewickelt. Den höchsten relativen Zuwachs von 150 Prozent gab es im Burgenland. In Salzburg gab es mit knapp 25 Prozent den geringsten relativen Zuwachs.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Test-Kracher
Frankreich, Brasilien und Italien gewinnen
Fußball International
Wie Deutsche
ÖFB-Team in Topf 2 und mit Chancen auf das Playoff
Fußball International
Nations League
Pleite! Herzog verpasst mit Israel den Aufstieg
Fußball International
Stimmen zum Spiel
Goldtorschütze Grbic: „Es gibt nichts Schöneres“
Fußball International
Sieg gegen Griechen
Historisch! U21-Team erstmals für EM qualifiziert
Fußball International
„Ich habe überlebt“
Nach Horror-Crash: Flörsch meldet sich zurück
Motorsport
Talk mit Katia Wagner
Hass und Sex - ist das Internet außer Kontrolle?
Video Show Brennpunkt
Wegen Scheich-Deal
Ex-Boss Blatter: „Infantino missbraucht die FIFA“
Fußball International
Rekord-Sponsoring
Sturm beendet Geschäftsjahr mit 350.000 Euro Plus
Fußball National

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.