Di, 11. Dezember 2018

Nach Chaostagen

23.09.2018 11:19

Seinitz über die SPÖ: Todestrieb der Altparteien

So sterben politische Systeme: Parteien, die über Jahrzehnte das System getragen haben, sei es an der Regierung, sei es in der Oppositionsrolle, versinken in haarsträubenden Fehlern, die man nicht einmal blutigen Polit-Amateuren zutrauen würde. Das Raumschiff „Macht“ hat den Kontakt mit der Bodenstation verloren.

In Österreich stolpert ein Kurzzeit-Bundeskanzler - immerhin ein gestandener Manager - tollpatschig in seine Europa-Ambitionen hinein, und in Deutschland hatte die Koalitionsregierung beschlossen, einen gescheiterten Verfassungsschutzpräsidenten zum Staatssekretär hinaufzubefördern. Nach einem Aufschrei der Öffentlichkeit muss sie den Beschluss blamabel zurücknehmen. Die Autorität ist futsch.

Die Elitisten, die sich selbst als der „anständige“ Teil der Gesellschaft gerieren, verstehen die Welt nicht mehr. Dass die Populisten vom Versagen der ausgebrannten Polit-Granden profitieren, würden sie ja noch erklären können. Aber es handelt sich um Parteichefs, die den Kontakt zur eigenen Parteibasis verloren haben!

Was ist da los? Warum lassen sich in der Regel kluge und nicht unsympathische Menschen von ihren eigenen Apparaten als Geiseln nehmen, anstatt etwa - jahreszeitaktuell - die Nase in die Kirtage hineinzustecken, um zu erfahren, wie Volk riecht - und denkt? Warum haben diese ehemaligen Volksparteien keine Personalreserve? Weil das Packeis ihrer Apparate seit Jahrzehnten taugliche Nachwuchskräfte abgeschreckt hat.

Die Demokratie leidet, wenn Vernunftpolitiker das Feld populistischen Straßen-Schreiern und Internet-Rowdys überlassen. Es gibt Auswege, als etwa ein halbwüchsiges Talent aus Wien-Meidling beschloss, Politiker zu werden (Parallelen rein zufällig), und die ÖVP eroberte. Ähnlich Emmanuel Macron. Er ist zwar eine Enttäuschung, aber er hat Le Pen verhindert.

Wie tief muss aber die SPÖ gesunken sein, wenn sich ein Polit-Rowdy aus ihren Reihen zum medialen Wortführer aufschwingen kann? Diese kranke Partei hat jetzt, was sie am dringendsten braucht: eine Ärztin als Parteichefin.

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

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