15.08.2018 06:00 |

Mildes Urteil

Opfer während Prozess attackiert: Drei Jahre Haft!

Diesmal geht man am Klagenfurter Landesgericht auf Nummer sicher. Nachdem ein 18-Jähriger bei einem Prozess auf ein Opfer losgegangen ist und auch Beamte verletzt hat, wird er Dienstag mit Argusaugen von vier Spezialkräften bewacht. Sein Anwalt bittet dennoch um Milde: „Er ist doch noch so jung.“

„Seit er 14 ist, ist er mehr in Haft als draußen“, schildert Verteidiger Hans Gradischnig das Schicksal seines jungen Mandanten, der nach einer verpatzten Kindheit in Psychiatrie und Wohngemeinschaften von der schiefen Bahn einfach nicht mehr loszukommen scheint. Immer wieder sind es auch Attacken auf seine Ex-Freundin, die ihn vor Gericht bringen.

„Er braucht Hilfe und Hoffnung“
So hat er kurz nach der jüngsten Haftentlassung im Streit auf sie eingetreten - sie erlitt einen Milzriss. Beim Prozess zu dem Vorfall fiel er dann ohne Vorwarnung erneut über sie her, trat ihr mit dem Fuß ins Genick. „Sie ist frei - ich war so eifersüchtig“, sagt er. Und dass es ihm leidtue. „Er braucht Hilfe und Hoffnung“, meint Gradischnig.

Die Worte verfehlen bei Jugendrichter Michael Schofnegger offenbar nicht ihre Wirkung. Denn das Urteil fällt bei einer Strafdrohung von bis zu zehn Jahren mit drei Jahren recht moderat aus. „Wir haben gesehen, wozu Sie fähig sind“, meint der Richter: „Aber wir wollen Ihnen eine Chance geben.“ Der 18-Jährige nahm sofort an.

Kerstin Wassermann, Kronen Zeitung

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