So, 16. Dezember 2018

Uni Salzburg-Studie:

03.08.2018 17:56

Forscher testen den Autopilot im Fahr-Simulator

Wenn der Computer das Lenkrad übernimmt: Ingenieure basteln eifrig am selbstfahrenden Auto - keine Zukunftsmusik, sondern es gibt bereits erste Modelle, die in Salzburg schon getestet wurden (siehe Selbstfahrender Bus rollt bald durch Koppl). Was heißt das aber für den Lenker? Salzburger Forscher starteten eine Studie im Simulator, um das Fahrverhalten mit Autopilot zu testen. Probanden werden gesucht.

Das TechnoZ in Salzburg-Itzling, Zukunftsschmiede und Hightech-Cluster. Im „Techno5“ ist das Center for Human-Computer Interaction, kurz HCI, beheimatet. Dort beschäftigen sich die Wissenschaftler der Universität mit dem Verhalten von Mensch mit Maschine.

In dem an den  Google-Campus angelehnten Forschungslabor steht im Keller ein eigens konstruierter Fahrsimulator. Standardgröße, ähnlich einem VW Golf, mit Sitzen, Lenkrad und Leinwand. Hier steht das autonome Fahren im Mittelpunkt, sprich wenn in Zukunft der Computer das Steuer übernimmt. (siehe Die fünf Level des autonomen Fahrens im Überblick).

Im Fokus dabei: der Fahrer. „Wir untersuchen, was der Lenker können muss, um in bestimmten Situationen mit den Fahrhilfen auch entsprechend zu handeln“, erklärt es Assistenz-Professor und Studienleiter Alexander Meschtscherjakov. Eine Gefahr ist nämlich, dass durch die Hilfe des Computers der Mensch das Fahren überhaupt verlernt.

Der studierte Informatiker nennt es die „Ironie der Automatisierung“: Dass dem Menschen einerseits das Fahren abgenommen wird, andererseits er aber in besonders schwierigen Situationen - etwa bei Schlechtwetter, wenn Sensoren oder gar das ganze System ausfallen - richtig reagieren muss.  „Hier entwickeln wir mittels Erfahrungswerten entsprechende Lehrbücher, auch für Fahrschulen“, sagt Meschtscherjakov.

Seit 2015 läuft dafür eine große Studie, Probanden werden weiterhin gesucht. Vor allem welche, die wenig Fahrpraxis haben oder länger nicht mehr mit dem Auto gefahren sind. Zunächst gilt es, einen Fragebogen auszufüllen, dann werden speziell programmierte Szenarien am Fahrsimulator geprobt. Wer möchte, kann auch mittels Lenkrad für den PC zu Hause an der Studie teilnehmen. Anleitungen holen sich die Forscher   aus der Fliegerei, wo automatisierte Abläufe genau trainiert werden - Stichwort Autopilot - und eine Checkliste erstellt wird.

Dafür braucht es Daten: „Wir haben eine Handy-Applikation entwickelt, wo wir Leute um ihre Rückmeldungen mit Fahrhilfen bitten“, verweist Meschtscherjakov auf das Projekt „Gemeinsam fahren wir besser“ (www.gefabe.at).  So genannte „Citizen Scientists“, also Interessierte, können so ihre Erfahrungen mit Parkhilfe, Navigator oder Tempomat einfließen lassen.

Ende 2018 sollen erste Daten vorliegen und ausgewertet werden. Zwischenfazit: „Viele Leute überschätzen sich. Auch wenn der Computer das Steuer übernehmen kann, der Fahrer muss gut, wenn nicht sogar besser als bisher ausgebildet werden, um richtig reagieren zu können“, erklärt Meschtscherjaktov (siehe Selbstfahrende Autos brauchen trotzdem gute Lenker).

Die Ironie der Automatisierung.

Max Grill
Max Grill

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