Do, 18. Oktober 2018

Freispruch im Zweifel

06.07.2018 18:46

Vergewaltigung war für Gericht „nicht nachweisbar“

Als freier Mann verließ der Angeklagte (22) das Landesgericht Salzburg. Ein Schöffensenat sprach ihn im Zweifel vom Vorwurf der Vergewaltigung frei. Seine Freundin soll er laut Anklage im Oktober 2017 in einem Wald geschändet haben. Für ihn war es ein Liebesakt aus Versöhnung. Überrascht hat das Verhalten des Opfers. Einen Schuldspruch gab es wegen schwerer

„Die Straftat war nicht nachweisbar“, bestätigte Peter Egger, Sprecher des Landesgerichtes. Schuldig gesprochen wurde der Asylwerber aber wegen schwerer Nötigung: zwölf Monate teilbedingte Haft, vier davon unbedingt. Da er diese Strafe bereits in der U-Haft absaß, folgte die Enthaftung. Doch Staatsanwältin Barbara Fischer hat Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung eingelegt - daher geht der Akt nun zum OGH, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die neun-monatige Beziehung zum Opfer war geprägt von Streit, erzählte der Syrer zu Prozessbeginn: Eifersucht spielte eine Rolle, da er eine in der Türkei lebende Ehefrau hat. Die Differenzen mündeten in den Vorfall vom 26. Oktober: Damals hat er seine Freundin in der Wohnung eines Bekannten aufgesucht. Rabiat sei er da gewesen, hieß es von Zeugen. Laut Anklage soll er sie an den Haaren gezerrt und mit einem Messer bedroht haben. Doch kein Zeuge hat eine Waffe gesehen. Später folgte das Liebesspiel in einem Waldstück in Salzburg-Kasern: Freiwillig, wie der einschlägig Vorbestrafte betonte. Man versöhnte sich. Dem Opfer will er aber keine Gewalt angetan haben.

Anders die Angaben der Frau gegenüber den Behörden: Sie sprach von Todesdrohungen, Brutalität und Nackt-Fotos, die er gemacht haben soll. Laut Gutachter leidet sie auch an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Doch das Gericht hegte Zweifel - vor allem wegen dem Verhalten des Opfers nach der Tat. Sie suchte nämlich den Kontakt zu ihrem vermeintlichen Peiniger, fuhr sogar zur Justizanstalt und telefonierte mit ihm kurz vor der Verhandlung. „Sie hat gesagt, ich liebe dich und ich hol dich da raus“, erzählte der Syrer.

Antonio Lovric
Antonio Lovric

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.