Wolfgang Sauer spricht als Spartenobmann der Wirtschaftskammer - und als Kaufmann selbst: "Wir spüren, dass der Kunde sehr sensibel geworden ist. Auch solche, die es aus ihrer wirtschaftlichen Lage heraus nicht nötig hätten, achten mehr auf Preise, suchen Alternativen, nutzen Aktionen." Alternativen gäbe es: "Am Beispiel Semmel: Die kann man in ein und demselben Betrieb um 30 Cent kaufen - aber auch um 95."
50 Prozent der Kaufleute bilanzieren negativ
Er betont, dass sich auch die Kaufleute keine goldene Nase verdienen. "Im Gegenteil: 650 gibt es bei uns, ich fürchte, dass 50 Prozent negative Bilanz ablegen. Die Händler stehen unter enormem Druck, weil die Spanne schlechter wird." Und sie sind von Faktoren abhängen, die sie nicht beeinflussen könnten: "Solange Produzenten Ware ertragreicher in die Welt verschicken als hier verkaufen können..." Für die Branche sei 2008 kein gutes Jahr, "wir haben einen schlechten Juni hinter uns, weil die Leute billiger und weniger kaufen".
Preise werden weiter steigen
Bei den Preisen sieht er den Plafond noch nicht erreicht. "Es wird weiter Erhöhungen geben, in kleinen Schritten - solange bis sich Anbieter auf die erhöhte Produktion einstellen. Nur der scharfe Wettbewerb untereinander ist der Garant dafür, dass die Preise nicht ganz explodieren..."
Bis zu 20 Prozent Rückgang an Zapfsäulen
Bei den Tankstellen ergibt sich ein ähnliches Bild: "Jeder zweite Pächter schreibt schon rote Zahlen!", weiß Harald Pfleger von der Fachgruppe. Bis zu 20 Prozent betrage der Rückgang an den Zapfsäulen, "die großen Gesellschaften kommen immer zu ihrem Geld, quetschen dann aber die Pächter aus".
"Ein Teufelskreis"
Das ganze sei ein Teufelskreis: "Die Leute tanken weniger, kaufen dann auch weniger im Shop - das alles schlägt sich nieder." Und die Preise etwa in Slowenien: "Bis zu 20 Cent weniger pro Liter - das spürt man. Da machen die Leute dann schon Abstecher runter, verbinden das mit Ausflügen."
Herr Robert Renz: Sie sind Marketingchef bei der SPAR Steiermark - merkt der Konzern, dass die Kunden preissensibler sind?
"Ja. Wir registrieren seit einigen Wochen ein verändertes Einkaufsverhalten, das heißt, dass die Konsumenten preissensibler sind und uns in den Märkten auch verstärkt auf Preise ansprechen. Durch die mediale Präsenz ist die ,gefühlte Inflation in den Köpfen der Kunden noch mehr verankert."
Wie reagiert SPAR?
"Wir haben eine neue Tiefpreis-Eigenmarke entwickelt, die vorrangig Grundnahrungsmittel beinhaltet und dabei den Kunden sparen helfen soll. Wir merken generell, dass die Kunden verstärkt zu unseren Eigenmarken greifen, die bis zu 25 Prozent günstiger sind als vergleichbare Artikel."
Wie wichtig sind Ermäßigungen und Aktionen?
"Sehr! Schweinefleisch zum Beispiel wird zu 70 Prozent nur noch in Aktion verkauft."
von Christa Blümel, "Steirerkrone"
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