07.07.2008 14:51 |

Frächter-Protest

Demo mit rund 2.000 Lkw im Großraum Wien

"Uns reicht's!", so machten Österreichs Frächter am Montag ihrem Ärger auf den Straßen um Wien Luft. Mit einer Protestfahrt demonstrierten sie ab 7.00 Uhr gegen die immer höher steigenden Preise. Statt 1.400 angemeldeter Lkw kamen laut Augenzeugenberichten sogar rund 2.000. Das große Verkehrschaos ist aber ausgeblieben. Während die Autofahrer über die Aktion geteilter Meinung sind, hat man beim Verkehrsclub Österreich wenig Verständnis für die "Brummi"-Demo: Der Lkw-Verkehr koste dem Bürger jährlich 6,5 Milliarden Euro, es wäre "eigentlich eine Danksagung der Frachtunternehmen an die Bevölkerung angesagt", hieß es.

Durch die ausländische Billigkonkurrenz sehen sich die 11.000 heimischen Frächterunternehmen an den Rand des Ruins getrieben. Hohe Steuern, Maut und vor allem die horrenden Spritpreise - jetzt soll die Politik mit der Stau-Demo zum Handeln gebracht werden. Allerdings: In anderen Ländern brachte diese Methode bisher keinen Erfolg.

Mehr Bilder der "Brummi"-Demo in der Infobox!

Los ging's um 7.00 Uhr. Vom Wiener Umland aus rollten Hunderte Lkw sternförmig in die Stadt. In Kaisermühlen hatten sich bereits in den frühen Morgenstunden erste "Brummis" postiert. Weitere Sammelpunkte waren die Autobahnknoten Vösendorf und Schwechat. In der ersten Phase sorgte die Lkw-Kolonne dadurch vor allem für Staus auf der Südosttangente und den Zufahrten. Autofahrer bzw. Pendler hatten sich aber offenbar gut vorbereitet, es gab hier kein großes Chaos.

Nur ein Dutzend Brummis in der Innenstadt
Die Demonstranten haben im Verlauf des Vormittags im Schneckentempo von durchschnittlich 20 km/h ihre Runden auf den wichtigsten Verkehrsrouten Wiens gedreht. Die Schlussveranstaltung fand dann um 10.30 Uhr vor dem Café Landtmann auf der Ringstraße statt. In den ersten Bezirk sind nur ein Dutzend Lkw gefahren.

Frächter setzten auf Verständnis der Autofahrer
Die Frächter setzten auf das Verständnis der Autofahrer und versprachen gleichzeitig, sich an die Verkehrsordnung zu halten. Werden die Forderungen - unter anderem die Rücknahme der Mineralölsteuer-Erhöhung vom vergangenen Jahr sowie jene der Mauterhöhung vom Mai, Absenkung der Kfz-Steuer auf EU-Mindestmaß - weiter ignoriert, sollen schärfere Proteste folgen.

VCÖ-Studie: Lkw-Verkehr kostet Bürgern 6,5 Mrd. Euro
Wenig Verständnis für die Proteste der Frächter hat man beim Verkehrclub Österreich: Der Lkw-Verkehr komme Österreichs Bevölkerung laut einer VCÖ-Studie sehr teuer. Demnach hatte der Schwerverkehr im Vorjahr externe Kosten von rund 6,5 Milliarden Euro verursacht. Dazu zählen Gesundheits- und Umweltschäden durch Abgase, Lärmkosten sowie Unfallfolge- und Staukosten. Zudem zahle der Lkw-Verkehr rund 1,1 Milliarden Euro zu wenig für die Straßenbenützung. "Statt einer Blockade wäre eine Danksagung der Frachtunternehmen an Österreichs Bevölkerung angesagt. Denn der Lkw-Verkehr zahlt nur einen Bruchteil der von ihm verursachten Kosten, ein großer Teil der Kosten wird auf die Allgemeinheit abgeschoben", sagt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

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