Foto: GEPA, AP

Matthäus: "Alaba bester Linksverteidiger der Welt"

12.05.2016, 17:59

Der deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus  ist am Donnerstag bei einem Pressegespräch in kleiner Runde im Zillertaler Ort Finkenberg richtig ins Schwärmen geraten, als er auf Österreichs Teamspieler David Alaba  zu sprechen kam. Der nunmehrige Sky- Experte bezeichnete den Wiener in Diensten des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München  als "besten Linksverteidiger der Welt".

Dass Alaba mit dieser Position bei Bayern nicht zufrieden ist, versteht Matthäus nicht: "Ich weiß, er will lieber im Mittelfeld spielen. Aber als linker Außenverteidiger ist er der beste Spieler der Welt. Diese Rolle soll er auch annehmen." Dass ÖFB- Teamchef Marcel Koller den vierfachen österreichischen Fußballer des Jahres im Mittelfeld aufbietet, versteht Matthäus jedoch auch: "Da wird er im Mittelfeld gebraucht und die Position als Linksverteidiger ist mit Christian Fuchs, immerhin Meister in England, ja perfekt besetzt."

150 Länderspiele

Internationale Erfahrung bringt Matthäus genügend mit, um dies zu beurteilen. Mit 150 Spielen für die DFB- Auswahl, 75 davon als Kapitän, ist der 55- jährige Rekordnationalspieler. Der gebürtige Bayer nahm an fünf Weltmeisterschaften teil, holte 1990 auch den Titel. 1980 wurde er Europameister.

Nach seiner internationalen Karriere arbeitete Matthäus als Trainer unter anderem bei Rapid Wien, als Co- Trainer bei Red Bull Salzburg und Nationaltrainer von Bulgarien und Ungarn (2004, 2005). Ungarn ist am 14. Juni in Bordeaux Österreichs erster Gruppengegner bei der EM. "Das sollte eigentlich keine Hürde für Österreich sein. Der österreichische Fußball ist sicher über den ungarischen zu stellen", meinte Matthäus.

EM- Titel für Österreich "außer Reichweite"

Er traut Österreich bei der Europameisterschaft den Einzug ins Viertelfinale zu. "Weil Ungarn und Island sicher schlagbar sind", erläuterte Matthäus. Über Chancen Österreichs gegen Portugal sprach er jedoch nicht. Ob für Österreich mehr möglich ist? "Der Titel ist außer Reichweite, da fehlt noch einiges." Favoriten sind für Matthäus, der in Frankreich als TV- Experte im Einsatz sein wird, Weltmeister Deutschland, Gastgeber Frankreich und Belgien. "Weil die waren jetzt lange Zeit Nummer eins der Weltrangliste."

Den Aufschwung des rot- weiß- roten Fußballs begründete Matthäus mit Investitionen in den Nachwuchs, wie es die Schweiz schon frühzeitig vorgemacht habe. Zudem seien viele Spieler der ÖFB- Auswahl im Ausland engagiert: "Da werden sie anders gefordert, in den Spielen aber auch im Training. Dieses Niveau kann die heimische Liga nicht bieten." Auch sei die Qualität in der Breite der ÖFB- Auswahl vorhanden: "Auch ohne David Alaba hat Österreich die schweren zwei Spiele gegen Russland gewonnen."

Freiheit dank Koller

Auch Teamchef Marcel Koller habe seinen Anteil am Höhenflug, weil er den Spielern Freiheiten, aber auch Verantwortung gäbe, und mit ihnen kommuniziere. Matthäus brachte einen Vergleich: "Unter Franz Beckenbauer waren wir 1990 Weltmeister. Unter Berti Vogts, der ein extremer Kontrollfreak war, scheiterten wir aber 1994."

Doch bevor es nach Frankreich geht, ist Matthäus am Samstag als TV- Experte im Einsatz, wenn Bayern München im Heimspiel der letzten deutschen Bundesliga- Runde gegen Hannover die Meisterschale bekommen wird. Die Münchner, bei denen Matthäus zwölf Jahre spielte, sieht er auch in den kommenden fünf Jahre in einer dominierenden Rolle, sowohl national als auch international.

"Mit der Verpflichtung von Mats Hummels ist die Defensive noch stärker, ein richtiges Bollwerk und das Glanzstück des Vereins", sagte Matthäus. Auch die Verpflichtung von Carlo Ancelotti als Trainer sei ein Goldgriff. "Er hat mit drei verschiedenen Ländern die Champions League gewonnen. Und wenn selbst ein Weltstar wie Zlatan Ibrahimovic lobende Worte über einen Trainer findet, dann sagt das viel."

12.05.2016, 17:59
AG/red
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