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06.12.2016 - 20:08
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER, Gemeinnütziger Verein kontrakrebs

Wiener Lehrer ging nach 22 Arbeitsstunden heim

24.04.2015, 12:44
Viel Kritik hatte es an Wiens Bürgermeister Michael Häupl wegen seines markigen Spruchs über die Lehrerarbeitszeit gegeben. Nun hat ein Pädagoge aus Wien Häupl beim Wort genommen. "Wenn ich 22 Stunden in der Woche arbeite, bin ich am Dienstag zu Mittag fertig. Dann kann ich heimgehen", hatte Häupl in der Vorwoche zur Anzahl der Unterrichtsstunden gemeint. Daher ging der Musik- und Englischlehrer nach 22 Stunden Wochenarbeitszeit nach Hause.

Alfred Jirovec unterrichtet seit mehr als 30 Jahren auf der Neuen Musik- Mittelschule 12 am Schöpfwerk und ist jetzt unter der Lehrerschaft zum "Helden" mutiert, nachdem er die Aussagen Häupls  als Aufforderung sah. "Ich wollte mit diesem Aktionismus Solidarität mit meinen Kollegen zeigen. Denn um es charmant zu formulieren, dem Herrn Bürgermeister ist diese Aussage nur mäßig gelungen", begründete Jirovec seine Aktion gegenüber der Tageszeitung "Kurier" am Freitag und erklärte, dass "weder Affekt noch gesundheitliche oder psychische Probleme" Auslöser der Tat waren. Im Gegenteil: Der Dienstschluss nach 22 Stunden sei gut durchdacht und geplant gewesen.

Nach Protest zum Stadtschulrat zitiert

Die Aktion blieb natürlich nicht ohne Folgen. Wie Jirovec in einem offenen Brief an Bürgermeister Häupl betont, sei er am 20. April zum Stadtschulrat zitiert worden. "In einem kurzen, von vorbildlicher Korrektheit geprägten Gespräch wurde die dienstrechtliche Unhaltbarkeit meines Vorgehens im Beisein meines Inspektors und eines Personalvertreters meines Vertrauens von uns allen übereinstimmend festgestellt", schreibt der Protest- Lehrer in dem Brief.

Dass ihm das unentschuldigte Fernbleiben vom Gehalt abgezogen wird, ist Jirovec bewusst, denn er habe die Aktion "in voller Verantwortung" durchgeführt. Daher akzeptiert der Pädagoge die Konsequenzen "berufungsfrei". Was ihn aber auf jeden Fall stört, ist die verweigerte Schadensbegrenzung seitens des Bürgermeisters. "Bei aller Wertschätzung: Er hätte sich nach diesem unguten Sager wenigstens entschuldigen können", meinte Jirovec gegenüber dem "Kurier".

"Hochachtungsvoll wäre allerdings unaufrichtig"

Und auch ein wenig Sarkasmus hat der altgediente Lehrer für Häupl übrig: "Die überwältigende Zustimmung Ihrer Partei auf der einen Seite, ein einziger Wiener Lehrer, der über verbale Kritik an Ihren Aussagen hinaus eine pointierte Aktion des Protestes setzt, auf der anderen - das kann man nur als eine klare Bestätigung für Sie anerkennen." Unterzeichnet ist der offene Brief mit den Worten: "Hochachtungsvoll wäre allerdings unaufrichtig."

24.04.2015, 12:44
red
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