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Foto: Klemens Groh, Andi Schiel / Video: apa

Dem Täter ging es nur ums Auto der Krankenschwester!

16.11.2009, 15:06
Die am Samstag in Wien erschossene Krankenschwester ist nur zufällig zum Mordopfer geworden: Der mutmaßliche Täter, ein 50-jähriger Wiener, wollte das Fahrzeug der Frau stehlen, um in die Steiermark zum Haus seiner Ex-Frau zu fahren. Als die 49-Jährige in der Tiefgarage des Hanusch-Spitals ihr Auto nicht hergeben wollte, gab der Mann zwei Schüsse auf sie ab. Als Motiv führte der bisher unbescholtene Wiener an, er sei alkoholisiert und "heiß auf sich, auf alles" gewesen.

Vor der Tat hatte der Mann in seinem Haus in Wien- Penzing Feuer gelegt, nach dem Mord zündete er dann auch noch das Haus seiner ehemaligen Frau in der Oststeiermark an, berichtete die Polizei am Montag. Im Wiener Reihenhaus, in dem der 50- Jährige gemeinsam mit seinem 25- jährigen Sohn lebt, wurden mehrere Brandherde entdeckt. Der Mann hatte Brandbeschleuniger verwendet, das Gebäude wurde schwer beschädigt. Der Sohn war zu dem Zeitpunkt beruflich unterwegs.

Auto direkt bei Stiegenabgang geparkt

Danach ging der Mann zu Fuß zum Hanusch- Krankenhaus und dort in die Tiefgarage. Sein Ziel sei gewesen, ein Auto zu stehlen, um in die Steiermark fahren zu können, erklärte Gerhard Haimeder vom Landeskriminalamt Wien. Der 49- Jährigen wurde dabei zum Verhängnis, dass sie auf jenem Parkplatz das Auto abstellte, der sich in unmittelbarer Nähe zu dem Stiegenabgang befand, den der mutmaßliche Täter benutzte - und dass sie den Wagen nicht hergeben wollte.

Getroffene Frau wollte noch flüchten

Als sich die rund 1,80 Meter große Frau mit einem Körpergewicht von mehr als 100 Kilogramm zur Wehr setzte, gab der Mann den ersten Schuss auf sie ab. Die im Bauchbereich getroffene Krankenschwester stieß den 50- Jährigen von sich und versuchte zu flüchten. Ein zweiter Schuss traf sie dann im Kopfbereich, und die Frau sackte blutüberströmt zusammen.

Der Mann wollte nun mit dem Wagen flüchten, doch alle Versuche, das Fahrzeug in Betrieb zu nehmen, misslangen, weil der Renault per Chipkarte zu starten ist. Zuerst suchte der Mann laut den Ermittlern im Wageninneren, dann bei dem Opfer nach dem Schlüssel. Schließlich flüchtete er und erklärte einem zufällig vorbei kommenden Passanten noch: "Da unten liegt eine sterbende Frau."

Mit Bus in die Oststeiermark gefahren

Anstalten, ein anderes Auto zu stehlen, machte der seit rund drei Jahren Beschäftigungslose nicht. Er fuhr mit dem Bus zum Haus der Ex- Frau in Rohrbach an der Lafnitz, das als Wochenendhaus genutzt wird. Das Gebäude wurde seit Mitte der 1990er- Jahre gemeinsam vom Paar renoviert. Die beiden hätten nach der Scheidung im Jahr 2005 kaum noch Kontakt gehabt. Die Frau habe zwar wieder einen Lebensgefährten, von dem hatte der Verdächtige aber nichts gewusst.

Bei Brandlegung gestürzt und verletzt

Weil er keinen Schlüssel besaß, warf der Mann zwei Glastüren ein. Im Gästezimmer im ersten Stock, in dem sich laut Schantl "Unmengen leicht brennbares Material" befand, legte er Feuer. Dann aber stürzte der 50- Jährige über die Treppe: Er blieb mit Kopfverletzungen im Erdgeschoß liegen, wo ihn später die gegen 22 Uhr von Nachbarn alarmierten Einsatzkräfte fanden. Die Ex- Frau befand sich zum Tatzeitpunkt nicht in der Nähe. Die Mindestschadenssumme dürfte sich hier laut ersten Schätzungen auf rund 100.000 Euro belaufen (Bilder vom Feuerwehreinsatz in Rohrbach in der Infobox).

Tat "innerhalb kürzester Zeit" gestanden

Am Sonntag fanden die steirischen Ermittler dann in der Asche eine "Glock"- Pistole: Diese werde noch untersucht, der Spurenlage nach gehe man aber davon aus, dass es sich um die Tatwaffe handle, sagte Haimeder. Die Pistole war im Jahr 2003 von einem Waffenhändler als gestohlen gemeldet worden. Nach Ausforschung der Identität des Mannes und aufgrund der sichergestellten Waffe stellten die Kriminalisten einen Zusammenhang mit dem Mordfall der Krankenschwester her. Schließlich gestand der verhaftete Mann die Tat auch "innerhalb kürzester Zeit", so Eberhart.

Alkoholisiert und "heiß auf sich, auf alles"

Das Geschehene könne er sich selbst nicht erklären, gab der mutmaßliche Täter an. Er sei "heiß auf sich, auf alles" gewesen und hätte am Samstag auch dauernd Alkohol getrunken. Der Wiener berichtete laut Haimeder von Details, die nur der Täter wissen konnte - er gab aber auch an, Erinnerungslücken zu haben. Ob der Mann in psychiatrischer Behandlung gewesen ist oder Medikamente eingenommen hat, war vorerst noch nicht bekannt - ebenso nicht, wie viel Promille Alkohol im Blut der 50- Jährige tatsächlich hatte. Ein auslösendes Schlüsselerlebnis hat es offenbar nicht gegeben.

Ähnlich gelagerter Vorfall wird überprüft

Der Mann soll weiter von den Ermittlern einvernommen werden. Abgeklärt werden soll auch, ob der 50- Jährige eventuell in Zusammenhang mit einem ähnlich gelagerten Vorfall aus dem Jahr 2006 steht: Damals hatte ein bisher unbekannter Täter einer 36- jährigen Wienerin in einer Tiefgarage in der Wiener Innenstadt aufgelauert, sie brutal misshandelt und sie dann in ihrem Kofferraum eingesperrt. Die Frau hatte damals schwere Verletzungen erlitten und konnte sich erst am nächsten Tag befreien.

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