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01.10.2016 - 10:42
Foto: Associated Press

Italien: Dutzende Tote noch nicht identifiziert

27.08.2016, 08:30

290 Tote und über 380 Verletzte ist die schreckliche - vorläufige - Bilanz der Erdbebenkatastrophe in Mittelitalien. 43 Todesopfer konnten bislang nicht identifiziert werden. Mindestens 2500 Menschen wurden obdachlos, eine offizielle Zahl zu den Vermissten gibt es noch nicht.

Die meisten der noch nicht identifizierten Toten befinden sich im Krankenhaus der Stadt Rieti nördlich von Rom, weshalb Dutzende Angehörige auf der Suche nach Nachrichten über vermisste Verwandte in die Stadt pilgern. 2500 Menschen sind in den vom Erdbeben betroffenen Gemeinden obdachlos. Viele von ihnen verbrachten auch die Nacht auf Samstag in Zeltlagern, andere übernachteten in Autos vor ihren zerstörten Häusern.

Italien gedenkt am Samstag der Opfer der Erdbebenkatastrophe. Zu der Trauerfeier in Ascoli Piceno in der Region Marken werden Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Matteo Renzi erwartet. Zugleich wurde ein nationaler Trauertag ausgerufen. Die Fahnen an öffentlichen Gebäuden wurden im ganzen Land auf halbmast gesetzt.

Särge in einer Sporthalle in Ascoli Piceno
Foto: APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI

In Amatrice geht die Suche nach Verschütteten weiter

In der vom Beben schwer getroffenen Stadt Amatrice wird inzwischen weiter nach Verschütteten gesucht. Innenminister Angelino Alfano lobte die Arbeit der Rettungsmannschaften. Die Regierung versprach einen schnellen Wiederaufbau und eine bessere Erdbebenvorsorge.

Wirte spenden ihre Einnahmen aus dem Verkauf von Pasta all'Amatriciana an die zerstörte Stadt.
Foto: Associated Press

Beim Wiederaufbau in Amatrice will sich der Bürgermeister der Ortschaft, Sergio Pirozzi, an Trentino- Südtirol ein Beispiel nehmen. "Wir wollen Orte lokalisieren, an denen wir Holzhäuser nach dem Modell von Trentino- Südtirol und der Schweiz aufbauen können, die für diese Gegend angemessen sind. Wir wollen kein Ghetto. Die Gemeinschaft muss auf dem eigenen Territorium bleiben. Wir wollen unsere Identität bewahren", meinte Pirozzi.

Zerstörte Häuser in Casale, einem Vorort von Amatrice.
Foto: APA/AFP/MARIO LAPORTA

Bürgermeister: "Wir brauchen eine Schule"

Ein wesentlicher Schritt sei der Aufbau einer mobilen Struktur, die als Schule dienen könne. "Der Beginn des Schuljahres steht bevor. Wir brauchen eine Schule. Das ist wichtig, wollen wir eine Abwanderung aus Amatrice verhindern", so der Bürgermeister. Danach müsse der historische Kern der Gemeinde aufgebaut werden. Als Modell sollten die erfolgreichen Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben in Friaul 1976 dienen.

Unter den Opfern sind auch viele Kinder.
Foto: Associated Press

Der 52- jährige Pirozzi, der sein ganzes Leben lang in Amatrice verbracht hat, zeigte sich optimistisch, dass seine Gemeinschaft trotz der hohen Zahl an Todesopfern den Neubeginn schaffen könne. Der Weg zur Normalität sei jedoch noch lang und hürdenreich. Wegen eines Nachbebens ist seit Freitag eine Brücke, die direkt nach Amatrice führt, gesperrt. Weitere wackelige Gebäude brachen ein. Der ganze historische Kern von Amatrice wurde abgeriegelt und ist lediglich den Rettungsmannschaft zugänglich.

Foto: Associated Press

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Baumängeln

Ein Team aus vier Staatsanwälten ermittelt unterdessen wegen Fahrlässigkeit in Zusammenhang mit Bauarbeiten in Amatrice. Unter die Lupe nahmen die Staatsanwälte die Volksschule im Ort, die erst 2012 renoviert worden war, beim Erdbeben jedoch fast vollständig zusammengebrach. 115 schwer beschädigte Gebäude in Amatrice wollen die Staatsanwälte unter die Lupe nehmen. "Wären die Gebäude wie in Japan errichtet worden, wären sie in Amatrice nicht zusammengebrochen", hieß es.

Video: "Krone"- Lokalaugenschein im Italien

Video: krone.tv/Andi Schiel

27.08.2016, 08:30
AG/red
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