Di, 17. Oktober 2017

IS-Kämpfer im Irak

19.02.2017 11:48

200 Vergewaltigungen und 500 Morde: „Ganz normal“

Was Amar Hussein zu erzählen hat, lässt jeden Zuhörer erschaudern über den bestialischen Terror der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in den von ihr eroberten Gebieten im Irak und in Syrien. Der 21-jährige Iraker trat 2013 dem IS bei und beteiligte sich an nicht weniger an 500 Morden und 200 Vergewaltigungen. "Das war normal", erklärt er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Nach seiner Festnahme durch kurdische Peschmerga im Vorjahr sitzt Hussein in einem Gefängnis im Nordirak und wartet auf seinen Prozess.

Von der dschihadistischen Ideologie sei er bereits im Alter von 14 Jahren begeistert gewesen. Er habe ebenfalls in den Heiligen Krieg gegen Ungläubige ziehen wollen. Zunächst war Hussein ein Anhänger der Terrorgruppe Al-Kaida. Im Alter von 18 Jahren wurde er vom IS rekrutiert und beteiligte sich an den Angriffen auf die Minderheit der Jesiden in der Sindschar-Region. Die Mitglieder der religiösen Minderheit stellen für die sunnitischen Dschihadisten "Teufelsanbeter" dar, die es aus ihrer Sicht auszurotten gilt.

"Junge Männer brauchen das"
Am Höhepunkt der IS-Offensive im Jahr 2014 sei er in mehreren jesidischen Dörfern von Haus zu Haus gezogen und habe Hunderte Frauen vergewaltigt. Seine Vorgesetzten hätten den Kämpfern stets grünes Licht für diese Taten gegeben - ihr Argument sei gewesen: "Junge Männer brauchen das." Laut seinen eigenen Angaben, die die kurdischen Behörden nur zum Teil verifizieren können, hat Hussein um die 200 Frauen - Jesidinnen, aber auch Vertreterinnen anderer Minderheiten - vergewaltigt.

"Haben jeden erschossen, den wir erschießen mussten"
Der 21-Jährige behauptet auch, dass er im Dienste des IS rund 500 Zivilisten getötet habe. "Wir haben jeden erschossen, den wir erschießen mussten, und enthaupteten jeden, den wir enthaupten mussten", sagt Hussein gegenüber Reuters. Der Iraker schildert auch, wie er und seine Kameraden Hinrichtungen übten. "Am Anfang war es schwer, aber es fiel mir von Tag zu Tag leichter." Er sei zu einer wahren "Hinrichtungsmaschine" geworden, kann der junge Mann seinen Stolz trotz seiner gar nicht so glorreichen Situation in einem kurdischen Kerker (siehe Tweet unten) nicht verbergen: "Ich befahl ihnen, sich zu setzen, verband ihnen die Augen und schoss ihnen in den Kopf. Das war normal."

Mossuls Kinder an den IS verloren
Als vollkommen geläutert kann man Hussein nach wie vor nicht betrachten, auch wenn er sich doch durchaus nachdenklich zeigt und einige Dinge bereut. Der Häftling sieht sich ebenfalls als Opfer: "Ich hatte kein Geld, niemanden, der mir gesagt hätte, was ich tun darf und was nicht. Ich hatte keinen Job."

Die Biografie des jungen Mannes ähnelt jenen zahlreicher anderer IS-Kämpfer aus der Stadt Mossul, die derzeit wieder im Fokus einer irakischen Militäroffensive ist. Am Sonntag begannen die Streitkräfte einen groß angelegten Angriff zur Rückeroberung des Westteils der Stadt. Die irakische Armee hatte den Ostteil Mossuls vor knapp einem Monat mithilfe der internationalen Anti-IS-Koalition und kurdischer Peschmerga-Kämpfer unter ihre Kontrolle gebracht.

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