Mi, 22. November 2017

Tötete Trainerin

07.01.2017 08:33

„Blackfish“-Killerwal „Tilikum“ gestorben

Hätte er in freier Wildbahn gelebt, wäre er vielleicht 100 Jahre alt geworden: Mit 36 Jahren ist "Tilikum", wohl einer der bekanntesten Orcas der Sea-World-Vergnügungsparks, nun gestorben. Traurige Berühmtheit erlangte der Wal, weil er 2010 seine Trainerin Dawn Brancheau während einer Vorführung tötete. Sein Leben und Leiden in Gefangenschaft wurden in dem Film "Blackfish" dokumentiert.

Wie Sea World auf seiner Website bekannt gab, litt "Tilikum" seit Längerem unter einer bakteriellen Lungenentzündung und hatte "wie alle alten Tiere" gesundheitliche Probleme, von denen er sich nicht wieder erholte. Was Sea World jedoch verschweigt: Eigentlich war der Walbulle nicht alt. In freier Wildbahn können Orcas zwischen 60 und 100 Jahre alt werden.

Drei Menschen getötet
"Tilikum" wurde als junger Wal im Alter von zwei Jahren vor der Küste Islands gefangen. Schon damals machte er mit seiner enormen Größe auf sich aufmerksam und weckte die Begehrlichkeiten der Marineparks. Doch der sensible Riese wurde in Gefangenschaft zum Killer: Im Alter von von neun Jahren, am 20. Februar 1991, tötete "Tilikum" zum ersten Mal einen Menschen. Keltie Byrne, eine 21-jährige Meeresbiologiestudentin, die in ihrer Freizeit als Dompteurin in einem Vergnügungspark in Kanada arbeitete, fiel während der Arbeit in das Becken, in dem "Tilikum" und zwei andere Orcas schwammen. Die Tiere drückten die junge Frau so lange unter Wasser, bis sie ertrank.

Der Park im kanadischen Victoria wurde nach dem Vorfall bald geschlossen, "Tilikum" an Sea World verkauft und nach Orlando in Florida verlegt. Doch auch hier kam es zu zwei Zwischenfällen: Im Sommer 1999 wurde ein Mann tot in einem Becken des Freizeitparks gefunden. Der 27-Jährige war nach dem Ende der Öffnungszeit am Tag zuvor heimlich in dem Park geblieben. Die Obduktion ergab, dass "Tilikum" ihn nicht nur unter Wasser gedrückt, sondern auch gebissen haben musste.

Schließlich tötete "Tilikum" im Februar 2010 seine Trainerin Dawn Brancheau. Der Orca packte die 40-Jährige im Anschluss an eine Vorführung und riss sie ins tiefe Wasser - vor den Augen entsetzter Zuschauer. Die herbeigerufenen Rettungskräfte mussten stundenlang ausharren, bis der Wal seine "Beute" freigab.

Massiv zur Zucht eingesetzt
Dennoch hält Sea World an der Haltung von Killerwalen und Delfinen fest. Auch "Tilikum" wurde weiterhin massiv zur Zucht eingesetzt. Die meisten Orcas in den Sea-World-Parks tragen die Gene des Walbullen in sich - gepaart mit den tierquälerischen Haltungsbedingungen wohl eine gefährliche Kombination. "Tilikum" wurde durch den Film "Blackfish" zum Mahnmal dafür, wie sehr die Tiere in Gefangenschaft leiden. Nachdem die Kritik an Sea World immer lauter wurde und auch die Besucherzahlen zurückgingen, stellte die Unterhaltungskette nun zumindest die Zucht der Orcas ein.

Video: Der Trailer zu "Blackfish"

"Tilikum" hilft das alles nicht mehr. Sein für einen Orca kurzes Leben endete am Morgen des 6. Jänner in einem Betonbecken von Sea World. Doch vielleicht konnte er zumindest bei manchen Menschen das Bewusstsein wecken, sich Wale lieber in ihrer natürlichen Umgebung anzuschauen.

Michaela Braune
Redakteurin
Michaela Braune
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