Di, 17. Oktober 2017

Schlierenzauer:

23.04.2016 16:20

„Vielleicht komme ich als Betreuer zurück“

Der Besuch beim Papst hat ihn tief beeindruckt. Und er gab Gregor Schlierenzauer zusätzliche Kraft für den Kampf, der jetzt so richtig beginnt: Für den Kampf ums Comeback nach der schwersten Verletzung seiner Karriere. Im Interview mit der "Krone" verrät der 26-Jährige, wie sehr er derzeit die ganz banalen Dinge des Lebens genießt und warum er eine Saison pausieren könnte.

"Krone": Gregor, dich hat vor allem die positive Energie, die Papst Franziskus ausstrahlt, beeindruckt: Was kann man davon als Sportler mitnehmen?
Gregor Schlierenzauer: Vor allem die Normalität und die Bodenständigkeit dieses faszinierenden Menschen. Und die Tatsache, dass man sich selbst nicht zu wichtig nehmen darf.

"Krone": Am Boden zu bleiben ist sicher auch alles andere als leicht, wenn man wie du mit 16 Jahren sein erstes Weltcupspringen gewonnen hat und innerhalb kürzester Zeit zum absoluten Superstar aufsteigt.
Schlierenzauer: Da entstehen schon außergewöhnliche Situationen, keine Frage. Solche, in die sich viele nicht hineinversetzen können. Die Anonymität geht völlig verloren, die Privatsphäre wird total eingeschränkt. So gesehen wurde ich sicher ins kalte Wasser geworfen. Aber wichtig ist dabei vor allem, dass man sich selbst immer treu bleibt.

"Krone": Und jetzt, wo du schon im Jänner die Saison beendet hast, dann noch vor drei Wochen am Kreuzband operiert wurdest und somit so lange wie nie zuvor keinen Wettkampf bestreitest?
Schlierenzauer: Jetzt betrachte ich das irgendwo als Riesenprivileg. Einmal das Leben hautnah zu spüren. Als Spitzensportler hast du so viele helfende Hände um dich, die dir alles abnehmen, derzeit ist das anders. Das beginnt bei ganz banalen Dingen wie dem Austauschen einer Glühbirne, dem Wäschewaschen oder beim Ausräumen des Geschirrspülers. Das erdet mich total, und ich spüre, wie gut es mir tut.

Hier ein krone.tv-Interview mit Alex Pointner, in dem er unter anderem über Gregor Schlierenzauer spricht:

"Krone": Wobei nach der beim Skifahren erlittenen Verletzung schon die Therapie und der weg zurück im Mittelpunkt stehen, oder?
Schlierenzauer: "Sicherlich. Aber ich habe nicht definiert, ob ich nächsten Winter zurückkomme. Bei einem Skispringer muss man bei einem Kreuzbandriss von acht Monaten Pause ausgehen. Weil die Belastungen für das Knie alleine beim Aufsprung extrem hoch sind. Wir reden also von November. Und dann bin ich aber nicht einmal noch auf einer Schanze gewesen.

"Krone": Das klingt so, als ob du die ganze nächste Saison pausieren könntest?
Schlierenzauer: Möglich. Aber das wird sich alles ergeben. Grundsätzlich ist der Kampf ums Comeback eine große Herausforderung. Aber eine, der ich mich stellen werde. Alleine mein Ego lässt es nicht zu, einfach so aufzugeben. Andererseits muss ich niemandem mehr etwas beweisen. Und ich wollte eigentlich schon 2013 einmal eine Pause machen. Seither sind abgesehen davon mit Nicholas Fairall und Lukas Müller noch dazu zwei Skispringer nach Stürzen im Rollstuhl gelandet. Das sind Dinge, die einem zu denken geben.

"Krone": Ist das auch ein Grund, warum du neben der Therapie in Salzburg eine Ausbildung zum Mental- und Kommunikationstrainer machst? Um etwa solche Unfälle besser verarbeiten zu können?
Schlierenzauer: Ich denke, dass man eine Auszeit wie meine nutzen sollte, um neue Dinge kennenzulernen. Für mich ist das jedenfalls irrsinnig spannend. Was sich daraus einmal ergibt, ist in meinen Gedanken noch nicht so gereift. Aber vielleicht komme ich ja einmal als Betreuer zurück. Eine Art Bindeglied zwischen den Athleten und den Trainern zu sein, das könnte ich mir zum Beispiel gut vorstellen. Spitzensportler ticken schließlich alle ziemlich gleich. Und ich weiß haargenau, wie sie ticken.

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