Di, 21. November 2017

„Milde Strafen“

06.07.2015 16:43

Schuldsprüche für Wiener Drogen-Clan „La Familia“

Der Drogen-Clan "La Familia" hatte bei seinem Auffliegen im Februar 2015 für Schlagzeilen gesorgt: Ein 43-jähriger Lackierer aus Wien soll in seinen Suchtgifthandel, den er im großen Stil aufgezogen hatte, seine Familie und einen Teil seines Freundeskreises integriert haben. Am Landesgericht wurden am Montag gegen alle zehn Angeklagten Schuldsprüche gefällt.

Die Strafen von sechs Monaten bedingt bis 21 Monate unbedingt sind vorerst nicht rechtskräftig. Richterin Michaela Röggla-Weiß würdigte die Geständnisse der Beschuldigten, die ein schnelles Verfahren ermöglicht hatten. "Deshalb haben wir mit milden Strafen das Auslangen gefunden." Die zehn Angeklagten nahmen folgerichtig ihre Urteile jeweils an, doch Staatsanwältin Anja Oberkofler gab keine Erklärung ab.

Alle gaben die umfangreichen Geschäfte, vor allem mit Cannabis und Koks zu, wollten aber von einer kriminellen Vereinigung nichts hören. Die 46-Jährige, die von ihrem Stiefsohn bei der Polizei noch belastet worden war, stritt ab, darin involviert gewesen zu sein und als "Finanzchefin" fungiert zu haben. Sie habe zwar von den Geschäften ihres Mannes gewusst, sich aber bis auf einen Drogentransport und eine Übergabe an einen Sohn nicht daran beteiligt. Widersprüchlich empfand die Richterin ihre Darstellung, die Sucht des Mannes kritisiert zu haben, obwohl sie selbst Kokain konsumierte. Die Erklärung der 46-Jährigen: Sie hätte dadurch abnehmen wollen.

Arbeitslose Kinder von Vater mit Drogen versorgt
Der Familienvater hatte nach eigenen Angaben seine drei arbeitslosen Kinder, eine 22-jährige Tochter sowie die beiden Zwillingssöhne (19) mit Drogen versorgt, die diese auch konsumierten. Ihm sei das lieber gewesen, als dass sie es von woanders bekommen hätten. Dass dies ein "Irrsinn" gewesen sei, wäre ihm erst in der Haft bewusst geworden, nachdem er wieder "nüchtern" geworden war.

Die Drogengeschäfte hatte der 43-Jährige begonnen, nachdem sein eigener Konsum aus dem Ruder gelaufen war, wie er aussagte. Bereits zuvor habe seine Freundesrunde die Pokerabende auch mit Suchtgiftkonsum gestaltet. Anfang 2014 hätte er mit dem Handel begonnen - allerdings nur, um die eigene Sucht zu finanzieren.

Diese Argumentation wurde vor der Richterin von allen Angeklagten vertreten. Zudem wäre nichts organisiert gewesen, man habe nicht einmal gewusst, was der jeweils andere mit den übergebenen Drogen anstellen würde. Dass der Hauptangeklagte einem Bekannten 2.000 Euro für eine Cannabis-Plantage vorgestreckt habe, sei ein reiner Freundschaftsdienst gewesen und man habe dadurch keine Lieferungen erwartet. Als "La Familia" zerschlagen wurde, konnten dort 281 Pflanzen sichergestellt werden.

Veurteilung wegen Teilnahme an krimineller Vereinigung
Bis auf die 46-Jährige und jenen 50-Jährigen, der das Kokain besorgt hatte, wurden alle Angeklagten neben den Drogendelikten auch für die Teilnahme an einer kriminellen Vereinigung verurteilt. Der Hauptangeklagte bekam 24 Monate, von denen sechs bedingt nachgesehen werden. Die sechs Monate für seine Frau, die 14 Monate seiner Tochter sowie die 18 und neun Monate für seine Söhne wurden zur Gänze bedingt ausgesprochen. Von den Bekannten, die bei der "La Familia" mitgewirkt hatten, erwischte es einen Ex-Freund der Tochter mit 21 Monaten unbedingt am schlimmsten. Erschwerend bei dem 33-Jährigen fielen sieben Vorstrafen ins Gewicht, während die meisten anderen erstmals vor Gericht standen.

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