Do, 19. Oktober 2017

Picasso beschädigt

16.04.2015 19:11

Motten in Gurlitts Bildern

Die Restauratoren der Bilder aus dem Nachlass von Kunstsammler Cornelius Gurlitt haben sensationelle Erfolge verbucht - fast alle Axponate sind wieder in sehr gutem Zustand. Auch das Erbe der Liegenschaften ist geklärt: Das Kunstmuseum Bern erbt etwa das Haus in Salzburg-Aigen.

Das Geheimnis ist gelüftet: Nach dem Tod des kauzigen Kunstsammlers Cornelius Gurlitt erbt das Berner Kunstmuseum – wie im Testament vorgesehen – sämtliche Bilder sowie die Wohnung Gurlitts in München-Schwabing – und auch sein sehr baufälliges Haus an der Carl-Storch-Gasse im Salzburger Stadtteil Aigen.

Wertvollste Exponate lagen im Salzburger Haus
Das bestätigte Museumsdirektor Matthias Frehner in einem Interview mit dem Magazin "Focus". Das Haus in Aigen war Gurlitts wichtigstes Kunstdepot: Da bewahrte er die 238 kostbarsten Exponate der Sammlung von unschätzbarem Wert auf – aber unter katastrophalen Bedingungen. Die Bilder und Gemälde waren oft wahllos nebeneinander aufgestellt oder übereinander geschlichtet. Dazu war es in der Bruchbude viel zu feucht. Was das für die Exponate bedeutete, erklärt Museums-Chef Frehner: "Es gab Schimmelbefall auf den Ölbildern, Stockflecken (sie werden durch Wasser verursacht) und Dreckspuren. Schädlinge haben sich durch die Mappen gefressen." Besonders arg erwischte es ein frühes Stillleben von Pablo Picasso: Das "wunderbare Aquarell" ist laut Frehner "so stark stockfleckig, dass man es nicht ausbleichen kann. Die Farbwerte würden sich bei dieser Behandlung zu stark verschieben", berichtet er.

Schimmel durch Trocknen fast völlig eliminiert
Bei den übrigen Werken, die in Salzburg gelagert waren, hatten die Restauratoren "sensationelle Erfolge": Mit vorsichtigem Trocknen der Bilder gelang es ihnen, den Schimmel fast völlig zu entfernen – die einzigartigen Exponate sind wieder in sehr gutem Zustand.

"Sammlung Salzburg" mit großartigen Werken
Welche Schätze damit gerettet wurden, zeigt die Liste der wertvollsten Exponate, die in Salzburg vor dem Verfall gerettet wurden. Darunter das Gemälde "Montagne Sainte-Victoire" von Paul Cezanne, "Waterloo Bridge im Nebel" von Claude Monet, "Paris Cathedrale" von Camille Pissarro oder auch der "Mann mit Pfeife" von Auguste Renoir. Dazu kommen großartige Bilder von Max Liebermann, Edvard Munch, die Radierung "Tete de femme" von Picasso oder ein Bronzeguss von Auguste Rodin ("La danaide. Liegende Frau auf Felsen"). Ob das Museum alle diese Werke übernimmt, ist noch offen: Ausdrücklich ausgenommen vom Erbe sind alle Exponate, die von den Nazis ihren früheren Besitzern genommen wurden (Gurlitts Vater war ja Hitlers oberster Kunsthändler). Diese Exponate von "Raubkunst" erhalten die Nachkommen der früheren Besitzer zurück.

Bern wälzt große Pläne mit Gurlitts Bildern
Das Kunstmuseum Bern hat große Pläne mit den Bildern Gurlitts, die teils von Motten angefressen waren: Die Werke aus Salzburg (lagern nun in Wien) und München werden in einer eigenen Ausstellung samt Katalog präsentiert, danach sollen sie auch in anderen Städten gezeigt werden. Die Staatsgalerie Stuttgart möchte die Ausstellung zuerst übernehmen. Salzburg hat damit die Chance vertan, die Sammlung hier, in Gurlitts zweiter Heimat, rasch zu zeigen.

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