Mi, 13. Dezember 2017

krone.at-Interview

09.01.2014 09:19

Bayern-Mädels: "Bei uns geht's um keine Millionen"

Nein, David Alaba ist beileibe nicht der einzige Österreicher beim großen FC Bayern - einmal abgesehen von gar nicht wenigen Spielern im Jugendbereich gibt es mit Viktoria Schnaderbeck (links im Bild), Laura Feiersinger (rechts) und Carina Wenninger auch drei Österreicherinnen, die den Münchnern zeigen, dass man auch bei uns ganz gut mit dem runden Leder umgehen kann. krone.at bat Viktoria und Laura - Carina verletzte sich leider kurz zuvor - zum Gespräch über Musik, Familienbande und das Leben im Schatten der Bayern-Männer um ÖFB-Ass Alaba.

krone.at: Gleich zu Beginn ein kleines Quiz. Aus welchem Lied welcher Band stammt die Textpassage: "Was für Eltern muss man haben, um so verdorben zu sein, einen Vertrag zu unterschreiben bei diesem Scheißverein?"
Viktoria: Also die Band, das sind auf jeden Fall die Toten Hosen. Aber (zu Laura gerichtet)... wie heißt das Lied nochmal?
Laura: (nach kurzer Überlegung) "Ich würde nie zu Bayern gehen"?

krone.at: Beides korrekt! Darf man als Bayern-Spielerin die Toten Hosen eigentlich zu seinen Lieblingsgruppen zählen? Ist es verboten, dass man sie hört?
Laura: (schmunzelt) Nicht, dass ich wüsste. Aber sie haben auch andere gute Lieder, die kann man durchaus hören. Als wir etwa den Pokal gewonnen haben, da wurde damals gerade "An Tagen wie diesen" überall rauf und runter gespielt, und das verbinden wir seitdem mit diesem Pokalsieg.

krone.at: Zurück zu den Eltern, die es "zulassen", dass man zum FC Bayern geht. Wie haben eure Eltern eigentlich eure Hinwendung zum Fußballsport aufgenommen?
Laura: Meine Mama und mein Papa haben mich immer unterstützt. Mein Papa hat auch nichts dagegen gehabt, als ich zu den Bayern gewechselt bin - er hat zwar für Dortmund gespielt, aber das war für ihn kein Problem. Und meine Mama hat mich von klein auf zu den Trainings gefahren und ist immer hinter mir gestanden. Sogar meine Oma ist ein Riesenfan. Solange es mir gefällt, gefällt es ihnen auch.

krone.at: Die Hinwendung selbst zum Fußball hat nicht überrascht?
Laura: Bei mir war es eigentlich durch meinen Papa klar, dass er mir das ein bisschen vererbt hat. Und da ich von klein auf immer schon Fußball gespielt habe, waren sie dann auch nicht überrascht, als ich mich fix dafür entschieden habe.
Viktoria: So ähnlich war es auch bei mir, da meine Cousins immer schon Fußball gespielt haben und von der Familie her das Interesse also schon da war. Ich glaube auch, meine Eltern waren froh, dass mein Bruder und ich uns damals in ein soziales Umfeld eingefunden und mit Freunden Fußball gespielt haben. Erst war es ja nur hobbymäßig und zum Spaß, der professionelle Gedanke ist eigentlich erst später dazugekommen, und ab dann haben sie mich vom ersten Training an voll unterstützt.

krone.at: Viktoria, du hast gerade die Verwandtschaft und deine Cousins angesprochen. Nervt es dich nicht, dass du oft als Cousine von Sebastian Prödl tituliert wirst?
Viktoria: Für mich ist das kein Problem, weil ich weiß, wie populär der Frauenfußball und wie populär der Männerfußball und wie berühmt der Sebastian im Vergleich zu mir ist. Deswegen ist das schon nachvollziehbar, dass er so als Anknüpfungspunkt benutzt wird, um mich vorzustellen. Nein, ich kann damit leben.

krone.at: Wenn man von Verwandtschaft spricht, kommt man bei dir, Laura, nicht an deinem Vater vorbei, der einst bei Dortmund gespielt hat. Wirst du hier in Deutschland oft auf ihn angesprochen?
Laura: Eher selten. In Österreich dafür umso häufiger.

krone.at: Ihr spielt beim "Stern des Südens" - der "Stern" des Frauenteams des FCB erstrahlt im Gegensatz zu den Männern aber nicht ganz so hell. Wieso ist das so?
Viktoria: Ich glaube, dass zum einen schon mal eine andere Beständigkeit vorherrscht. Die Frauenfußballabteilung gibt es noch nicht so lange. Zum anderen muss man schon klar sagen, dass die Budgets, die die Männer und wir zur Verfügung haben, doch sehr unterschiedlich sind. Es ist logisch, dass die Herren da ganz andere Möglichkeiten haben.

krone.at: Ihr seid im Moment Vierter in der Liga, was fehlt in sportlicher Hinsicht? Was unterscheidet euch zu Mannschaften wie Turbine Potsdam oder FFC Frankfurt?
Laura: Uns fehlt hauptsächlich die Konstanz. Wir waren zwar bis zum sechsten Spieltag ganz vorne dran, aber dann haben wir doch wieder einen Patzer drinnen gehabt. Und das passiert Potsdam oder Frankfurt eben nicht. Daran müssen wir arbeiten.

krone.at: Der FCB ist im Frauenfußball eine Österreicherinnen-Hochburg. Was zieht Österreicherinnen gerade nach München?
Laura: Ich habe zwar vorher schon in der Bundesliga gespielt (beim Herforder SC, Anm.), aber ich denke, die Nähe zu Österreich ist ein ausschlaggebender Punkt. Egal, ob es Spielerinnen aus Wien oder Tirol sind, wenn sie den Sprung ins Ausland wagen wollen, bieten sich die Bayern schon an.
Viktoria: Auch von der Mentalität her ist der Süden Deutschlands ideal. Natürlich muss man auch sagen, dass Bayern München vom Namen her schon etwas hermacht.

krone.at: Wie schaut's eigentlich aus mit dem Kontakt zwischen FCB-Spielerinnen und -Spielern? Lauft ihr dann und wann z.B. auch einem Franck Ribery über den Weg?
Viktoria: Man läuft sich schon ab und zu über den Weg - aber selten. Wir trainieren meist erst am Nachmittag oder am Abend und sie meistens am Vormittag.

krone.at: Und wie sieht's mit Funktionären aus, etwa mit Präsident Uli Hoeneß?
Viktoria: Ja, Funktionäre sind noch eher bei den Spielen. Gerd Müller war früher oft da und selbst Karlheinz Rummenigge kommt ab und zu.

krone.at: Und David Alaba?
Viktoria: (schaut fragend zu Laura) Bei einem Spiel war er, glaube ich, noch nie. Am Trainingsgelände habe ihn natürlich schon öfter getroffen, aber nicht bei Spielen, nein.

krone.at: Im Männer-Fußball polarisiert der FCB, auswärts werden die Spieler oft beschimpft. Strahlt das auch auf euch ab?
Laura: Eher weniger. Vielleicht bei Pokalspielen, wenn man gegen Zweitligisten spielt und die kommen aus irgendeinem Dorf, dann ist so ein Spiel gegen ein Team des FCB schon ein Anreiz, aber dass es so extrem ist - entweder hasst oder liebt man Bayern -, so ist es bei uns nicht. Wir haben ja auch nicht solche Weltstars, nicht diesen breiten Kader und könnten auch nicht die ganze Liga aufkaufen.

krone.at: Auch wenn ihr schon länger im Ausland spielt, als ihr in Österreich aktiv wart - wie sieht's mit den Unterschieden zwischen österreichischer und deutscher Liga aus?
Laura: Beim Tempo gibt es schon einen großen Unterschied. In Deutschland hat man weniger Zeit. Wenn man einen Ball bekommt, muss man vorher wissen, was man damit machen will, während man in Österreich den Ball annimmt und dann noch immer überlegen kann, wie es weitergehen soll. Neben der Athletik und der Fitness ist es auch ein großer Unterschied beim taktischen Verhalten.
Viktoria: Ich glaube, das waren schon die wichtigsten Punkte. Was mir zusätzlich noch einfällt, sind die Härte insgesamt und das Zweikampfverhalten - wahrscheinlich auch ein bisschen typisch deutsch. In der österreichischen Liga ist das nicht so notwendig, da reichen die spielerischen Qualitäten noch eher aus. Aber in Deutschland reicht nur gut Fußball spielen oft nicht mehr aus.

krone.at: Wenn man sich eure Steckbriefe auf der FCB-Homepage anschaut, fällt auf, dass ihr offenbar auf die Spielweise der Herren Messi und Fabregas steht. Nur du, Laura, gibst mit Kelly Smith auch eine Fußballerin als Lieblingsspieler/in an. Führt an den Männer-Assen kein Weg vorbei, wenn es um Vorbilder geht?
Laura: Ich denke, das ergibt sich deswegen, weil man sieht die Männer ja doch viel öfter immer im Fernsehen und es werden ja auch extrem viele Spiele übertragen. Wenn auch mehr Frauenspiele übertragen werden würden, dann wäre das sicherlich ein bisschen anders. Dann könnte man die Spiele besser verfolgen und würde die eine oder andere Spielerin mit anderen Augen sehen können.
Viktoria: Als ich ein kleines Mdspielerin, Anm.) Irgendwann relativiert sich das, wenn du mit ihr in der Klubmannschaft oder im Nationalteam spielst. Dann ist es, glaube ich, leichter einen Mann herzunehmen, von dem du weißt, dass du dich gar nicht so direkt vergleichen kannst.

krone.at: Da Bescheidenheit ja allgemein als eine Zier angesehen wird, möchte ich keine von euch dazu zwingen, selbst über die eigenen Stärken und Schwächen zu urteilen. Daher anders gefragt: Viktoria, was kannst du über Laura sagen?
Viktoria: Lauras Stärken sind auf jeden Fall ihr offensives Spiel mit ihrer Schnelligkeit und ihre Ausdauer, das ist bei unserem Spielstil auch gefragt. Außerdem ist sie eine extrem durchsetzungsstarke Spielerin im Eins-gegen-Eins und auch an vielen Toren beteiligt. Man kann mit ihr einfach immer sehr gut Fußball spielen.

krone.at: Fallen dir auch Schwächen auch ein?
Viktoria: Vielleicht ist sie nicht so die Kopfball-Granate (lacht). Aber sonst gibt's da nichts Gravierendes, nein. Es hat ja ohnehin jeder ein paar Sachen, an denen er arbeiten kann.

krone.at: So, jetzt zu dir Laura. Wie beurteilst du Viktoria?
Laura: Sie ist extrem zweikampfstark, beidfüßig und kopfballstark. Sie kann im Spiel sehr gut das Tempo bestimmen, mal einen Zahn zulegen, dann aber auch das Tempo herausnehmen. Ihr Passspiel ist ausgezeichnet, sie ist ausdauernd und sie kann jede Position spielen - bis auf den Sturm vielleicht, da habe ich sie noch nicht gesehen.

krone.at: Ihr habt mit Thomas Wörle einen Mann als Trainer - als Gegenmodell gibt's aber international und in Deutschland erfolgreiche Trainerinnen. Was ist euch lieber: ein Mann oder eine Frau?
Laura: Ich habe bei meiner ersten Station Deutschland, bei Herford, mit Tanja Schulte gleich einmal eine Frau als Trainerin gehabt. Ich hatte mit Tanja sofort ein gutes Verhältnis, das war relativ familiär. Dass eine Frauentrainerin die Frauen ein bisschen besser versteht als ein Mann, das wird schon so sein. Allgemein glaube ich, dass es mehr auf die menschlichen und sportlichen Fähigkeiten ankommt.
Viktoria: Ich glaube, das ist eine Typ-Sache, sowohl bei Frauen als auch bei Herren. Klar, wir Frauen sind sensibler veranlagt und da kann eine Trainerin auch von Vorteil sein, weil sie sich manchmal noch besser einfühlen kann. Aber das macht es gerade für eine Trainerin noch schwieriger, dass sie dann auch Distanz wahrt und dass es nicht zu familiär wird. Da tun sich Männer leichter. Es ist generell ein Trend hin zu Männer-Trainern im Frauenfußball zu bemerken.

krone.at: Eine Sache noch. Wir haben vor Kurzem berichtet, dass David Alaba seinen Vertrag verlängert hat - da ist es um ein paar Millionen Euro gegangen. Wie schaut es mit dem Geld bei euch aus?
Viktoria: (grinst) Genaue Zahlen wirst du von uns keine hören. Nein, aber dass es bei uns echt um keine Millionen geht, das ist wohl jedermann klar. Wir bekommen ungefähr dasselbe wie andere, die 40 Stunden arbeiten gehen. Wir können aktuell unseren Lebensunterhalt damit bestreiten, aber sicher auch nicht aussorgen. Wie es in fünf oder zehn Jahren ausschaut, wissen wir natürlich auch nicht. Viele von uns machen nebenbei noch ein Studium - wie wir beide - und manche haben auch noch eine Teilzeitarbeit. Einerseits sind wir privilegiert, dass wir unser Hobby zum Beruf machen durften und auch davon leben können, aber andererseits sieht man auch, dass es noch besser geht, wenn man z.B. auf die Herren beim FCB schaut.

krone.at: Zuletzt noch zur Akzeptanz des Frauenfußballs: Vor ein paar Wochen war eine Gruppe österreichischer Journalisten beim FCB, aus diesem Besuch ergab sich eine Reihe von Storys über und Interviews mit David Alaba und Bayern-Köpfen. Tut's weh, wenn man sich vergleichsweise wenig für euch interessiert?
Viktoria: Ja, manchmal schon! Ich finde es schon schade, weil wir ja eigentlich den gleichen Sport betreiben - aber es war halt immer schon so. Wir sind damit aufgewachsen und je länger man spielt, umso mehr bekommt man das auch mit, dass wir nicht den gleichen Stellenwert haben.

krone.at: Ihr seid also nicht etwa so schüchtern, dass ihr keinen Kontakt mit Journalisten haben möchtet?
Viktoria und Laura: (lachen) Nein, daran liegt es nicht!

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