Do, 14. Dezember 2017

Kollaps überlebt

24.12.2013 06:44

Wolfgang Feiersinger: "Ich habe viel Glück gehabt"

Salzburgs früherer Europacup-Held Wolfgang "Sali" Feiersinger hat heuer ein besonderes Weihnachtsfest. Denn vor genau zwei Wochen hing sein Leben an einem seidenen Faden. Die "Krone" sprach mit dem 48-Jährigen darüber, wie er den Schock verarbeitet hat. Er sagt: "Ich habe viel Glück gehabt."

Ruhig wird alles ablaufen an diesem Heiligen Abend. Vielleicht noch ein wenig ruhiger als sonst. Und bewusster. Denn seit dem Abend des 10. Dezember hat sich das Leben des Wolfgang Feiersinger verändert, als er beim Hallenturnier zum Gedenken an Bruno Pezzey in Tirol zusammengebrochen war und sein Leben plötzlich an einem seidenen Faden hing.

"Der Arzt im Spital hat gesagt: Herr Feiersinger, Sie haben großes Glück gehabt", erzählt der 48-Jährige. Inzwischen weiß er auch, was zu den Ereignissen geführt hat: "Ich habe ein Sportlerherz mit einem vergrößerten Vorhof – man hat mir erzählt, dass es bei 80 Prozent der ehemaligen Spitzensportler zu Rhythmusstörungen kommt."

"War zu nichts zu gebrauchen"
Nach zwei Wochen, "in denen ich zu nichts zu gebrauchen war" (Feiersinger), fühlt sich der sportliche Naturbursche inzwischen wieder einigermaßen gut. Aber sein Leben hat sich verändert: "Man hat mir ein Notfallpaket für Erste Hilfe mitgegeben, damit ich selbst ein paar wichtige Sofortmaßnahmen ergreifen kann, wenn das noch einmal auftreten sollte", sagt er: "Denn es muss nicht unbedingt noch einmal kommen, aber es ist möglich."

Der Ex-Fußballer, der ohnehin schon vorher ein großer Grübler gewesen war, ist noch eine Spur nachdenklicher geworden und sinniert: "Freilich relativiert sich durch so etwas viel. Aber die Frage ist, wie schnell man wieder ins alte Fahrwasser zurückkommt."

Feiersinger geht nach der Schockstarre, die diese Erfahrung am Anfang ausgelöst hat, dorthin, wo er sich in den vergangenen Jahren am wohlsten gefühlt hat – auf die von ihm und seiner Lebensgefährtin Karin bewirtete Hochwildalm-Hütte in Aurach bei Kitzbühel: "Wir werden nach den Weihnachtsfeiertagen ein paar Tage aufsperren."

Denn dort oben, in gut 1.500 Metern Höhe, spielt sich die Normalität des ehemaligen Champions-League-Siegers ab – eine Normalität, die er jetzt dringend braucht, um den Kopf von düsteren Gedanken auszulüften, die in so einer Situation fast zwangsläufig daherkommen: "Man ist natürlich am Anfang total geschockt und steht völlig unter dem Eindruck dessen, was da passiert ist. Aber jetzt geht's schon ganz gut."

"Als Fußballer lebst du in einer Scheinwelt"
Und droben auf der Hütte wird es bald noch besser gehen. Denn dieser Ort ist für den früheren Nationalspieler eine Art Seelenheimat geworden, wo sich schon vor seiner aktuellen Grenzerfahrung vieles relativiert hat, was früher einmal sein Leben bestimmte: "Du lebst als Fußballer in einer Scheinwelt", sagt er.

Die interessiert ihn schon lange nicht mehr. Er, der früher auf schnelle Autos und heiße Öfen abgefahren war, hat sich ein naturnahes Tempo ausgesucht. Es ist fast eine Art Spurensuche zu den echten, den unerschütterlichen Werten im Leben.

Wolfgang Feiersinger hat nun eine Erfahrung dazu gewonnen, auf die er gern verzichtet hätte, die ihn aber auf seinem weiteren Weg begleiten wird. Dem sympathischen Naturburschen ist zuzutrauen, dass er sie auf eine für ihn wertvolle Weise integriert. Und zu wünschen ist ihm, dass er den Notfallkoffer nie brauchen wird.

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