Mo, 28. Mai 2018

Abfahrt in Gröden

21.12.2013 13:31

Kanadier Guay siegt, ÖSV-Herren nicht in Top Ten

Der Kanadier Erik Guay hat am Samstag die Abfahrt in Gröden gewonnen. Der Schnellste des Abschlusstrainings am Freitag siegte auf der Saslong in 1:56,65 Minuten zwölf Hundertstel vor dem Norweger Kjetil Jansrud und dem Franzosen Johan Clarey (+0,24 Sekunden). Die ÖSV-Herren enttäuschten, Bester mit knapp einer Sekunde Rückstand wurde Max Franz als Elfter.

Für den Weltcupführenden, den Norweger Aksel Lund Svindal, der nach dem Sieg am Freitag im Super-G (siehe Infobox) einer der Topfavoriten war, klappte es in Gröden erneut nicht mit dem Sieg – er landete nach einem Fehler mit 0,29 Sekunden Rückstand auf Rang vier, baute damit aber seine Weltcup-Gesamtführung auf Marcel Hirscher auf 175 Punkte aus.

Für Österreichs Downhiller setzte es ein ähnliches Debakel wie im Vorjahr, als Joachim Puchner als Bester nicht über Rang 13 hinausgekommen war. Der Kärntner Max Franz belegte im Grödnertal als bester ÖSV-Athlet Rang elf und führte damit ein abgeschlagenes Österreicher-Paket an. Es folgten Georg Streitberger (12.), Matthias Mayer (14.), Florian Scheiber (15.), Hannes Reichelt (17.), Klaus Kröll (20.), Joachim Puchner (25.) und Romed Baumann (26.). Österreichs Speed-Truppe muss damit weiter auf den ersten Sieg seit 29. Dezember 2012 warten.

ÖSV-Herren mit "Saslong-Komplex"
Dass die Österreicher schön langsam einen Gröden-Komplex zu haben scheinen, beobachtete auch ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel live vor Ort. "Hier in Gröden braucht man eine ganz eigene Art Ski zu fahren. Und bei der waren wir zwar mannschaftlich geschlossen, aber leider geschlossen hinten", sagte der Tiroler.

Bei der nächsten Abfahrt kommende Woche in Bormio werde die Welt aber sicher wieder anders ausschauen. "In Bormio herrschen ganz andere Verhältnisse. Da braucht man Mut und Kondition, das liegt uns", meinte Schröcksnadel zuversichtlich. In Gröden war man auch 2012 – allerdings bei einer Wetter-Lotterie auf verkürzter Strecke – in ein Debakel geschlittert, in dem Puchner als Bester 13. gewesen war.

Die Meinung der Athleten deckte sich mit jener von Schröcksnadel. Die kollektive Schwäche in Gröden sei laut Kröll "interessant und rätselhaft", aber keinesfalls besorgniserregend. "Das war eine Woche zum Abhaken hier. Aber wir dürfen uns nicht nervös machen lassen. Wir sind gut drauf", meinte Kröll angesichts von sechs Podestergebnissen in den vier Überseerennen zum Saisonstart.

"Wir fahren wahrscheinlich zu hart"
Streitberger fand bei der Analyse der ÖSV-Schwäche in Gröden hingegen recht klare Worte: "Wenn wir uns ehrlich sind, dann haben wir einfach zu wenig Gefühl für Gröden. Da gibt's keine Ausreden, wir fahren hier wahrscheinlich zu hart." Streitberger nannte Michael Walchhofer als weiterhin letzten ÖSV-Fahrer, der den Anforderungen auf der Saslong gewachsen war. Walchhofer hatte in Gröden je zweimal Abfahrt und Super-G gewonnen.

Da sich das ÖSV-Debakel bereits in den Trainings angedeutet hatte, hielt sich die Überraschung in Grenzen. Auch bei Franz, der ebenfalls ganz schnell seinen Fokus Richtung Bormio richtete: "Da werden wir auf jeden Fall besser ausschauen."

Guay geschmeidig wie eine Katze unterwegs
Im krassen Gegensatz zu den Österreichern agierte Guay, über den Streitberger meinte: "Er drückt die zahlreichen Wellen hier so gut wie kein anderer. Bei jeder Welle ist er zehn Meter kürzer in der Luft als alle anderen. Und das summiert sich halt." Und auch Franz staunte beim Zuschauen: "Hier darfst du nicht durch die Kurven fahren, hier musst du durch die Kurven gleiten. Und das macht Guay wie kein anderer."

Guay, Abfahrts-Weltmeister 2011, wusste natürlich auch, wo und wie er seinen vierten Sieg im Weltcup fixiert hat: "Mit meiner Sprungposition hole ich viel Zeit heraus. Und meine Linie auf der Ciaslat war einfach ideal." Und das, obwohl Guay aufgrund einer Knieoperation im vergangenen Sommer erst im November erstmals auf seine Atomic-Ski gestiegen war.

Gratulationen zum Sieg nahm Guay erst an, als der letzte der 70 Starter im Ziel war. Denn auch vergangene Saison hatte er bereits wie der sichere Sieger ausgesehen, ehe er nach einem Wetterumschwung noch vom US-Amerikaner Steven Nyman und dem Slowenen Rok Perko auf Rang drei verwiesen worden war.

Das Ergebnis des Rennens:

RangNameNationZeit
1GUAY Erik CAN 1:56,65 Min.
2JANSRUD Kjetil NOR 1:56,77
3CLAREY Johan FRA 1:56,89
4SVINDAL Aksel Lund NOR 1:56,94
5MILLER Bode USA 1:57,04
6KÜNG Patrick SUI 1:57,28
7OSBORNE-PARADIS Manuel CAN 1:57,45
8HEEL Werner ITA 1:57,51
9HUDEC Jan CAN 1:57,55
10FILL Peter ITA 1:57,57
11FRANZ Max AUT 1:57,62
12STREITBERGER Georg AUT 1:57,74
13FISHER Erik USA 1:57,79
14MAYER Matthias AUT 1:57,99
15SCHEIBER Florian AUT 1:58,02
16SULLIVAN Marco USA 1:58,08
17REICHELT Hannes AUT 1:58,14
18THEAUX Adrien FRA 1:58,36
19GANONG Travis USA 1:58,41
20KRÖLL Klaus AUT 1:58,43
21JANKA Carlo SUI 1:58,45
22GIRAUD MOINE Valentin FRA 1:58,46
23ZURBRIGGEN Silvan SUI 1:58,65
24PUCHNER Joachim AUT 1:58,75
25BAUMANN Romed AUT 1:58,88
26DEFAGO Didier SUI 1:58,89
27PERKO Rok SLO 1:59,06
28STECHERT Tobias GER 1:59,16
28FEUZ Beat SUI 1:59,16
30BERTRAND Yannick FRA 1:59,24
Weiter:
31KRÖLL Johannes AUT 1:59,27
36DÜRAGER Markus AUT 1:59,45
40KRAMER Manuel AUT 2:00,19

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