Mo, 11. Dezember 2017

Experiment zeigt:

28.04.2012 08:00

Manche Flechten-Arten könnten auch am Mars leben

Bestimmte Flechten-Arten sind offenbar so robust, dass sie auch auf dem Mars überleben könnten. Zumindest für 34 Tage, wie ein bei der Generalversammlung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien vorgestellter Versuch deutscher Wissenschaftler zeigt. Für diese ein Indiz dafür, dass dereinst auf dem Roten Planeten entstandenes Leben möglicherweise bis heute überlebt haben könnte.

Gemeinsam mit Kollegen hat Jean-Pierre Paul de Vera vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einer Simulationskammer Mars-Bedingungen nachgebaut und beobachtet, wie Flechten (Bild) und Cyanobakterien damit zurechtkommen.

Innerhalb eines Monats hätten sie sich angepasst und ihre Fotosynthese-Leistung gesteigert, so De Vera. Auch am Mars selbst könnten sie überleben, meinte der DLR-Wissenschafter, wenn sie in Ritzen, Rissen und kleinen Höhlen vor UV-Strahlung geschützt sind.

Marsbedingungen in Klein simuliert
Eine Atmosphäre aus Kohlendioxid und Stickstoff mit nur Spuren von Sauerstoff, einen Luftdruck von gerade einmal sechs Tausendstel von dem auf der Erde und Temperaturschwankungen von minus 50 bis plus 23 Grad Celsius mussten die Flechten und Cyanobakterien 34 Tage lang in der Simulationskammer überstehen. Auch Marsgestein bauten die Forscher anhand von Analysen nach, die Mars-Rover der US-Raumfahrtsbehörde NASA vom Roten Planeten zur Erde gefunkt hatten. Das Ergebnis: "Die irdischen Mikroorganismen betreiben selbst unter diesen schwierigen Bedingungen Fotosynthese", so De Vera.

Vor allem in kleinen Rissen und Ritzen hätten sich die Flechten als Überlebenskünstler erwiesen. "Sie passten sich an die künstliche Mars-Umgebung an und zeigten eine Aktivität, wie sie auch in ihrer natürlichen Umgebung, beispielsweise der Antarktis, erreicht wird", so De Vera, der es durchaus für möglich hält, dass man in Nischen im Mars-Boden Lebewesen finden könnte. Mit Blick auf mögliche künftige Missionen zum Mars betonte der Wissenschafter: "Man muss extrem vorsichtig sein und keine irdische Lebensformen auf den Mars bringen. Sonst könnte man damit den Planeten kontaminieren."

Auch auf Jupitermonden Leben möglich?
Doch nicht nur auf dem Mars, sondern auch auf Monden der Gasriesen Jupiter und Saturn suchen Forscher nach Lebenszeichen. Das sogenannte "Chaos Terrain" auf dem Jupitermond Europa sehe mit seinen Eisblöcken, Rissen und Eisklippen dem Eismeer der Arktis ähnlich, so Britney Schmidt vom Institut für Geophysik der Universität Texas. Und den Ozean darunter hält sie "für einen interessanten Platz, um nach Lebewesen zu suchen", sagte sie bei der Pressekonferenz.

Neben Europa will Michele Dougherty vom Imperial College in London auch die Jupitermonde Ganymed und Kallisto nach bewohnbaren Regionen untersuchen. Im Rahmen der JUICE-Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA, über die das zuständige ESA-Gremium am 2. Mai entscheiden soll, könnte eine mit Messinstrumenten vollgepackte Raumsonde 2022 zum Jupiter und seinen Monden aufbrechen, würde diese acht Jahre später erreichen und genauer inspizieren.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden