Do, 24. Mai 2018

"Krone"-Interview

05.12.2011 14:45

Andreas Kofler: "Ich will der Beste der Welt sein!"

Andreas Kofler ist der neue Herr der Schanzen. Dem 27-jährigen Tiroler gelang mit drei Siegen in Folge ein traumhafter Start in den Skisprung-Winter. Im Interview mit "Krone"-Reporter Norbert Niederacher sprach der Naturbursch über seine aktuellen Erfolge, die Gründe für seine Überform und die weiteren Ziele. Andi erklärt, warum er über Morgensterns "Anweisungen" nicht nachdenkt, wie er Energie aufsaugt und warum er lieber auf die Ellbogentechnik verzichtet.

"Krone": Drei Springen, drei Siege. Was ist jetzt noch möglich? Thomas Morgenstern hält mit sechs Erfolgen in Serie den Startrekord.
Andreas Kofler: Der Morgi hat schon gesagt, dass ich bei fünf Siegen aufhören kann. Ich habe aber darüber noch gar nicht nachgedacht. Ich sauge jetzt einfach die positive Energie der bisherigen Springen auf, um mit diesem Schwung weiterzumachen. Dann ist sicher noch vieles möglich für mich.

"Krone": Ein Ziel hast du schon bei der Präsentation beim Saisonauftakt in Kuusamo verraten: Du willst um den Gesamtweltcupsieg kämpfen.
Kofler: Ich habe in den vergangenen zwei Jahren mit vierten Plätzen bewiesen, dass ich eine ganze Saison konstant gut springen kann. Mit dem Vorsprung aus drei Siegen kann ich gut leben. Es wird aber sicher noch ein langer, beinharter Kampf.

"Krone": Du hast wegen einer Rückenverletzung im Herbst zwei Monate keinen Sprung gemacht. Jetzt bist du die Nummer eins der Adler-Welt. Wie erklärst du dir das?
Kofler: Ich habe mich im September mit der Situation abgefunden. Ich habe noch intensiver in meinen Körper hineingehört, darauf vertraut, dass mein System funktioniert. Deswegen war ich vor dem Start im Kopf so frei wie noch nie zuvor.

"Krone": Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer stehen fast immer im Rampenlicht. Du bleibst mit deiner ruhigen Art meistens im Hintergrund.
Kofler: Es geht mir nicht darum, die Nummer eins in einer Mannschaft zu sein. Ich möchte der Beste der Welt sein. Ich mag auch nicht um alles mit Ellbogentechnik kämpfen. Ich habe aber gelernt, ein bisschen egoistischer zu sein. Ich verfolge jetzt meinen Weg. Ich kann durchaus 'Halt' sagen, wenn mir etwas nicht passt.

"Krone": Du bist schon Olympiasieger im Team, Weltmeister im Team und Tourneesieger. Was wäre für dich jetzt der schönste Erfolg?
Kofler: Ich sehe das ein bisserl tiefgründiger. Es ist für mich das größte Glück, wenn meine Familie, meine Freunde und ich gesund sind. Die Gesundheit ist einfach das Wichtigste im Leben.

"Krone": Tolle Hotels, Privat-Flieger, Tour-Bus – Skispringer genießen fast ein Jet-Set-Leben. Was ist für dich Luxus?
Kofler: Wenn ich mit meiner Freundin oder meiner Familie einen ruhigen Nachmittag verbringen kann. Eine Zeit, in der nicht das Springen im Vordergrund steht. Das kommt leider sehr selten vor.

"Krone": Skispringer können heutzutage so viel verdienen wie noch nie. Du bist der einzige Nationalspringer, der als Polizist eine Ausbildung abgeschlossen hat.
Kofler: Irgendwann ist jede Karriere zu Ende. Man hat es auch nie selbst in der Hand, wann Schluss ist. Ich wollte deswegen etwas für die nächsten 20, 30 Jahre haben. Jeder Sportler sollte sich Gedanken machen, wie es einmal weiter geht.

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