Di, 21. November 2017

Tierheim-Affäre

12.01.2011 19:08

Horrende Hotelkosten für Hunde und Katzen

Groteske Auswüchse im Salzburger Tierheim: Sogar für gefundene Hausmäuse haben die Pflegerinnen Verträge ausfüllen müssen. Weil das Heim seine Schützlinge nicht an interessierte Tierfreunde abgeben wollte, musste es wegen akuter Platznot Hunde und Katzen im Neumarkter "Schnauzerl Hotel" unterbringen. Dem Land wurden dafür Pensions-Preise verrechnet – 135.726 Euro im Jahr 2009.

Noch bis April ist der derzeitige Vorstand des Tierschutzvereines gewählt, der an der Karolingerstraße auch das Salzburger Tierheim führt. Doch die Vereinsleitung gerät wegen der Zustände im Heim immer stärker unter Druck. Zuletzt prangerten fünf Pflegerinnen in einem Brief an die Politik schwere Mängel an – und auch groteske Fälle.

1.100 Tiere wurden voriges Jahr aufgenommen, die Pflegerinnen mussten sogar für gefundene Hausmäuse eigene Verträge aufsetzen. Tierschützer brachten rund 120 Igel im Heim vorbei, damit sie über den Winter gepflegt werden. Die stacheligen Gesellen wurden sofort an eine "Igel-Mutter" weitergegeben, die sich auf deren Betreuung spezialisiert hat – "aber Spenden für die Pflege der Igel behielt das Tierheim selbst, obwohl die Betreuerin in finanziellen Nöten steckte", berichten die Pflegerinnen in ihrem Schreiben.

Hotelkosten für Hund und Katz
Immer wieder taucht der Vorwurf auf, dass das Heim zu wenige Vierbeiner und Vögel an interessierte Tierfreunde vermittelt. Landesrat Sepp Eisl kann das mit Zahlen untermauern: Noch 2007 wurden in Salzburg erst 558 Tiere verwahrt, 2008 waren es schon 808, und ein Jahr später 1.048 – zugleich explodierten auch die Kosten.

Weil das Tierheim hoffnungslos überfüllt war, wurden vor allem Hunde und Katzen ins "Schnauzerl Hotel" nach Neumarkt verlegt. Das Land musste dort Pensionspreise für die Tiere bezahlen: 32.549 Euro waren es 2007, im Jahr darauf schon 108.253 Euro – und 2009 überwies das Land nach Neumarkt 135.726 Euro. Mit ein Grund dafür: Im Tierheim gibt es "schwarze Listen", an welche Menschen keine Hunde vergeben werden. Pensionisten über 65, Familien mit Kindern oder Menschen, die im Gastgewerbe arbeiten, bekommen keine Tiere.

Salzburger Krone

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