Di, 21. November 2017

Sohn erschossen

11.09.2010 10:37

Prozess in Wiener Neustadt geht am Montag ins Finale

Am Landesgericht Wiener Neustadt wird am Montag ein Prozess gegen einen 63-Jährigen fortgesetzt, dem die Anklage den Mord an seinem Sohn vorwirft. Der 26-Jährige wurde am 2. Februar im Haus der Familie in Perchtoldsdorf (Bezirk Mödling) erschossen. Er war wegen eines Streits um die Wohnung in Wien zu einer Aussprache mit seinem Vater gekommen. Der Angeklagte gab zu Verhandlungsbeginn im Juli an, in Notwehr gehandelt zu haben.

Der Sohn hätte ihn zuvor mit einer Softgun, die einer Glock Pistole täuschend ähnlichen sah, bedroht. In der Annahme, es handle sich um die Waffe aus seinem Safe, sei er "zu Tode erschrocken" gewesen, sagte der Beschuldigte.

Streit um Liegenschaften
Nach dem Tod der Mutter im September 2007 hatte es zunehmend Zwist um das familiäre Vermögen gegeben. Der Hauptteil der Erbschaft ging an den Sohn, der Vater hatte aber lebenslanges Wohnrecht in Perchtoldsdorf und auch noch eine Ferienwohnung in Alicante in Spanien. Die Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn über die Liegenschaften seien laut Staatsanwaltschaft u.a. durch Schreiben dokumentiert - ein letztes erhielt der Sohn am Tag vor der Tat. Darin wurde er aufgefordert, aus der seinem Vater gehörenden Wiener Wohnung binnen 14 Tagen auszuziehen - obwohl seine Verlobte schwanger war. Das junge Paar hätte am 20. Februar heiraten wollen.

Privates Schießgutachten erstellt
Der Prozess war Ende Juli vertagt worden. Die Verteidigung hat ein privates Schießgutachten erstellen lassen, dessen Aspekte nun in jenes des gerichtlichen Schießsachverständigen Ingo Wieser einfließen sollten. Dieser hatte ausgeführt, dass das Opfer aus zehn bzw. 30 Zentimetern Entfernung im Knien oder in hockender Haltung von den Schüssen in die Brust und in den Oberarm getroffen worden sei. An beiden Händen des Opfers fanden sich sehr geringe Schmauchanteile, die von einer Abwehrbewegung herrühren dürften, hieß es. Ein Gutachten attestierte dem Angeklagten volle Zurechnungsfähigkeit.

An den ersten beiden Tagen kamen mehrere Zeugen zu Wort, die die Charaktere von Vater und Sohn konträr sahen. Die Lebensgefährtin des 63-Jährigen schilderte Konflikte um ein Auto und die Liegenschaften und beschrieb den Sohn als "sehr aggressiv". Hingegen sagte dessen - im Juli hochschwangere - Verlobte, der 26-Jährige sei über das getrübte Verhältnis zum Vater, der zunehmend über Geldprobleme geklagt habe, sehr bekümmert gewesen. Der Richter verlas einen Brief des Beschuldigten an einen spanischen Nachbarn, in dem der damals 62-Jährige von seiner Verzweiflung berichtete, weil sein Sohn "wie ausgewechselt" sei, seit er die junge Frau kenne.

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