So, 17. Dezember 2017

Kampf seit Dekaden

29.08.2010 17:37

Blinden fehlt Gesetz zur Finanzierung von Blindenhunden

Seit Jahrzehnten kämpft Klaus Martini (64) aus Innsbruck, lange Obmann des Tiroler und Präsident des Österreichischen Blindenverbandes, für die rechtliche Gleichstellung bei der Finanzierung der Blindenführhunde. Ist nämlich ein Blinder bei der „falschen“ Sozialversicherung, wohnt im "falschen" Bundesland oder ist, wie Martini, in Pension, wird er kräftig zur Kasse gebeten.

38 Jahre arbeitete Klaus Martini an der Uni Innsbruck als Beamter im Fernmeldewesen, zuletzt als Chef. Seine vier Blindenführhunde - deren Ausbildung kostet etwa 30.000 Euro pro Hund - wurde durch freiwillige Leistungsträger (Kriegsopfer- und Behindertenfonds, Sozialabteilung des Landes Tirol, Bundesversicherungsanstalt öffentlicher Bediensteter und das Bundessozialamt) fast zur Gänze finanziert.

Jetzt, als Pensionist, muss Martini statt bisher 1.400 Euro, plötzlich knapp 9.000 Euro für seinen vierten Blindenhund, den zweijährigen "Bijou" (Juwel) selbst aufbringen. Weil das Bundessozialamt nur zahlt, solange man aktiv ist.

Martini: "Ich kämpfe für alle Blinden!"
Martini betont aber eindringlich: "Ich jammere nicht über meine Situation, ich kämpfe für alle Blinden." Andere blinde Pensionisten seien noch viel schlimmer dran. Es sollte aber längst - wie in Deutschland und der Schweiz - jeder Blinde gleich gestellt sein. Und Rechtsanspruch auf einen Blindenführhund haben. Die total unterschiedlichen Rechtsansprüche auf Finanzierung des Blindenhundes unterteilen Behinderte immer noch in "Privilegierte" und "Bittsteller".

Privilegiert und voll bezahlt werden die vom Bund betreuten Blinden: Kriegsopfer, Heeresangehörige, Unfall- und Verbrechensopfer. Der Rest, die "Zivilblinden", immerhin 90 Prozent, ist von der Gnade der Kostenträger abhängig: Den sozialen Einrichtungen des jeweiligen Bundeslandes und privaten Sponsoren. Martini: "Nur Vorarlberg finanziert derzeit Blindenführhunde zur Gänze vor."

Alle Hunde zusammen kosten nur 450.000 Euro pro Jahr
Das rechtliche Kernproblem: Der Gesetzgeber sieht im Blindenführhund, dem Augenlicht, Beschützer und Kameraden jedes Blinden, nur eine „Sache“. Und nicht wenigstens ein "Hilfsmittel". Dabei geht es österreichweit nur um 100 "Blindenhund-Gespanne", ganze sieben in Tirol! Es sind österreichweit nur etwa 15 Gespanne pro Jahr zu finanzieren: Nur 450.000 Euro jährlich würde nach gesetzlicher Regelung die Kostenübernahme durch den Sozialträger ausmachen. Die leider über 20 Jahre lang "betriebsblinden" Politiker sind gefordert, diese Problematik endlich zu bereinigen. Oder bringen ihnen vielleicht Blinde zu wenig Stimmen?

von Hans Licha, Tiroler Krone
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