Sa, 16. Dezember 2017

Jukic gegen Rogan

07.08.2010 19:50

Dicke Luft vor EM bei Österreichs Schwimmstars

Der nächstwöchige erste internationale Schwimm-Höhepunkt 2010 birgt einiges an Brisanz in sich. Bei den 30. Langbahn-Europameisterschaften in Budapest geht es nach dem Verbot der Ganzkörperanzüge um eine sportliche kontinentale Neuordnung, doch auch im österreichischen Lager ist noch einiges auf die Reihe zu bringen. Das bewies eine am Freitag in Wien abgehaltene Pressekonferenz des Österreichischen Verbandes OSV.

Bis auf Hunor Mate waren alle Aktiven und ihre Trainer zum Medientermin am OSV-Sitz vor dem Dusika-Radstadion angereist, auch die von einem mehrtägigen Schweiz-Training gekommenen Markus Rogan und Dominik Koll. Auch die Wasserspringer Constantin Blaha und Veronika Kratochwil waren da. Insofern wurde ein einheitliches Bild transportiert, doch zwischen den Führungspersönlichkeiten Rogan und Dinko Jukic bzw. punkto der Staffelentscheidungen des Verbandes ist nicht alles eitel Wonne.

"Der Verband hat sich um nichts gekümmert, was die Staffel betrifft", sprach Jukic die seiner Meinung nach unzureichende Informationspolitik der Funktionäre um OSV-Sportkoordinator Moschos Tavlas an. "Es kommt an die Sportler nichts heran." Keiner der Aktiven und Coaches wurde demnach informiert, für welche Staffeln genannt wurde und für welche nicht bzw. wer sich auf einen möglichen Einsatz in den Teambewerben vorbereiten sollte.

Harte Worte Jukics gegen Rogan
Jukic fand aber auch gegenüber dem neben ihm am Podium sitzenden Rogan harte Worte. Er warf ihm die nach dem Gewinn von Lagen-Gold vollzogene verfrühte Abreise von der Kurzbahn-EM im Dezember 2009 aus Istanbul vor. Jukic hatte sich danach am Bosporus zum Leithammel erklärt. Rogan schien nun zuerst perplex, zeigte dann aber späte Reue: "Es war vielleicht nicht die beste Entscheidung", sagte der 28-Jährige. "Ich habe mich nicht fit genug gefühlt, mehr als eine Goldene zu gewinnen. Ich möchte mich für meine Abreise bei der Mannschaft entschuldigen."

Rogan versuchte zudem, mit Jukic auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. "Ich bin egoistischer als Dinko, aber auch er hat ein starkes Ego", sagte der in Ungarn als Zweifach-Titelverteidiger antretende OSV-Star. "Wir werden keine großen Freunde mehr werden, sind aber Teamkollegen." Als solche stehen sie für alle OSV-EM-Aktiven während der EM zur Wahl, wenn der Verband unter den Aktiven bei Herren und Damen in geheimer Wahl je einen Vertreter bestimmen lassen wird.

"Die gewählten Sportler sollen bis zur nächsten Entsendung im Amt bleiben", erläuterte OSV-Präsident Paul Schauer die sicher zu begrüßende Initiative, "und zu unseren Verbandssitzungen eingeladen werden. Es geht darum, dass der Informationsfluss von den Aktiven zu den beiden gewählten Sportlern kommt." Sportlich erhofft sich Schauer von diesen Titelkämpfen das Erreichen möglichst vieler OSV-Finalplätze. "Vielleicht können wir auch die eine oder andere Medaille erringen." Realistische Kandidaten dafür gibt es zwei.

"Es liegt mir nicht, mit großen Tönen herumzuspucken"
So ist Rogan - er versuchte mit dem Verschenken von Badehosen mit patriotischem Aufdruck an seine männlichen Kollegen zu punkten - bei fünf Einzelnennungen über 100 und 200 m Rücken auf Medaillen sowie über 200 m Lagen klar auf Gold aus. "Für Laszlo Cseh kann es unangenehm werden, wenn er Zweiter wird", bezog sich der Wiener auf eine Niederlage des Lokalmatadors gegen ihn. Jukic als zweite OSV-Podiumshoffnung gibt sich defensiver: "Es liegt mir nicht, mit großen Tönen herumzuspucken. Ich möchte mich zuallererst an der Spitze etablieren."

Sein Vater und Trainer Zeljko Jukic wurde schließlich in der Staffelfrage gegenüber dem Verband sowie u.a. auch gegen Rogan laut, weil dieser in einem Interview wegen der Nichtnominierung einer Kraulstaffel Jukic den "Schwarzen Peter" zugeschoben hatte. "Gib keine Interviews über meine Familie mehr", zischte der Coach in Richtung von Österreichs erfolgreichstem Schwimmer. "Du kannst das über deine Familie machen."

Das dritte OSV-Gold von Eindhoven 2008 wird übrigens nicht verteidigt, jenes von Mirna Jukic über 100 m Brust. Die 24-Jährige weilt während ihrer Auszeit derzeit in der Türkei, wird am Dienstag bis Donnerstag aber in Budapest ihren Bruder anfeuern.

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