So, 27. Mai 2018

Streitwert 100.000 ¿

26.11.2008 14:32

Lanzinger klagt die FIS, Veranstalter und Spital

Nachdem die FIS die Schadenersatzforderungen von Matthias Lanzinger über ihre Haftpflichtversicherung brieflich zurückweisen hat lassen, wird dieser in Norwegen eine Klage einbringen. Das gab Lanzingers Rechtsbeistand, der Wiener Anwalt Manfred Ainedter, am Mittwoch bekannt. "Geklagt werden die FIS, der norwegische Veranstalter und das Spital in Oslo, wo mein Mandant kunstfehlerhaft behandelt worden ist", kündigte Ainedter an.

Den Streitwert bezifferte der Anwalt mit "mindestens 100.000 Euro", wobei die Klage zusätzlich ein Feststellungsbegehren für alle zukünftigen Schäden - dabei wäre vor allem an Verdienstentgang zu denken - enthalten wird. Lanzinger war im vergangenen März beim Super-G in Kvitfjell schwer gestürzt. In weiterer Folge musste dem 27-jährigen Salzburger der linke Unterschenkel amputiert werden.

Basis seiner Forderung nach finanzieller Wiedergutmachung ist eine Expertise des anerkannten Münchener Gefäßchirurgen Bernd Steckmeier, der im Auftrag von Lanzingers Anwalt ein Gutachten erstattet hatte. Darin ist unter anderem von einer unvertretbaren Verzögerung beim Abtransport des Schwerverletzten ins zunächst unzureichend ausgerüstete Krankenhaus Lillehammer und mangelhafter chirurgischer Versorgung im Osloer Spital die Rede.

In der Infobox findest du weitere Details zur Tragödie des Matthias Lanzinger!

Der FIS macht Lanzingers Rechtsvertreter zum Vorwurf, nicht ausreichende Sicherheitsvorkehrungen erlassen und darüber hinaus die Einhaltung dieser Vorschriften nicht kontrolliert zu haben. Den örtlichen Veranstalter will Ainedter deshalb in die Pflicht nehmen, weil es seiner Ansicht nach weder einen adäquaten Rettungsdienst, noch einen medizinischen Notfallplan gab. Weil im Nachhinein nicht mehr feststellbar sei, welche Anteile die FIS, den Veranstalter und das Spital an der eingetreten Schädigung trifft, wird Ainedter unter Beiziehung eines norwegischen Kollegen gegen alle drei vorgehen.

"Die FIS hat sich abgeputzt"
Lanzinger selbst fand zu der Causa deutliche Worte. Die Aussicht, einen langwierigen Rechtsstreit führen zu müssen, sei "unbefriedigend, wenn solch klare Tatsachen auf dem Tisch liegen und die FIS sich jetzt einfach abputzt", meinte der 27-Jährige unter Bezug auf das medizinische Gutachten.

In einem Schreiben vom 21. November hatte die Betriebs-Haftpflichtversicherung der FIS erklärt, es lägen "keine haftungsbegründenden Sachverhaltselemente vor, welche einen Schadenersatzanspruch gegenüber der FIS erkennen lassen". Die jeweiligen Veranstalter von Weltcup-Rennen hätten "die volle Verantwortung für die geeignete Organisation und Durchführung der Rennen am Rahmen der anwendbaren FIS-Regeln" zu tragen. Sie und nicht die FIS wären damit für die Bereitstellung eines Rettungsdienstes verantwortlich.

Handlungsbedarf bei Sicherheitsvorkehrungen
Lanzinger ortete grundsätzlich auch Handlungsbedarf, was die Sicherheitsvorkehrungen der FIS betrifft. Ein ordentlich ausgebildeter Rettungsdienst und für den Notfall geschulte Ärzte müssten bei den Rennen gewährleistet sein. In diesem Bereich gebe es aber nach wie vor Defizite. "Die Ärzte vor Ort sind leider oft überfordert", sagte Lanzinger. Die FIS handle "immer nur nach schlimmen Geschehnissen, wenn Missstände auffliegen", kritisierte der Salzburger.

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