Mi, 22. November 2017

Russland - Spanien

27.06.2008 15:41

Arschawin: „Ein einziger Fehler kann entscheiden“

Vor dem Flug des russischen Teams von Basel nach Wien, wo das Halbfinale gegen Spanien steigt, hat der bisher überragende "Sbornaja"-Spielmacher Andrej Arschawin der UEFA ein Interview gegeben, in dem er über das bevorstehende Spiel, Guus Hiddink, die EURO und seine weiteren Pläne spricht. Hier die deutsche Übersetzung:

Russland hat sein erstes Spiel bei dieser EM gegen Spanien 1:4 verloren. Hegen Sie Revanchegedanken?
Arschawin: "Nein, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich an diesem Spiel wegen meiner Sperre nicht teilgenommen habe. Für mich ist das erste Spiel bedeutungslos. Das ist jetzt ein Semifinale, das durch einen einzigen Fehler entschieden werden kann."

Was hat Russland im ersten Spiel falsch gemacht?
Arschawin: "Wir haben taktische und individuelle Fehler begangen. Wenn man einem Stürmer wie David Villa oder Fernando Torres nur den Funken einer Chance lässt, dann bekommt man Probleme. Diese Burschen können einen Verteidiger in einer Eins-gegen-Eins-Situation locker ausspielen und ein Tor schießen. Und das ist genau das, was sie getan haben."

Was kann man von Russland nun im zweiten Spiel gegen Spanien erwarten?
Arschawin: "Russland wird so wie immer spielen. Wir spielen keinen defensiven Fußball, wir greifen lieber an. Aber es hängt nicht alleine von uns ab, man muss abwarten, wie die Spanier agieren. Vielleicht ist es für uns ein Nachteil, dass wir so offensiv spielen, weil unser Gegner das Konterspiel beherrscht und sehr schnelle Spieler hat. Aber wir sollten trotzdem unseren Stil durchziehen und uns nicht an den Gegner anpassen."

Sie wurden im letzten Qualifikationsspiel gegen Andorra ausgeschlossen und deshalb für die ersten beiden EM-Spiele gesperrt. Mit welchen Gefühlen sind Sie nach Österreich gekommen?
Arschawin: "Ich bin hierhergekommen in der Hoffnung, dass ich eine Chance bekomme, bei diesem großen Turnier zu spielen. Ich war ja noch nie bei einem Ereignis dieser Größe dabei. Wir hatten einige sehr harte Trainingseinheiten, und es war sehr schwierig für mich, so viel zu trainieren und gleichzeitig zu wissen, dass ich nicht spielen werde. Das war ein ungewöhnliches Gefühl. Deshalb bin ich so glücklich, dass Guus Hiddink mich trotz meiner Sperre mitgenommen hat und es mir ermöglichte, an diesem Turnier teilzunehmen."

Haben Sie ihre großartigen Leistungen gegen Schweden und die Niederlande erwartet?
Arschawin: "Ich habe so oft schon viel bessere Spiele abgeliefert. Das Wichtigste ist, dass unsere Mannschaft gewinnt. Ich mache auch nichts Außergewöhnliches. Manchmal erziele ich Tore, manchmal gebe ich den entscheidenden Pass. Nur wenn dir so etwas in einem so großen Turnier wie der WM oder EM gelingt, dann erhältst du aufgrund des riesigen öffentlichen Interesses viel mehr Aufmerksamkeit."

Abgesehen von Ihnen selbst, welche russischen Spieler haben Sie hier bisher beeindruckt?
Arschawin: "Mit Pawel Pogrebnjak (wegen Verletzung aus dem EM-Kader entlassen) und Igor Denisow (schlug eine EM-Nominierung aus) wären wir viel stärker. Diese Namen sollte man sich merken, obwohl ich glaube, dass sie ohnehin schon geläufig sind, weil sie Zenit St. Petersburg geholfen haben, den UEFA-Cup zu gewinnen. Wer mir hier gefällt? Juri Schirkow und Igor Akinfejew spielen gut, und Roman Pawljutschenko schießt Tore, aus diesem Grund stehen sie ein bisschen über den anderen."

Sie haben gesagt, dass Sie Zenit verlassen möchten. Für welchen Club würden Sie am liebsten spielen?
Arschawin: "Ich war schon immer ein Anhänger des FC Barcelona, mein ganzes Leben lang. Barcelona ist mein Traum. Ich hätte mir nie gedacht, dass ich einmal eine echte Chance haben könnte, für diesen Club zu spielen. Warten wir ab, wie sich die Situation entwickelt. Im Moment kann ich nichts Konkretes dazu sagen. Derzeit bin ich hier für Russland und konzentriere mich ganz darauf, im Semifinale gut zu spielen."

Wie wichtig ist Teamchef Guus Hiddink für den Erfolg Russlands?
Arschawin: "Als er vor zwei Jahren zu uns kam, war das die wichtigste Entscheidung, die unser Verbandspräsident getroffen hat. Jeder in Russland beneidet Hiddink, weil er so viel Geld bekommt und über so viel Macht verfügt. Aber für ihn ist dieser Job viel schwieriger, als viele glauben. Das ist ein ganz großes Ereignis für uns Spieler. Er hat uns mehr Freiheiten gegeben, er glaubt an uns, er vertraut uns, und das ist der Grund dafür, dass wir besser spielen. Ich bin sehr glücklich, dass ich mit einem der besten Trainer der Welt arbeiten darf. Ein Teil seines Teams zu sein, ist ein echter Genuss."

Wenn Ihnen jemand vor dem Turnier gesagt hätte, Russland wird drei Spiele en suite gewinnen und die Gegner ausspielen, hätten Sie das geglaubt?
Arschawin: "Ganz ehrlich, ich hätte das nicht geglaubt. Ich kann ja nicht behaupten, dass wir in den Vorbereitungsspielen guten Fußball gespielt haben, aber die Dinge ändern sich schnell im Leben. Jetzt, da wir die Niederlande geschlagen haben, die wohl stärkste Mannschaft im Turnier, ist es ja nur normal, dass wir zuversichtlicher sind."

Wie schlimm sind die Ausfälle von Denis Kolodin und Dmitri Torbinski, die wegen Gelbsperren im Semifinale fehlen?
Arschawin: "Jeder Spieler, vor allem wenn man so weit gekommen ist, ist ein großer Verlust für uns, aber ich hoffe, dass jene Spieler, die sie ersetzen, ihre Sache gut machen werden. Ich habe ja auch im UEFA-Cup-Semifinal-Rückspiel gegen Bayern München nicht gespielt, und jeder hat gemeint, dass das ein großer Verlust wäre, doch Zenit hat trotzdem 4:0 gewonnen. Man kann also immer einen Spieler ersetzen. Natürlich sind einige besser als andere, aber ich glaube nicht, dass wir deswegen heulen müssen. Wir müssen uns jetzt mit den Spielern vorbereiten, die wir haben."

Fühlen Sie sich als Führungsspieler?
Arschawin: "Ich denke nie an solche Bezeichnungen, egal ob ich nun ein Führungsspieler bin oder nicht. Wenn ich meinen Teamkollegen helfen kann, helfe ich auch mir selbst. Wenn sich meine Mitspieler so bewegen, wie ich will, dann wird es auch für mich einfacher. Ich mache das aber nicht, um zu zeigen, dass ich ein Führungsspieler bin, sondern um dafür zu sorgen, dass wir schneller zum Erfolg kommen."

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