Di, 12. Dezember 2017

"Steinzeit-Taktik"

13.06.2008 11:27

Deutsche Medien spotten über Rehhagels Taktik

Das Denkmal des griechischen Trainer-Gottes Otto Rehhagel hat Risse bekommen. Der Coach des Titelverteidigers sei über die deutschen Reaktionen nach dem 0:2 gegen Schweden bei der Fußball-EM in Österreich und der Schweiz regelrecht verbittert, berichtete die griechische Zeitung "Ta Nea" am Donnerstag. Die deutschen Medien sind nämlich mit der Angsthasen-Taktik des früheren Bundesliga-Trainers noch heftiger ins Gericht gegangen als die ohnehin schon extrem kritische Presse im Land des Europameisters. Von "Mauer-" und "Steinzeit-Taktik" war die Rede.

Dort wird vor der zweiten und möglicherweise bereits entscheidenden Partie des Titelverteidigers in der Gruppe D am Samstagabend gegen Russland sowohl über die angebliche Müdigkeit gegen Schweden als auch über taktische Veränderungen gerätselt. Rehhagel wird sich erst am Freitagnachmittag bei der Abschluss-Pressekonferenz wieder äußern, aber kaum verraten, ob er nach der missglückten Variante mit fünf Verteidigern wieder auf das zuletzt meist gespielte 4-3-3-System umstellt.

Eine andere Alternative hat der bald 70-Jährige nicht, denn es ist nicht anzunehmen, dass Russlands Jungteam noch einmal so dumme Fehler wie beim 1:4 gegen das spanische Star-Ensemble macht und sich vier Konter-Tore einfängt. Denn auch für die Mannschaft von Trainerfuchs Guus Hiddink heißt es: Siegen oder fliegen! Die Griechen müssen gegen einen ihrer Angstgegner also offensiver agieren, auch wenn Rehhagel meinte: "Natürlich möchten wir auch immer Tore erzielen, aber wir haben nicht so ein Offensivpotenzial, wie es Deutschland hat."

Doch zumindest der Versuch tut Not, obwohl bei der EM-Generalprobe gegen "Jausengegner" Armenien auch mit drei Angreifern nur ein mageres 0:0 herausschaute. Die wahrscheinlichste Dreier-Variante im Sturm wäre das  Bundesliga-Trio Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg), Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen) und Ioannis Amanatidis (Eintracht Frankfurt), der in der Startelf gegen Schweden für einen zusätzlichen Abwehrspieler geopfert worden und erst unmittelbar nach dem 0:1 für die letzten 20 Minuten zum Einsatz gekommen war.

Amanatidis kritisiert Rehhagel
Amanatidis hatte es nach dem Match allerdings gewagt, offen Kritik an der Spielweise der Griechen zu üben, fürchtet aber trotzdem keine Disziplinarmaßnahmen. "Wir hatten die zusätzliche Anspielstation hinten und nicht im Mittelfeld. Das hat es erschwert, nach vorn zu kommen", erklärte der Frankfurt-Kapitän. Die hohen Bälle nach vorne, davon viele auf Charisteas, hätten nichts gebracht. Wenn der Ball überhaupt verlängert wurde, sei er danach verloren gegangen, weil niemand zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sei. Das lag auch daran, dass Rehhagel praktisch ohne Mittelfeld agierte.

"Wir hatten keine Kontrolle über das Spiel, unsere Pässe waren schlecht", sagte der einstige Bundesliga-Torschützenkönig Gekas, der zweikampfschwach wirkte und sich für einen Einsatz gegen Russland nicht aufdrängte. Charisteas bleibt dagegen gesetzt. Der EM-Held von 2004 könnte von der rechten Seite anstelle von Gekas in die Mitte rücken.

Auch Charisteas ist aber klar, dass am Samstag schon ein Endspiel ansteht. "Wir müssen versuchen, anders zu spielen und unser Bestes zu geben", meinte der 28-Jährige. Allerdings: Der letzte Sieg gegen Russland liegt fast 15 Jahre zurück, vor vier Jahren gab es auf dem Weg zum Titel die einzige Niederlage mit 1:2 gegen die "Sbornaja", deren schnörkellose, schnelle Spielweise dem Hellas-Team überhaupt nicht behagt.

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