18.04.2008 10:51 |

Bedenklich

Biosprit schädigt das Klima

Die Verwendung von Biotreibstoffen kann für das Klima schädlicher sein als die Nutzung herkömmlicher fossiler Brennstoffe. So macht alleine die Freisetzung des Treibhausgases Lachgas (N2O) aus landwirtschaftlich genutzten Böden die Einsparung an fossilem CO2 zunichte. Das geht aus einer Studie des österreichischen Wissenschaftlers Wilfried Winiwarter hervor, die am Freitag bei einer parlamentarischen Enquete zum Thema "Biotreibstoffe" präsentiert wurde.

Gemeinhin geht man davon aus, dass Biotreibstoffe eine ausgeglichene Treibhausgas-Bilanz haben, dass also die dafür notwendigen Pflanzen soviel Treibhausgase aufnehmen wie bei der Verbrennung freigesetzt werden. "Dabei hat man aber alle möglichen Nebeneffekte zu berücksichtigen", erklärte Winiwarter, der am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg und an den Austrian Research Centers (ARC) in Seibersdorf arbeitet.

Er hat mit Crutzen und Kollegen einen solchen Nebeneffekt betrachtet: das als Konsequenz des Anbaus von Pflanzen für Biosprit entstehende Lachgas, das als Treibhausgas immerhin 300 Mal so wirksam ist wie CO2. "Und dieser Effekt ist weitaus höher als man bisher gerechnet hat", so der Wissenschafter, der erstmals die Lachgas-Emissionen aus der Konzentration in der Atmosphäre rückgerechnet und nicht wie bisher auf landwirtschaftlichen Feldern gemessen hat.

Lachgas entsteht grundsätzlich in Böden bei Vorhandensein von Stickstoff durch mikrobielle Aktivitäten. "Bei jeder landwirtschaftlichen Produktion gibt es durch Düngung zusätzlichen Stickstoff, der von Bodenbakterien umgewandelt wird, wobei als Nebenprodukt Lachgas entsteht, das in die Atmosphäre entweicht", sagte Winiwarter. Doch der Stickstoff kann, etwa durch Auswaschung, auch außerhalb der gedüngten Felder weiter Lachgas bilden - ein Effekt, der bisher oft vernachlässigt wurde. Laut der im Fachjournal "Atmospheric Chemistry and Physics" veröffentlichten Arbeit wird dadurch drei bis fünf Mal so viel Lachgas freigesetzt wie direkt am Feld entsteht.

Die Klimabilanz des Biosprits verschlechtert sich durch diese Neuberechnung dramatisch: Biodiesel aus Raps ist bis zu 1,7-mal klimaschädlicher als normaler Treibstoff, Bioethanol aus Mais bis zu 1,5-mal. Nur Zuckerrohr als Biosprit-Rohstoff kommt aufgrund der geringen Düngung günstiger weg. Der für die Produktion von Düngemittel notwendige Stickstoff wird aus der Atmosphäre gewonnen. Laut Winiwarter werden drei bis fünf Prozent des so fixierten Stickstoffs in Lachgas umgewandelt.

Für Winiwarter kann Biomasse als Energieträger durchaus interessant sein, aber nicht als Biosprit-Zumischung zu fossilen Treibstoffen. Nicht nur wegen der hohen Lachgas-Emission, sondern auch wegen der "hohen Material- und Energieverluste im Produktionsprozess". Aufgrund der Lachgas-Emissionen glaubt Winiwarter auch nicht, dass Biosprit aus Raps oder Mais die in Ausarbeitung befindliche EU-Richtlinie erfüllen könnten, wonach Biotreibstoffe nur als solche anerkannt werden, wenn sie gegenüber fossilen Kraftstoffen eine Einsparung an Treibhausgasen von mindestens 35 Prozent erzielen. Dies könnte nur Biosprit der zweiten Generation, also aus zellulosehaltigen Rohstoffen wie Holz oder Gräser, erreichen, weil diese mit geringer Stickstoff-Düngung auskommen. Allerdings müsse man dabei auch die Beschränktheit von Ressourcen berücksichtigen.

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