Mi, 22. August 2018

"Echte Arbeit"

04.01.2018 16:36

Caritas-Werkstatt mit Perspektive für Suchtkranke

Versteckt in einem Hinterhof in der Innsbrucker Kaiser-Josef Straße liegt die Kreativwerkstatt "Abrakadabra" der Caritas. Dort wird noch von Hand gewebt, aus Paletten werden Tische und Bänke gebaut, Plastiksäcke und Fahrradschläuche bekommen ein neues Leben als Handtaschen, aus Perspektivlosigkeit wird Sinn.

Die fleißigen Hände, die über den großen Webstuhl sausen, stammen von suchtkranken Menschen. Drei Personen stehen nebeneinander abgestimmt auf dem Webstuhl, vor allem aber aufeinander. Denn alle drei müssen alle Bewegungen gleichzeitig ausführen, damit aus einzelnen Fäden Teppiche werden. Wer sich am Webstuhl versuchen will, muss sich für ein paar Tage verpflichten - wechselnde Besetzung wäre später auf dem Teppich sichtbar.

Komme, wer will & kann

Für alle anderen Arbeitsbereiche gilt das nicht: Dort kommt, wer will und kann. Niemand ist verpflichtet. Die Einrichtung ist niederschwellig, soll Struktur, Arbeit und Sinn geben - aber eben nur so viel, wie für jeden möglich ist. Die Versand-Aufträge stammen aber alle von Kunden aus der Privatwirtschaft und werden eifrig etikettiert, sortiert und kuvertiert. In der Werkstatt werden Möbel gebaut. Für jeden Auftrag gibt es Deadlines und Ziele - Arbeit statt Beschäftigungstherapie.

Das "Abrakadabra" ist ein sozialökonomischer Betrieb und eine Reha-Einrichtung, die sich natürlich in einigen Punkten von der freien Wirtschaft unterscheidet, am Ende aber muss in allen Fällen was erwirtschaftet werden. Deshalb müssen die Menschen, die kommen, auch "arbeitsfähig und arbeitswillig" sein.

Die Mitarbeiter sind nicht "clean", müssen aber während der Arbeitszeiten in der Lage sein, etwas zu leisten. Jeglicher Konsum von Alkohol oder Drogen ist in der Kreativwerkstatt verboten. Bis zu 17 Personen finden im "Abrakadabra" täglich einen Arbeitsplatz.

Wertschätzung

"Man begegnet sich hier auf Augenhöhe", erklärt Carmen Nagele, die seit knapp 14 Jahren das Zepter im "Abrakadabra" schwingt. "Die Klienten stecken alle noch in ihrer Suchterkrankung, aber wir behandeln uns gegenseitig mit Wertschätzung und Respekt. Denn: Jeder einzelne ist wichtig. Ansonsten können wir unsere Aufträge nicht stemmen", erklärt Nagele. Planung sei natürlich manchmal schwierig, weil man ja nie wisse, wie viele arbeitswillige Menschen am nächsten Tag kommen, aber "dann setzen wir uns eben mit in einen Bereich, wenn Leute fehlen." Manchmal müsse man aber auch welche verschicken - mehr als 17 Arbeitsplätze gibt es nicht.

Produkte mit Sinn

Rund 260 Aufträge wurden vergangenes Jahr erfüllt und insgesamt 51 Kunden von 54 Klienten glücklich gemacht. Das "Abrakadabra" macht dreifach Sinn: Für die Menschen, die dort wieder Perspektiven finden. Für Kunden, die sich über neue Produkte freuen. Und für die Umwelt, der das Recycling gut tut.

Anna Haselwanter, Kronen Zeitung

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