Nach Rettung

Vietnamesische Bärin kann ohne Vorderpfoten laufen

Es grenzt fast an ein Wunder: Die von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" gerettete Asiatische Schwarzbärin "Hai Chan" kann trotz fehlender Vorderpfoten laufen und genießt ihr neues Leben im Bärenwald in Ninh Binh. Bis November musste der Vierbeiner noch ein Leben als Gallebärin in einem winzigen Käfig fristen - die "Krone Tierecke" hatte sie vor Ort besucht.

Nachdem Tierärzte und Tierpfleger die leidgeprüfte und völlig geschwächte Bärin sechs Wochen lang in der Quarantänestation und im Bärenhaus des neuen Bärenschutzzentrums liebevoll aufgepäppelt hatten, durfte diese nun endlich einen Rundgang durch ihr großes, naturnahes Freigehege wagen.

"Der Moment, als die Türen zum Gehege aufgingen und 'Hai Chan' ihre Nase aus dem Bärenhaus steckte, war für unser gesamtes Team sehr berührend", sagt Szilvia Kalogeropoulu, Tierärztin bei den "Vier Pfoten". "Zum ersten Mal in ihrem Leben konnte die Bärin auf Gras laufen. Wir sind so froh darüber, dass 'Hai Chan' sich so schnell an ihre neue Umgebung gewöhnt hat und laufen kann. Sie bewegt sich auf ihren Unterarmen, und sie hat sogar damit begonnen, auf ihren Armstümpfen zu laufen. Wir waren immer zuversichtlich, dass sie trotz Behinderung fähig sein würde zu laufen. Aber dass sie so schnell die dafür nötige Kraft aufbaut, das grenzt an ein Wunder."

Das gesamte "Vier Pfoten"-Team ist überrascht, wie gut sich "Hai Chan" jetzt schon physisch und psychisch von ihrer furchtbaren Vergangenheit erholt hat.  "Schon vom ersten Tag an konnten wir eine Verhaltensänderung an ihr beobachten: Sie hat sich von einer lethargisch und uninteressiert auf dem Boden ihres Käfig liegenden zu einer neugierigen und fröhlichen Bärin entwickelt. Sie ist glücklich und entspannt im Umgang mit den Tierpflegern. Sie mag es gemütlich und baut sich gerne ein Nest, in dem sie tagsüber schläft. Und sie liebt Spielzeug, in dem Futter versteckt ist, besonders Wasserspinat und Äpfel", so Szilvia Kalogeropoulu.

Hoffnung auf erfolgreiche Vergesellschaftung
Im Bärenhaus hat "Hai Chan" eine eigene, speziell für sie gebaute tiefe Hängematte, da sie nicht so hoch springen kann wie die anderen Bären. Außerdem hat sie extra viel Stroh auf dem Boden, damit sie weichen Untergrund zum Laufen hat, und ihr Spielzeug hängt tiefer. Abgesehen davon führt sie ein ganz normales glückliches Bärenleben. Sie kann mit ihren Armstümpfen problemlos Futter halten und sich ein Nest bauen. In Kürze will das "Vier Pfoten"-Team versuchen, sie mit "Thai Van" und "Thai Giang" zu vergesellschaften. Die Tierschützer hatten die beiden ehemaligen Gallebären am gleichen Tag wie "Hai Chan" aus einer Gallebärenfarm befreit und in den Bärenwald gebracht.

Die "Krone Tierecke" war mit den "Vier Pfoten" in Vietnam vor Ort - lesen Sie mehr dazu hier!

"Hai Chans" traurige Vergangenheit
Der Vierbeiner musste bis vor seiner Rettung den Großteil seines Lebens qualvoll in einem winzigen Metallkäfig auf einer vietnamesischen Gallebärenfarm vegetieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden der Bärin beide Vorderpfoten amputiert und zur Produktion von Bärentatzenwein verwendet. Nicht nur die miserablen Haltungsbedingungen, sondern auch die mangelhafte Ernährung und die schmerzhafte Prozedur des Gallesaft-Abzapfens hatten der Bärin stark zugesetzt.

Das Geschäft mit dem Gallensaft
Bärengalle gilt seit mehreren tausend Jahren als Heilmittel in der traditionellen chinesischen Medizin und ist bis heute ein begehrtes Produkt in vielen asiatischen Ländern. Obwohl in Vietnam Verkauf und Konsum von Bärengalle verboten ist, leiden dort noch immer geschätzt 1.300 Tiere auf rund 400 Bärenfarmen, und der illegale Handel mit Bärengalle auf Vietnams Straßen, in TCM-Shops, auf Gallebärenfarmen und im Internet blüht. Durch das regelmäßige brutale Abzapfen von  Gallensaft und bedingt durch die fehlende medizinische Versorgung leiden die Bären an verschiedensten Erkrankungen wie Infektionen, Abszessen, Blutvergiftung und Leberkrebs. Die extrem schlechten Haltungsbedingungen auf den Bärenfarmen führen außerdem zu massiven Verhaltensstörungen wie Selbstverstümmelung.

Gemeinsamer Einsatz gegen Tierleid
Im Jahr 2005 startete die vietnamesische Regierung eine Kampagne mit dem Ziel, Bärenfarmen flächendeckend zu schließen. Alle in Gefangenschaft lebenden Bären wurden mit Mikrochips versehen und registriert. Damit wollte man sicherstellen, dass keine neuen Bären mehr auf den Farmen aufgenommen werden. Die "Vier Pfoten" unterstützen dieses Vorhaben durch gemeinsam durchgeführte Rettungsmissionen und eine internationale Kampagne. Tierfreunde weltweit können eine Petition unterschreiben, die die vietnamesische Regierung ermutigen soll, alles Nötige zu tun, um Bärenfarmen endgültig zu beenden. Knapp 600.000 Unterschriften wurden bereits gesammelt.

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