29.04.2017 08:00 |

Besser als Samsung?

LG G6: Langer Koreaner im Alu-Chassis am Prüfstand

Die koreanischen Hersteller wagen mit ihren Oberklasse-Smartphones heuer ein Experiment und verbauen längliche Displays, die durch ihr unkonventionelles Format mehr Bildfläche bei etwas handlicheren Abmessungen garantieren sollen. Wie gut LG das in seinem neuen Top-Smartphone G6 mit 18:9-Bildschirm umgesetzt hat, klärt unser Test.

LG hat sein G6 nicht ganz so sehr in die Länge gezogen wie Samsung sein Galaxy S8, erreicht mit dem Wechsel beim Bildschirmformat in Kombination mit besonders dünnen Rändern ums Display aber den gleichen Effekt: Trotz 5,7 Zoll Diagonale ist das G6 kaum breiter als konventionelle Smartphones der Fünf-Zoll-Klasse. Dafür aber etwas länger.

Nicht jede App kommt sofort mit 18:9 zurecht
Wie auch bei Samsung hat das Vor- und Nachteile. Zwar unterstützen bereits viele Apps vom 16:9-Standard abweichende Displays und nutzen den gewonnenen Platz sinnvoll. Manch eine Anwendung kommt aber nicht mit dem neuen Format zurecht und verschenkt Platz im unteren Bildschirmbereich an leere Balken.

LG hat zwar ein Tool beigelegt, mit dem auch Apps skaliert werden können, die nicht mit 18:9 umgehen können. Eine Garantie, dass alle Apps mit dem neuen Format kompatibel sind, gibt es aber momentan nicht. Unserem Eindruck nach klappt es gerade mit Apps größerer Hersteller schon sehr gut, während Anwendungen kleinerer Entwickler oft ans 16:9-Format gebunden sind.

Das Bildformat birgt vor allem beim Lesen im Hochformat Vorteile, weil man hier schlicht ein paar Zeilen mehr Text am Bildschirm hat und nicht so häufig scrollen muss. Wer auf seinem Smartphone viele Videos anschaut, hat dagegen wenig davon. Die kommen meist im 16:9-Format, sind also für konventionelle Smartphones optimiert.

Sehr gutes Display, griffiger Rahmen
Während das neue Format seine Tücken hat, ist das Display des G6 abseits davon eine runde Sache. Es erreicht zwar nicht die Kontrastwerte eines AMOLED-Displays, erfreut aber mit einer natürlichen Farbdarstellung mit realistischen Farbverläufen, hoher maximaler Helligkeit und guter seitlicher Ablesbarkeit. Die Schärfe stimmt durch die hohe Auflösung sowieso.

Dass das Display des G6 nicht wie beim Rivalen Samsung über die Gerätekante gezogen wird, sorgt für einen griffigeren, dafür aber auch etwas dickeren Rahmen.

Was LG abseits des Displays noch im G6 verbaut hat, sehen Sie hier:

LG G6

CPU

Qualcomm Snapdragon 821: 2 x 2,35 + 2 x 1,6 GHz

RAM

4 GB

Diagonale

5,7 Zoll (IPS/HDR)

Auflösung

2880 x 1440 Pixel

Speicher

32 GB

microSD-Slot

bis 2 TB

Hauptkamera

Hauptkamera: 13 Megapixel (F/1.8)
Zweitkamera: 13 Megapixel (F/2.4) Weitwinkel
Optische Bildstabilisierung, Phase-Detection-Autofokus, Dual-LED-Blitz

Frontkamera

5 Megapixel (F/2.2)

Funk

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 4.2, NFC, GPS, GLONASS

Maße

149 x 72 x 7,9 Millimeter; 163 Gramm

Akku

3300 mAh

Extras

Wasserdichtes Alu-Chassis (IP68)
Fingerabdrucksensor
Infrarot
Schnellladefunktion

Software

Android 7

Preis

750 Euro

In puncto Rechenleistung muss sich das G6 dem Mitbewerb geschlagen geben. Der verbaute Snapdragon-821-Chip hat zwar mehr als genug Power für die alltägliche Android-Nutzung, im Benchmark-Vergleichstest "AnTuTu" erreicht er mit knapp über 140.000 Punkten aber nur die Leistung der Vorjahres-Elite. Samsungs Galaxy S8 kommt bereits auf rund 170.000 Punkte.

In der Praxis sind das aber nur Zahlenspielereien: Der Chip im G6 ist so schnell, dass man ihn im alltäglichen Gebrauch nicht ans Leistungslimit bringt, für Spiele ist ebenfalls genug Power da. Android läuft darauf sowieso ruckelfrei.

Doppelkamera hinterlässt praktischen Eindruck
Gut hat uns im Test die Doppelkamera des G6 gefallen. Wie im Vorgängergerät gibt es eine lichtstarke Primär- und eine Weitwinkel-Sekundärkamera. Zweitere ist immer dann von Vorteil, wenn man ein Motiv zur Gänze ablichten will, sich aber nicht unbegrenzt weit davon entfernen kann. Vor allem bei Tageslichtaufnahmen im Freien macht sich die Zweitkamera bezahlt, hier liefert sie scharfe und detailreiche Ergebnisse bei einem großen Bildausschnitt - wenn auch mit leichten Verzerrungen im Randbereich, wie man sie bei einer Fisheye-Optik aber auch erwarten muss.

Die Primärkamera ohne Weitwinkel-Optik überzeugt ebenfalls: Unter Tageslichtbedingungen sowieso, durch ihre F/1.8-Blende aber auch im Zwielicht. Hier kann sie es zwar nicht ganz mit der aktuell wohl besten Android-Smartphonekamera in Samsungs Galaxy S8 mit F/1.7-Blende aufnehmen, sie ist aber auch nicht viel schlechter.

Gut gefallen hat uns an der Kamera neben ihrer guten Schlechtlichtleistung die optische Bildstabilisierung, die bei Schnellschüssen Verwackler bis zu einem gewissen Grad verhindert und der im Vergleich zur koreanischen Konkurrenz minimal langsamere, aber immer noch sehr flotte Autofokus. Die Kamera-App macht einen aufgeräumten Eindruck. Die Frontkamera liefert solide Selfies, manch ein Rivale fährt hier aber schon lichtstärkere und höher auflösende Modelle auf.

Grundsolide Ausstattung, sinnvoll platzierter Fingerscanner
Die Ausstattung des G6 passt: Das Gerät schluckt große microSD-Speicherkarten, bietet aktuelle Funkstandards und wartet sogar mit einem wasserfesten Gehäuse auf. Der Infrarot-Port an der Geräteoberseite erlaubt die Nutzung als Universalfernbedienung, der zuverlässige Fingerscanner an der Rückseite ist gut zu ertasten und sinnvoll platziert.

Ein kleiner Kritikpunkt: Bei einem Preis von über 700 Euro hätte sich manch ein User möglicherweise 64 statt 32 Gigabyte internen Speicher gewünscht. Bietet die Konkurrenz immerhin auch an, ist durch den Speicherkartenslot aber kein Drama.

Sauber verarbeitetes Chassis aus Alu und Glas
Gut hat uns im Tch mit etwas größeren Spaltmaßen für Unmut sorgte, hat LG nun ein sauber verarbeitetes und hinreichend steifes Alu-Glas-Gehäuse in Stellung gebracht, dem man höchstens die bei unserem Testgerät etwas wabbeligen Lautstärkeregler ankreiden könnte. Mit dem neuen Gehäuse kommt freilich auch ein Nachteil: Im Gegensatz zu den Vorgängern ist der Akku beim G6 nicht mehr ohne weiteres austauschbar.

Der Akku ist kein Ausdauerwunder
Apropos Akku: Mit einer Ladung des 3300-mAh-Stromlieferanten kommt das G6 zwar durch den Tag, nächtliches Aufladen wird aber wohl nur ausgesprochen sparsamen Naturen erspart bleiben. Ein Laufzeitwunder ist das G6 damit nicht. Eine Schnellladefunktion sorgt bei Bedarf aber immerhin dafür, dass das Gerät schnell wieder Saft für ein paar Stunden hat.

Die Software beim LG G6 ähnelt jener des Vorgängers und kommt - dem Branchentrend folgend - ab Werk ohne App-Menü daher. Dadurch landet prinzipiell jede neue Anwendung am Startbildschirm, man darf das App-Menü aber nachträglich aktivieren. Auffällig ist, dass LG ebenso wie der koreanische Rivale Samsung relativ viel vorinstallierte Software mit Android 7 mitliefert, wodurch manches doppelt - in der LG- und in der Google-Variante - an Bord ist.

Fazit: Das LG G6 überzeugt mit seinem sehr guten Display, der praktischen Doppelkamera und viel Bildfläche bei griffigen Maßen. Leider verschenkt das Gerät mit seiner mittelmäßigen Akkulaufzeit und der durchschnittlichen Frontkamera Potenzial. In puncto Handling gefällt es uns besser als Samsungs Galaxy S8, am Ende hat der größere der beiden koreanischen Hightech-Giganten von der Hardware her aber die Nase vorn. Man müsste sich preislich schon tiefer unter dem Rivalen bewegen, um mit dem G6 eine echte Gefahr zu sein.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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