Radaranlagen gestört

Mega-Sonnensturm löste 1967 beinahe Atomkrieg aus

Wissenschaft
16.08.2016 06:18

Ein gewaltiger Sonnensturm hat Ende der 60er-Jahre beinahe einen Atomkrieg ausgelöst. Weil die bei der Mega-Eruption entstehenden Wolken aus Plasma am 23. Mai 1967 plötzlich und gleichzeitig drei US-Radaranlagen in Alaska, auf Grönland und in Großbritannien ausfallen ließen, glaubten US-Militärs an einen gezielten Störangriff der Sowjetunion und setzten mit Atomwaffen beladene Bomber in Alarmbereitschaft, wie jetzt eine Studie enthüllt hat.

Wie knapp die Welt damals an einer Katastrophe vorbeigeschrammt ist, haben Forscher der Universität von Colorado herausgefunden, als sie einen der stärksten Sonnenstürme des vergangenen Jahrhunderts (im Bild rot markiert) neu untersuchten und auch die Reaktionen auf der Erde auswerteten. Im Fachjournal "Space Weather" berichten sie, wie dramatisch die Situation vor knapp einem halben Jahrhundert tatsächlich war.

Aufnahme der Sonne vom 23. Mai 1967: Die hellen Flecken (rot markiert) zeigen Eruptionen. (Bild: NSO)
Aufnahme der Sonne vom 23. Mai 1967: Die hellen Flecken (rot markiert) zeigen Eruptionen.

USA befürchteten russischen Atomschlag
Das US-Militär hielt die Ausfälle der drei Raketen-Warnstationen für ein Störattacke, mit der die UdSSR einen bevorstehenden Atomangriff verschleiere. Die Leitung des Verteidigungskommandos NORAD alarmierte deshalb die Crews von mit Atomwaffen bestückten Bombern und versetzte weitere Bomberstaffeln in Bereitschaft. Quasi in letzter Sekunde konnten die Militärs davon überzeugt werden, dass ein massiver Sonnensturm und nicht die Russen für den Ausfall der Radaranlagen verantwortlich war. Die Flugzeuge blieben am Boden, die Weltöffentlichkeit erfuhr nichts von der höchst brenzligen Situation.

Luftaufnahme einer US-Radarstation in Anderson (Alaska) (Bild: U.S. Air Force)
Luftaufnahme einer US-Radarstation in Anderson (Alaska)

Für ihre Studie sprachen die Wissenschaftler mit einigen Ex-Offizieren der U.S. Air Force, die damals an den Schalthebeln des Nordamerikanischen Luft- und Weltraum-Verteidigungskommandos (NORAD) saßen und erstmals Einblicke in die Vorgänge vom 23. Mai 1967 gaben. "Das war eine ernste Situation", beschreibt Forscherin Dolores Knipp die Lage.

"Halbe Sonne wurde weggeblasen"
So erinnerte sich der pensionierte Oberst Arnold L. Snyder, dass er nach dem Ausfall der Radarstationen von den Kommandanten der Streitkräfte nach Sonnenaktivitäten gefragt worden war. Er habe aufgeregt geantwortet, "ja, die halbe Sonne wurde gerade weggeblasen", so Snyder, der erkannte, dass die Frühwarnstationen der Sonne zugewandt waren, als sie ausfielen.

(Bild: U.S. Air Force)

Trotz der begrenzten Daten sei es Sonnenforschern um Snyder schließlich gelungen, die Entscheidungsträger des NORAD davon zu überzeugen, dass der Sonnensturm und nicht die Russen für die Störungen der Radaranlagen verantwortlich waren, so Knipp. Dokumente würden sogar nahelegen, dass sich die Wissenschaftler damals an das Pentagon und US-Präsident Lyndon B. Johnson gewandt haben und so ein möglicher Atomkrieg gestoppt wurde, berichtet die Forscherin.

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