18.08.2006 10:39 |

Flughafen-Sicherheit

Röntgen zieht Passagiere aus

Nach den vereitelten Terroranschlägen auf Flugzeuge in Großbritannien fahren die Flughäfen vielerorts neue, schwere Sicherheitsgeschütze auf: Am Londoner Heathrow-Airport wird erstmals in Europa eine neue Art Röntgengerät eingesetzt, die den Passagieren am Bildschirm förmlich die Kleidung vom Leib reißt! Mit einer neuen Forderung glänzt auch die US-Regierung: Sie will in Zukunft die übliche Liste mit den Namen aller Passagieren an Bord eines ankommenden Fliegers, noch bevor dieser überhaupt gestartet ist.

So weit ist man in Heathrow noch nicht. Aber die neuen Apparate, mit denen man schon seit ein paar Wochen – bisher allerdings auf freiwilliger Basis – Passagiere kontrolliert, sind einzigartig in Europa. In den USA laufen schon mehrere solcher Maschinen.

Indiskrete Untersuchungsmethode
Der Apparat durchleuchtet die Kleidung und zeigt die Personen, wie sie nackt aussehen würden. Das Flughafenpersonal sieht die Menschen auf dem Bildschirm (am Foto sieht man einen Prototyp der Maschine) fast so, wie Gott sie schuf. Argumentiert wird diese doch eher indiskrete Untersuchungsmethode mit der erhöhten Sicherheit. Kritiker merken allerdings an, dass die Geräte nicht so viel zur Sicherheit beitragen, wie behauptet wird.

Nackt-Röntgen unwirksam gegen neue Terror-Pläne
Waffen und ähnliche gefährliche Gegenstände wie Messer und fester Sprengstoff können damit rasch entdeckt werden. Anders verhält es sich jedoch mit Flüssigkeiten, wenn sie zum Beispiel in Beuteln transportiert werden. Im Fall der geplanten Attentate auf die britischen Flieger von vor zwei Wochen hätten die Terroristen ihre Shampoo-Flaschen auch durch diesen Sicherheitscheck schmuggeln können. Auch Explosivstoffe in den Schuhen ließen sich an der Maschine vorbeischleusen, hieß es.

USA verlangen adminstrative Höchstleistung von Flughäfen
Jenen Kritikern werden auch die neuesten Sicherheits-Ideen der USA kaum gefallen, die verlangen nämlich administrative Höchstleistungen von Flughäfen: Die US-Regierung fordert in Zukunft von allen internationalen Flügen in die USA noch vor dem Start die Passagierlisten. Der amerikanische Heimatschutzminister will die Fluggesellschaften dazu verpflichten, die Listen vorab zur Verfügung zu stellen. Entsprechende Richtlinien könnten schon 2007 in Kraft treten.

AUA: Passagiere werden beim Check-In länger warten
Die AUA hält die Umsetzung der geplanten US-Direktive für „logistisch schwierig“. „Wenn die Anweisung wirklich kommt, dann muss man es auch umsetzen - aber die Flughafenlogistik und die Abläufe sollten berücksichtigt werden“, sagte AUA-Pressesprecherin Livia Dandrea am Donnerstag. Für den Kunden würde eine solche Regel vor allem längere Check-In-Zeiten bedeuten.

Derzeit werden die Passagierlisten erst übermittelt, wenn sich die Maschine in der Luft befindet. „Erst dann weiß man definitiv, wer auch wirklich im Flugzeug sitzt. In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass beispielsweise Leute nicht zum Abflug kommen oder in der Lounge sitzen und auf ihren Flug vergessen, obwohl sie bereits eingecheckt haben“, schildert Dandrea die Probleme.

EU und USA im Clinch über Datenaustausch
Schon bisher haben die US-Forderungen nach Fluggastdaten zur Terrorbekämpfung in Europa für Verärgerung unter Passagieren und Kritik von Datenschützern gesorgt. Erst Ende Mai hob der Europäische Gerichtshof ein Abkommen zwischen den USA und der EU auf, das den Austausch von  Datensätzen vorsah.

In der EU gibt es indes neue Überlegungen ein eigenes System zum Austausch von Passagierdaten bei internationalen Flügen von und nach Europa einzuführen. Die Kommission will bis Anfang nächsten Jahres einen konkreten Vorschlag vorlegen. Nackt-Röntgen-Fotos von Passagieren werden darin voraussichtlich keine Rolle spielen…