„Habe Sachen gefunden“
Plünderungen in Frankreich: Erste Urteile
Mit Eilverfahren will die französische Justiz nach den Gewaltexzessen und Plünderungen vom Wochenende ein eindeutiges Zeichen setzen.
Während viele Angeklagte mit Bewährungsstrafen davonkommen, müssen einige auch ins Gefängnis. Ob die Strafen abschreckend wirken, bleibt fraglich. Denn einige Angeklagte verließen nach den Urteilen lächelnd den Gerichtssaal.
In Paris, Lyon und Marseille wurden zahlreiche Beschuldigte in beschleunigten Verfahren vor Gericht gestellt. Allein in Paris kamen am Dienstag rund 70 Fälle auf den Tisch. Die Bilanz fiel unterschiedlich aus: Während viele Angeklagte Bewährungsstrafen erhielten, wurden andere zu unbedingter Haft verurteilt. In Lyon etwa fassten mehrere Beschuldigte Haftstrafen zwischen vier und zehn Monaten aus. Ein 20-Jähriger, der mit einer Tasche voller Kleidung aus einem zuvor geplünderten Zara-Geschäft erwischt worden war, muss sogar ein Jahr ins Gefängnis. Nachrichten auf seinem Handy deuteten darauf hin, dass er Diebesgut verkaufen wollte. Bei anderen Angeklagten verhängten die Richter zusätzlich Aufenthaltsverbote.
Immer wieder behaupteten Angeklagte, sie hätten die Waren nicht selbst gestohlen, sondern lediglich auf der Straße gefunden. In Paris waren vier junge Männer festgenommen worden, als sie Kosmetikartikel in ein Auto luden. Weil ihnen nicht nachgewiesen werden konnte, dass sie das Geschäft geplündert oder überhaupt betreten hatten, sprach das Gericht zwei von ihnen frei. Die beiden anderen erhielten jeweils sechs Monate Haft auf Bewährung.
Urteile sorgen für Diskussionen
Auch ein 23-Jähriger, bei dem mehrere Smartphones gefunden wurden, kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Die Urteile sorgen für Diskussionen: Während die Regierung Härte gegen Plünderer fordert, verweisen Beobachter auf teilweise dünne Beweislagen und die schwierige Aufarbeitung der zahlreichen Fälle.
Besonders aufsehenerregend verliefen die Schnellverfahren in Marseille. Dort sprach Staatsanwalt Nicolas Bessone von „bestialischen Plünderungen“ und machte damit das Ausmaß der Verwüstung zum Thema. Die Anklagefälle drehten sich überwiegend um Diebstahl und den Besitz mutmaßlich gestohlener Waren. Doch nicht alle Verfahren endeten mit einer Verurteilung. Wie die „Welt“ berichtet, kam ein Mann, der angegeben hatte, Videos der Plünderungen für TikTok aufzunehmen, mit einem Freispruch davon. Bei einzelnen Entscheidungen reagierten Angeklagte und ihre Begleiter offenbar mit Jubel. Manche verließen den Gerichtssaal lachend. Die Szenen stehen in starkem Kontrast zu den Bildern verwüsteter Geschäfte und den Schäden, die Händler nach den Ausschreitungen zu bewältigen haben.

Rathaus abgefackelt: Verdächtiger gefasst
Großes Aufsehen hatte auch die Brandschatzung des Rathauses von Limoges erregt. Medienberichten zufolge ist nun ein mutmaßlich an der Brandstiftung beteiligter Mann in einem Ort nahe Limoges gefasst worden. Demnach handelt es sich um einen polizeibekannten 40 Jahre alten Linksextremisten, der von den Behörden als sicherheitsrelevant erfasst ist.
Nach Informationen des Senders RTL ist der Verdächtige den Ermittlern bereits wegen Gewalt gegen Amtsträger bekannt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude war am Samstag von Randalierern angezündet und schwer beschädigt worden.

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