Neues Hauptquartier

Interpol rüstet im Kampf gegen Cybercrime auf

Digital
18.02.2026 11:40
Porträt von krone.at
Von krone.at

Von perfekt formulierten Phishing-Mails bis hin zu täuschend echt wirkenden Videos von Regierungsvertretern – die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz durch kriminelle Banden bereitet Ermittlern in aller Welt Kopfzerbrechen. Das Interpol-Hauptquartier für die Bekämpfung von Cybercrime in Singapur arbeitet daher unter Hochdruck. 

Sein Chef Neal Jetton sieht in dem „Einsatz von KI als Waffe durch Cyberkriminelle“ die „größte Bedrohung“ überhaupt. „Sie nutzen sie, wo immer sie können“, sagte Jetton unlängst über die Künstliche Intelligenz in einem Interview. Unter der Leitung von Jetton, der vom Secret Service der USA zur Interpol-Zentrale in Singapur entsandt wurde, durchkämmen dort Spezialisten riesige Datenmengen mit dem Ziel, Erpressung mit Schadsoftware oder Betrug durch das Vorspielen einer anderen Person zu verhindern.

  Jetton bereitet die „schiere Menge“ der weltweiten Cyber-Attacken Sorge. „Es wird sich immer weiter ausdehnen und deswegen muss man die Menschen warnen“, sagt er.

Alle sind potenzielle Opfer
Mithilfe von KI nutzen Verbrecher die Stimme und die Züge bekannter Menschen, um ihre ahnungslosen Opfer zu Überweisungen zu bewegen. Die Fallstricke der Betrüger sind durch die neue Technologie noch besser getarnt. Sogar Kriminelle ohne große Vorkenntnisse könnten sich sofort einsetzbare Programme für Hackerangriffe und Online-Betrügereien problemlos im Darknet besorgen, sagt Jetton. Praktisch jede und jeder mit einem Smartphone sei ein potenzielles Opfer.

Wegen solcher Methoden hat Interpol in der Nähe von Singapurs Botanischen Gärten seinen sogenannten Globalen Innovationskomplex eingerichtet. Nach dem Interpol-Sitz im französischen Lyon ist es das zweite Hauptquartier der internationalen Polizeiorganisation. In dem Gebäude in dem südostasiatischen Stadtstaat ist unter anderem das Cyberfusionszentrum untergebracht, über das die 196 Interpol-Mitgliedstaaten Informationen über Online-Gefahren austauschen.

  In einer anderen Abteilung werden neu aufkommende Bedrohungen im Internet untersucht, ein Labor für digitale Forensik wertet Daten aus Geräten wie Laptops und Smartphones, aber auch der Elektronik von Autos aus. Das Kommando- und Koordinationszentrum der Interpol-Zentrale in Singapur erinnert an ein Raumfahrt-Kontrollzentrum in Klein. Auf großen Bildschirmen werden die weltweiten Online-Aktivitäten in Echtzeit dargestellt.

Millionen Daten
Analysten durchforsten Millionen Daten – von Internetadressen über diverse Schadsoftware bis hin zu Hacker-Codenamen -, um Hinweise für laufende Ermittlungsverfahren zu finden. Christian Heggen, Koordinator der Einheit für Cyberinformationen, sagt, ihr Kampf richte sich gegen ein „riesiges Ökosystem von Cyber-Kriminellen“. Die Kriminellen seien bei der Nutzung moderner Technologien „ganz schön kreativ“.

„Es gibt einen ganzen Schwarzmarkt fürs Ausspionieren und den Verkauf gestohlener Daten, den Kauf und Verkauf von Schadsoftware“, so Heggen. „Wir müssen dieses Ökosystem erfassen.“

Blick ins „Cyberfusionszentrum“
Blick ins „Cyberfusionszentrum“(Bild: AFP/ROSLAN RAHMAN)

Kooperation zwischen Interpol und privaten Unternehmen
Um seine Fähigkeiten zu erweitern, arbeitet Interpol auch mit privaten Unternehmen in den Bereichen Finanzen, Cybersicherheit und Kryptowährung-Analyse zusammen. „Es ist immer ein Katz-und-Maus-Spiel, entwickelt sich ständig weiter“, sagt Interpol-Experte Heggen. Deswegen sei seine Abteilung so wichtig, weil sie „die neuesten Erkenntnisse und Informationen“ zu Cyberkriminalität zusammentrage.

  Vergangenes Jahr koordinierten die Interpol-Cybercrime-Experten den Einsatz „Operation Secure“ in Asien, bei dem 26 Länder gemeinsam gegen mehr als 20.000 kriminell genutzte IP-Adressen und Internet-Domains vorgingen. Aus Singapur wurde auch die „Operation Serengeti 2.0“ koordiniert, bei der mehr als 1200 mutmaßliche Cyberkriminelle festgenommen wurden, die fast 88.000 Menschen abgezockt haben sollen.

Mehr als 97 Millionen Dollar (rund 82 Millionen Euro) wurden bei der konzertierten Aktion beschlagnahmt und mehr als 11.000 kriminelle Internet-Strukturen zerstört. Außerdem hilft Interpol laut Jetton bei Ermittlungen gegen die berüchtigten Online-Betrugszentren in Südostasien.

Diskret bleiben
Die Arbeit von Jetton und seinen Kollegen steht allerdings selten im Licht der Öffentlichkeit. „Wir versuchen, so diskret wie möglich zu sein“, sagt einer der Analysten. Dass kaum etwas über die Interpol-Aktivitäten nach außen dringt, mache sie nicht weniger wichtig, betont er. „Wir liefern entscheidende Unterstützung für Einsätze und Ermittlungen in aller Welt.“

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