Derzeit beherrschen Betrugsvorwürfe den Skisprung-Sport. Der 26-jährige Österreicher Mika Vermeulen, Langläufer und selbst ehemaliger Athlet der Nordischen Kombination, packt nun brisante Details aus.
Vermeulen startete von 2013 bis 2018 im Skispringen und in der Nordischen Kombination, gewann mehrere Junioren-WM-Medaillen und packt nun aus. Im norwegischen Podcast „Skirious Problems“ schilderte der 26-Jährige, wie Athleten gezielt im Intimbereich schummeln. „Die Leute haben ständig betrogen. Sie stopften tonnenweise Plastilin in ihre Unterwäsche, um einen größeren Schritt zu erzielen“, sagte Vermeulen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ein größerer Schritt bedeutet mehr Stoff im Anzug und damit eine größere Tragfläche in der Luft.
„Penis mit Klebeband festkleben“
Dass Manipulationen an der Tagesordnung seien, sei ein offenes Geheimnis. „Als ich das erste Mal gemessen wurde, kamen ältere und erfahrenere Springer zu mir und sagten: Es ist extrem wichtig, dass du deinen Penis mit Klebeband festklebst, dann wird dein Schrittmaß ein oder zwei Zentimeter kleiner“, erinnert sich der Österreicher. Er betonte jedoch, dass es sich dabei um Athleten handle, die aktuell nicht mehr im Weltcup aktiv seien.
„Alle Disqualifizierten betrügen absichtlich“
Noch brisanter wurden Vermeulens Aussagen zur Gegenwart: „Ich kann mit hundertprozentiger Sicherheit sagen: Alle, die im Skispringen oder in der Nordischen Kombination disqualifiziert werden, betrügen absichtlich.“ Die Rechtfertigung sei immer dieselbe: Alle anderen machen es auch.
Vermeulen, der zur Saison 2018/19 komplett zum Langlauf wechselte, zieht einen klaren Vergleich: „Im Langlauf hält man sich an die Regeln. Im Skispringen geht man bewusst ein Risiko ein, bewegt sich permanent am Limit und findet das völlig in Ordnung.“ Genau das sei das Kernproblem, weshalb er deutlich härtere Strafen fordert.
„Gefährliche Kultur“
Zwar seien die Regeln verschärft und die Kontrollen intensiviert worden, doch das reiche nicht. Aktuell drohen nach zwei Vergehen lediglich Sperren für zwei Wettkämpfe. „So schafft man eine schlechte und gefährliche Kultur. Eine Kultur, in der es normal ist, ständig nach Schlupflöchern zu suchen“, kritisierte Vermeulen scharf.
Anzug-Skandale zuletzt an der Tagesordnung
Erst im Vorjahr flog das norwegische Team bei der WM mit manipulierten Anzügen auf, die Kontrollen wurden daraufhin verschärft. Auch bei der jüngsten Vierschanzentournee kam es mehrfach zu Disqualifikationen wegen regelwidriger Anzüge. Zusätzlich sorgte ein Bericht der „Bild“ für Aufsehen, wonach Springer durch Injektionen von Hyaluronsäure ihren Penis temporär vergrößern könnten, um bei der Messung einen Vorteil zu erlangen.
Fest steht: Die Diskussion um Betrug, Moral und Konsequenzen im Skispringen dürfte den Sport noch länger beschäftigen.
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