07.03.2014 10:14 |

Satoshi Nakamoto

Presse bläst zur Hexenjagd auf Bitcoin-Erfinder

Nach dem Zusammenbruch der Bitcoin-Börse MtGox und dem mutmaßlichen Suizid der 28-jährigen Betreiberin einer Bitcoin-Handelsplattform ist die digitale Währung in aller Munde. Das Interesse ist so groß, dass sich die US-Presse nun auf das letzte Geheimnis der Kryptowährung stürzt: ihren Erfinder. Lange wurde er hinter einem Pseudonym namens Satoshi Nakamoto vermutet, jetzt hat eine Reporterin des US-Magazin tatsächlich einen Mann mit diesem Namen ausfindig gemacht – und ihn gegen seinen Willen an die Öffentlichkeit gezerrt.
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Im US-Magazin "Newsweek" werden das Leben und die Vergangenheit des mutmaßlichen Bitcoin-Erfinders seziert. Satoshi Nakamoto, so heißt es in dem Artikel, sei gebürtiger Japaner, lebe jedoch schon seit seiner Kindheit in den Vereinigten Staaten.

Der 64-Jährige im Bild heiße jetzt nicht mehr Satoshi Nakamoto, sondern Dorian Prentice Satoshi Nakamoto – die Namensänderung dürfte mit ein Grund dafür sein, dass er nicht schon früher von der Presse aufgespürt wurde. Versucht hatten es Journalisten in den vergangenen Jahren immer wieder, im Zuge der aktuellen Bitcoin-Krise entbrannte zuletzt eine regelrechte Hexenjagd.

Der mutmaßliche Bitcoin-Erfinder sei studierter Physiker und lebe im kalifornischen Temple City, berichtet das Magazin. Selbst seine Vorliebe für Modelleisenbahnen sowie Fotos von seinem Haus und seinem Auto hat man publik gemacht. Gespräche mit Wegbegleitern und Verwandten Nakamotos lieferten weitere pikante Details über das Leben des Bitcoin-Erfinders.

Persönliche Infos im Netz gefährden Nakamoto
Im Netz stößt der Bericht über das Leben des Bitcoin-Erfinders auf teils harsche Kritik. Die verantwortliche Reporterin sei zu weit gegangen, als sie persönliche Details wie Bilder vom Haus Nakamotos veröffentlicht habe, zitiert das IT-Portal "Golem" aus einem Bitcoin-Forum.

So wäre es für Neider und Kriminelle ein Leichtes, Nakamoto, der ein Privatvermögen von einer Million Bitcoins (nach aktuellem Wechselkurs rund 475 Millionen Euro) besitzen soll, ausfindig zu machen.

Für Ungemach in der Bitcoin-Gemeinde sorgt auch die Vorgehensweise des Magazins: Journalisten sollen Nakamotos Haus belagert und ihn mit Fragen bedrängt haben. Erst als Nakamoto die Polizei rief und beteuerte, er habe nichts mit dem Bitcoin zu tun, zogen die "Newsweek"-Reporter ab.

Verwandte und Wegbegleiter Nakamotos befragt
Im Verwandten- und Bekanntenkreis Nakamotos suchten die Journalisten ebenfalls nach Informationen. Sein Bruder wurde zu Nakamotos Bitcoin-Vergangenheit befragt, Nakamoto selbst per E-Mail kontaktiert. Von seiner Schwester will das Magazin erfahren haben, dass Nakamoto mehrfach in Geldnot geraten war, den Kredit für sein Haus zeitweise nicht bezahlen konnte und den Bitcoin womöglich aus Hass auf Banken ins Leben gerufen hat.

Ein Bitcoin-Wegbegleiter namens Gavin Andresen, der mit Nakamoto bis April 2011 über das Thema Bitcoin korrespondiert haben soll, berichtet von Nakamoto als Verfechter der Open-Source-Philosophie. Nakamoto habe nicht verstanden, dass der Bitcoin immer wieder als Kryptowährung Cyberkrimineller in die Schlagzeilen geraten war. Nachdem Andresen angekündigt hatte, sich mit dem US-Geheimdienst CIA zu treffen, um dort Bedenken rund um den Bitcoin auszuräumen, soll Nakamoto den Kontakt abgebrochen haben.

Bitcoin-Schöpfer: "Ich bin nicht Dorian Nakamoto"
Unmittelbar nach dem "Newsweek"-Bericht bemüht sich Nakamoto nun um Schadensbegrenzung. Der Mann, dessen Namen und Wohnort das Magazin gegen seinen Willen an die Öffentlichkeit gezerrt hat, beteuert in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP: "Ich habe nichts mit dem Bitcoin zu tun, nichts mit der Entwicklung. Ich war nur ein Ingenieur, der etwas anderes gemacht hat."

Interessantes Detail: Nach dem Bericht über Dorian Prentice Satoshi Nakamoto hat sich in einem Bitcoin-Forum nun ein lange Zeit inaktiver Account namens "Satoshi Nakamoto" zu Wort gemeldet und in einem Posting erklärt: "Ich bin nicht Dorian Nakamoto". Der Betreiber des Forums bestätigte dem Technologie-Blog "TechCrunch", dass der Account mit derselben E-Mail-Adresse verknüpft ist, mit der sich der Bitcoin-Erfinder schon 2009 dort angemeldet hatte.

Das Rätselraten um den Schöpfer des Bitcoins geht also weiter. Handelt es sich wirklich um jenen Mann, dessen Privatleben die US-Presse nun publik gemacht hat und der eine Verbindung zu der digitalen Währung leugnet? Versucht er nun, mit seinem alten Account in Bitcoin-Foren von sich selbst abzulenken? Oder ist das Magazin bei seiner Hexenjagd tatsächlich auf einen unbedarften Bürger gestoßen, der nur das Pech hat, Nakamoto zu heißen? Angesichts der Verschwiegenheit Nakamotos dürfte es schwierig werden, diese Fragen zu beantworten.

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