Die Haltung ist ja durchaus nobel: verantwortungsvolle Funktionäre, die auf ihre Schützlinge wie auf unerfahrene Kinder achten. "Wir wollten die Athletinnen nicht belasten, sie sollten sich auf ihren Wettkampf konzentrieren. Ich habe ohnehin zwei Cobra-Leute für sie organisiert."
Dieses Verhalten zieht sich wie ein roter Faden durch das komplizierte Gewebe des Weltsports: Profifußballer dürfen beim Jubeln ihre Dressen nicht ausziehen, weil damit die religiösen Gefühle ihrer moslemischen Berufskollegen verletzt werden könnten; einer norwegischen Langläuferin wurde hier vom IOC verboten, mit einem Trauerflor dem verstorbenen Bruder einer Teamkameradin zu gedenken - man hätte das in Russland als politischen Protest auslegen können; und ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel sprach für seine Athleten ein Party-Verbot im Österreich-Haus aus, weil man in der Heimat allzu berauschende Fotos falsch verstehen könnte.
Alles ganz ehrenhaft, zum Schutze der Sportler(innen) natürlich – aber die haben sich in den letzten Jahrzehnten geändert: Sie sind großteils selbstständige, verantwortungsbewusste Frauen und Männer geworden, die Entscheidungen, was ihre Personen angeht, autonom treffen. Das muss diese Generation der führenden Funktionäre, die teilweise Großes geleistet hat, akzeptieren lernen - sonst verspielt sie bei den wesentlich jüngeren Athleten nicht nur jegliches Vertrauen, sondern auch jede Autorität: Ihre veralteten Regeln werden nämlich auf Dauer nicht mehr eingehalten - die Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz feierte ihr Silber bekanntlich bis drei Uhr in der Früh und ignorierte damit die direkte Sperrstund-Anweisung an die ÖSV-Medienbetreuer! Und so ist auch die Aussage von Marcel Hirscher zu verstehen: "Sollte ich in Sotschi etwas gewinnen, werde ich es richtig krachen lassen!"
Diese Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten – wer zu spät kommt und sie stur bekämpft, den bestraft das Leben.









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