Der Oktober steht im Zeichen der Senioren. Doch wie ist die Stimmung bei ihnen, nachdem der Sparstift angesetzt wurde? Das hat die „Krone“ die ältere Generation beim Fest der Senioren im Rathaus gefragt.
„Aber bitte mit Sahne“, lautet das Motto beim großen Seniorenfest zum Auftakt des Monats der Pensionisten am Freitag im Rathaus. Eine kostenlose Veranstaltung mit Musik, Tanz, Aperol-Spritz und Punschkrapfen. In Zeiten wie diesen, in denen die Senioren aufgrund des Sparzwangs, im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen, überwiegend zur Kasse gebeten werden – erhöhter Gesundheitskassenbeitrag, Wegfall des Einzelfahrscheins für Senioren bei den Wiener Linien oder die soziale Staffelung bei den Pensionserhöhungen – wichtiger denn je.
„Natürlich spürt man die Teuerungen“, sagt Silvia U. Aber ihr sei schon seit 20 Jahren klar gewesen, dass es nicht immer nur bergauf gehen könne. „Jeder muss nun seinen Beitrag leisten, wobei gerade die Pensionisten besonders dran kommen“, meint die 75-Jährige.
Ja, wir müssen sparen. Aber Menschen mit mehr Lebenserfahrung wissen, dass es mal bergauf, mal bergab geht. Und es gibt noch Ressourcen.
Sabine Hofer-Gruber, Seniorenbeauftragte der Stadt Wien
Rücken krumm gearbeitet
Ähnlich sieht das auch Brigitte Jäger: „45 Jahre lang habe ich mir den Rücken krumm gearbeitet. Alles wird teurer und ich muss mir überlegen, ob ich mir das oder das leisten kann. Das ist sehr schade, weil man arbeitete ja so viel für die Pension.“ Unfair findet die 64-Jährige, dass Personen, die nichts einbezahlt haben, ähnlich viel vom Staat bekommen. Die Wienerin würde sich auch Einsparungen bei der Mindestsicherung wünschen.
Im Gesamten gesehen, ist derzeit wenig von Gerechtigkeit zu erkennen, was das Sparen angeht. Meist trifft es aber die Kleinen, die Großen und Konzerne richten es sich sowieso immer irgendwie.

Kurt Mayer (84)
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Ich habe 45 Jahre als zahnärztliche Assistenz gearbeitet, dennoch eine kleine Pension. Das ganze Paket von Wohnung, Energie und Lebensmittel belastet immer mehr. Das ist schade, weil man ein Leben lang gearbeitet hat.

Brigitte Jäger (64)
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Ich bin alleinstehend und komme mit meiner Pension recht gut aus, habe 37 Jahre gearbeitet. Ich nutze aber auch die Gratis-Angebote der Pensionistenklubs. Wien bietet hier mehr als NÖ.

Charlotte Rottensteiner (82)
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Beim Einkaufen schaue ich sehr auf den Preis. Man muss aber auch nicht die Erdbeeren im Dezember kaufen. Was mich stört ist, dass Preiserhöhung, etwa bei Energie, in solch einer Höhe kommen. Ein wahrer Hammer.

Ernie Niesner (86)
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Unfair und das Pensionssystem
Das Wort „unfair“ fällt an diesem Nachmittag öfter. Kurt Mayer etwa hält nicht viel vom Schlechtreden des österreichischen Pensionssystems. „Das ist ja gut. Die Frage ist viel mehr, wo das ganze Geld geblieben ist.“ Alles werde teurer, dennoch sei immer weniger Geld da. Wie ist das möglich?
Wie lange noch?
Die Seniorenbeauftragte der Stadt, Sabine Hofer-Gruber, betont aber auch, dass die Stadt nach wie vor sehr viel für die älteren Leistungsträger tun würde. Dem stimmt Silvia U. zu: „Es gibt keine Stadt weltweit, die so viele kostenlose Veranstaltungen und Unterhaltungsmöglichkeiten bietet“, sagt sie, überlegt kurz und ergänzt dann aber: „Zumindest noch. Wir werden es sehen.“
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