20.07.2013 12:30 |

krone.at-Interview

Pfeifenberger: "Der richtige Dinosaurier ist der Toni Polster"

Er hat in der Vorsaison als Bundesliga-Neuling eine Sensation geschafft, als er Wiener Neustadt als Trainer zum Klassenerhalt verholfen hat - Heimo Pfeifenberger, Teenie-Schwarm der 1990er-Jahre, ist, wenn auch spät, als Coach in der Bundesliga angekommen. Wie der 46-Jährige zu seinem Status als längstdienender Trainer steht, wieso er Toni Polster als Dinosaurier bezeichnet, welche positiven und negativen Erfahrungen er in der Vorsaison gemacht hat, was er zur "Verdorfung" der Liga sagt und wie er im Flachland Wurzeln schlägt, das verriet er krone.at.

krone.at: Sie sind seit dem 30. Mai 2012 Trainer in Wiener Neustadt und so mit einem Jahr, einem Monat und - wenn ich richtig gezählt hab' - 19 Tagen (Stand 20. Juli) der längstdienende Bundesliga-Trainer.
Heimo Pfeifenberger: Was du alles weißt... (lacht)

krone.at: Jaja, man muss nur Computer richtig bedienen können.
Pfeifenberger: Ein Wahnsinn, wie die Zeit vergeht.

krone.at: Wie geht's Ihnen mit diesem Umstand? Wie geht's Ihnen als Trainer-Dinosaurier?
Pfeifenberger: (lacht) Moment, der richtige Dinosaurier ist schon noch der Toni Polster. Er ist der Älteste!

krone.at: Vom Alter her, vom Alter! Aber er ist nicht der Längstdienende.
Pfeifenberger: Stimmt auch wieder! Nein, es ist schon ein Zeichen dafür, wie schnelllebig der Trainerjob geworden ist. Damit hat keiner gerechnet, dass ich der Längstdienende werden würde. Das freut mich natürlich schon auch.

krone.at: Und wie war das möglich?
Pfeifenberger: Ich glaube, dass es generell ein außergewöhnliches Jahr war. Die Dramatik, die wir gehabt haben mit dem Abstieg, aber auch vorne, was die internationalen Plätze betrifft. Da war viel Spannung drinnen, viel Druck für die Klubchefs und die Trainer - also das gibt's nicht jedes Jahr. Hoffe ich zumindest für alle Kollegen. Es wäre schon krass, wenn es jedes Jahr so viele Wechsel gäbe, dann kannst du dich in dem Job auf gar nichts mehr verlassen.

krone.at: Sie haben den Toni Poster schon angesprochen. Wenn es den nicht gäbe, dann wären Sie jetzt auch an Lebensjahren schon der Älteste. Trotzdem haben Sie gerade einmal ein Jahr als Bundesligatrainer hinter sich gebracht. Gibt Ihnen das nicht doch irgendwie zu denken?
Pfeifenberger: Na gut, ich hatte ja zuerst andere Funktionen. Erst habe ich ja relativ lange gespielt und dann war ich zwei Jahre lang bei den "Bullen" Nachwuchschef. Für mich hat sich dann die Frage gestellt, in welche Richtung ich in Zukunft gehen will: eher Sportdirektor oder eher Trainer. Nach zwei Jahren habe ich mir dann gesagt: "Nein, ich muss raus auf den Platz!" Ich muss auch meine Emotionen ausleben können, und das kann ich im Büro nicht. Aber ich war ja dann trotzdem fast vier Jahre lang in Grödig Trainer, das ist ja auch schon Profifußball gewesen, auch in der Regionalliga. Und die Bundesliga, ja, da ist es sowieso schwer, hineinzukommen. Wenn du eine Chance bekommst, dann musst du sofort zuschlagen.

krone.at: Generell, was waren die schönsten und schlimmsten Erfahrungen, die sie in dem einen Jahr Bundesliga gemacht haben?
Pfeifenberger: Die schlimmste war sicher das eine Spiel gegen Wolfsberg, das wir auswärts mit 0:6 verloren haben. Da ist die Zeit überhaupt nicht vergangen. Das war das allerschlimmste Spiel, das ich bis jetzt erlebt habe. Das Heimspiel gegen Red Bull war dann auch schlimm, aber da hat man gewusst, gegen wen man spielt. Schön war für mich, wie die Burschen auf die Schlappen reagiert haben, das hätte ich ihnen gar nicht so zugetraut. Das haben sie super gemacht Und natürlich das Finish, von der Spannung und den Emotionen her. Die letzten drei Runden waren für mich einfach sensationell.

krone.at: Sie haben es gerade angesprochen. Ihre Mannschaft hat in Wolfsberg und gegen Salzburg viel einstecken müssen, ist aber immer wieder aufgestanden. Nach dem Wolfsberg-Spiel sind gleich ein paar Spiele ohne Niederlage gefolgt.
Pfeifenberger: Genau, ja.

krone.at: Wie erklären Sie sich, dass die Burschen so schnell wieder aufgestanden sind.
Pfeifenberger: Zum Schluss hat's mich nicht mehr überrascht, das hat ja schon im Herbst angefangen. Nachdem wir in Villach im Cup ausgeschieden sind, haben sie es auch sofort geschafft - und im Frühjahr war es mir dann schon klar. Wenn du das einmal schaffst, dann hast du das verinnerlicht. Natürlich weißt du nicht, was passiert, wenn es in die Endphase geht: Denn du hast immer weniger Spiele, um Fehler oder Pleiten auszubessern, und du weißt nicht, wie die Mannschaft auf ein 0:6 gegen Red Bull, wo sie zwölf Tore hätte kriegen können, reagiert. Das haben wir dann aber gleich im nächsten Spiel gegen die Austria sehr gut hingekriegt.

krone.at: Worauf haben Sie und Günther Kreissl bei den Neuverpflichtungen speziell geschaut? Wie muss der potenzielle Wiener-Neustadt-Spieler gestrickt sein?
Pfeifenberger: Zuerst schauen wir einmal auf den Charakter. Denn wenn er einen guten Charakter hat, dann ist er auch teamfähig. Natürlich ist das Potenzial von vornherein wichtig, keine Frage.

krone.at: Mit den Neuverpflichtungen sind Sie zufrieden?
Pfeifenberger: Ja, auf alle Fälle. Wir haben alle auf unserer Liste gehabt. Die ganz Guten, die Teuren, die können wir uns nicht leisten. Aber die, die wir wollten, die haben wir auch bekommen – und das spricht auch für Günther Kreissl und den Verein.

krone.at: Im Vorjahr war der SC Wiener Neustadt bei den Experten der unangefochtene Abstiegskandidat Nummer eins und vor allem eher ein Ziel von Spott und Häme - hat sich Ihrer Ansicht nach in der Außensicht etwas geändert?
Pfeifenberger: Ich glaube, das hat sich schon geändert. Wir sind aber trotzdem wieder für einen Großteil der Fixabsteiger. Aber es ist schon viel mehr Respekt da, es wird gewürdigt, wie mit den bescheidenen Mitteln gearbeitet wird. Wir sind viel präsenter geworden, über Neustadt redet man viel mehr als noch vor einem Jahr, sicher auch dank des turbulenten Saisonfinishs.

krone.at: Zum Saisonauftakt geht es heuer daheim gegen Red Bull Salzburg, gegen das Ihr Team im Frühjahr an selber Stelle 0:6 verloren hat. Zudem haben die "Bullen" zuletzt in einem Testspiel Schalke 04 besiegt und im Cup St. Florian mit 9:0 "betoniert". Ist Ihnen schon angst und bang?
Pfeifenberger: Nein, überhaupt nicht. Da erwartet eh keiner was. Überhaupt: In den ersten fünf Runden haben wir die drei großen Klubs - Salzburg, Rapid und Austria Wien. Ich halte das für gar nicht so schlecht, weil man kann ja doch auch eine Sensation schaffen, und andererseits kann man sich doch noch finden und stabilisieren, wenn's erwartungsgemäß nicht gut geht. Und Angst habe ich sowieso keine.

krone.at: Ein anderes Team aus Ihrem Heimatbundesland, Ihr Ex- Klub Grödig nämlich, sorgt als Neo-Bundesligist seit Monaten unter dem Schlagwort "Verdorfung der Bundesliga" für Diskussionen. Wie stehen Sie zu der teils herben Kritik daran, dass Klubs wie Grödig ganz oben mitspielen können?
Pfeifenberger: Also ich find's eine Frechheit. Sie haben es sportlich geschafft und sie probieren alles, dass sie auch von der Infrastruktur her alles auf die Reihe kriegen. Wenn sie es schaffen, dann steht es ihnen zu, oben mitzuspielen. Wenn Traditionsvereine nicht in der Lage sind aufzusteigen, dann kann ja Grödig nichts dafür. Sicher wäre es super, wenn es mehr Traditionsklubs in der Bundesliga gäbe, aber wenn es die nicht schaffen? Ich bin zudem davon überzeugt, dass Grödig eine gute Rolle spielen wird, und das Stadion wird man nicht mehr wiedererkennen. Das schaut sicher cool aus.

krone.at: Auch Wiener Neustadt gilt als "verzichtbar". Können Sie das nachvollziehen?
Pfeifenberger: Jeder Fan hat seine Lieblingsklubs und wünscht sich die in der Bundesliga, das ist ja ganz klar. Aber ich glaube, dass wir hier in Neustadt absolut das Potenzial haben, ein längerfristiger Bestandteil der Bundesliga zu sein, auch mit mehr Zuschauern. Wieso sollten nicht irgendwann immer so an die 7.000 Leute kommen?

krone.at: Als gebürtiger Zederhauser sind Sie eine ganz andere Topographie gewohnt. Wie kommt der Gebirgsmensch Heimo Pfeifenberger >Pfeifenberger: (schmunzelt) Ich suche mir halt ab und zu die größeren Hügel, sagen wir so. Da fahre ich mit dem Auto hin und dann mit dem Radl hinauf (lacht)Nein, da habe ich kein Problem damit. Manchmal bin ich aber durchaus überrascht, dass es da und dort trotzdem auch steiler hinaufgeht. Nein, das ist hier eine schöne Gegend. Aber bitte, ich war ja auch in Bremen: Da gab's auch keine Berge. Nein, ich bin wirklich gerne hier.

krone.at: Die früheren Trainer der Wiener Neustädter haben bekanntlich in Wien gelebt und sind praktisch nur zu den Trainings und zu den Spielern in die "Allzeit Getreue" gefahren, auch viele Spieler.
Pfeifenberger: Das ist ein bisschen die neue Philosophie vom Verein. Die sind auf mich zugegangen und haben sich das gewünscht und ich habe gesagt: "Okay!" Ich bin da sehr anpassungsfähig und mir macht das überhaupt nichts. Wie gesagt: Ich bin total gern hier.

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